
In der Demokratischen Republik Kongo (DRK) kursieren in der Region Katanga seit etwa zwei Wochen Gerüchte über das mysteriöse Verschwinden männlicher Geschlechtsorgane – angeblich durch einfachen körperlichen Kontakt. Diese Theorien werden durch die sozialen Netzwerke weiter angeheizt, sodass etwa zehn Personen, denen diese angeblichen Taten vorgeworfen wurden, von Menschenmengen angegriffen wurden. Mindestens vier Menschen sind dabei ums Leben gekommen. Die Polizei droht nun damit, jeden festzunehmen, der sich an solchen Gewalttaten beteiligt, berichtet RFI.
In den meisten Fällen werden Passanten beschuldigt, durch bloßen Körperkontakt dieses angeblichen „Verschwindenlassen“ von Geschlechtsorganen verursacht zu haben. In der Ortschaft Kambove, rund 150 Kilometer von Lubumbashi entfernt, wurde am Sonntag, dem 8. März, eine Frau gesteinigt. „Das ist untragbar. Es handelt sich um eine schwangere Frau, die unterwegs war, um Second-Hand-Kleidung zu verkaufen. Ich verurteile diesen Mord und fordere die Behörden auf, diesen bei uns immer wiederkehrenden Praktiken ein Ende zu setzen“, erklärte Liliane Komba, Provinzabgeordnete aus Kambove.
Drei weitere Opfer, alles Männer, wurden in der Gemeinde Fungurume lebendig verbrannt. In Lubumbashi und Kolwezi wurden ebenfalls mehrere Personen misshandelt.
Shadrack Mukad, Sprecher der Zivilgesellschaft in Kolwezi, zeigt sich besorgt: „Die Situation wird sehr ernst. Es braucht strenge Maßnahmen und Strafen gegen jeden, der ruft: ‚Ich habe mein Geschlecht verloren!‘ Denn am Ende zeigt sich bei allen, die sich als Opfer bezeichnet haben, dass ihr Organ noch vorhanden ist.“
Anfang März verurteilte das Gericht von Kolwezi einen jungen Mann zu 15 Jahren Gefängnis wegen falscher Behauptungen über das Verschwinden seines Geschlechtsorgans. In Lubumbashi läuft derzeit ein weiterer Prozess gegen zwei Männer, denen ähnliche Vorwürfe gemacht werden.