„Das ist eine Provokation“: In Casablanca kritisieren Marokkaner den Besuch des spanischen Königs in Ceuta und Melilla

Die Beziehungen zwischen Rabat und Madrid stehen vor einer neuen Bewährungsprobe. Nach der Migrationskrise dieses Sommers besucht der spanische König Felipe VI. am 13. und 14. Oktober 2026 die beiden von Marokko beanspruchten Enklaven Ceuta und Melilla. Offiziell soll der Besuch die Unterstützung des spanischen Staates für diese beiden Gebiete bekräftigen. Es ist der erste Besuch eines spanischen Monarchen in diesen Städten mit umstrittener Souveränität seit dem Besuch von Juan Carlos im Jahr 2007, der damals eine diplomatische Krise mit Marokko ausgelöst hatte, berichtet RFI.

 Während sich die offiziellen Stellen des Königreichs bislang in Schweigen hüllen, ist die Empörung unter den Einwohnern von Casablanca groß.

Hier richten sich alle Blicke auf Sebta. So nennen die Marokkaner die Stadt Ceuta, die sie als von Madrid besetzt betrachten. Für einen jungen Einwohner Casablancas ist der Besuch von Felipe VI. eine eindeutige Botschaft: „Damit soll bekräftigt werden, dass Sebta spanisch ist und nicht marokkanisch, dass die Marokkaner Sebta vergessen sollen. Genau das bedeutet dieser Besuch!“

Keine offizielle Reaktion

Während ein Teil der Presse den Besuch zunächst ebenso wie dieser junge Mann als „provokative Geste“ verurteilte, wurde die Berichterstattung mit dem Näherrücken des Besuchstermins zunehmend zurückhaltender. Offiziell gab es weder vom Königspalast noch von hochrangigen politischen Vertretern eine Reaktion. Im Jahr 2007 hatte Marokko vor dem Besuch von König Juan Carlos seinen Botschafter zu Konsultationen zurückgerufen.

„Die Marokkaner werden das nicht vergessen“

Ein anderer Einwohner Casablancas erklärt: „Sie wollen das Problem nicht verschärfen. Wenn sich die Presse einmischt, könnte alles noch schlimmer werden. Aber das ist eine Provokation! Als König sollte er keine besetzte Stadt besuchen. Er hätte seinen Berater oder seinen Ministerpräsidenten schicken sollen. Die Marokkaner werden das nicht vergessen.“

Die Beziehungen zwischen Rabat und Madrid waren in den vergangenen Wochen nach dem Ausbruch der Migrationskrise in Ceuta erneut angespannt. Dennoch scheint die über Jahre aufgebaute Partnerschaft dadurch nicht grundsätzlich infrage gestellt zu werden. Seit 2022 haben sich die bilateralen Beziehungen deutlich verbessert, insbesondere nachdem Spanien seine Unterstützung für den marokkanischen Autonomieplan für die Westsahara erklärt hatte.

Spanien räumt letztes großes Migrantenlager in Ceuta

Am 11. Oktober lösten die spanischen Behörden das letzte große Migrantenlager in Ceuta auf – nur zwei Tage vor dem Besuch des spanischen Königspaares.

Das Lager war entstanden, nachdem am 30. und 31. Juli mehr als 70.000 Menschen in einem beispiellosen Massenansturm unerlaubt und teilweise gewaltsam nach Ceuta gelangt waren. Die meisten von ihnen waren innerhalb weniger Tage nach Marokko zurückgekehrt. Tausende blieben jedoch in der spanischen Enklave zurück und übernachteten auf den Straßen oder an den Stränden.