
In Burkina Faso drohen Verbrauchern mit unbezahlten Wasserrechnungen künftig Sanktionen in Form von gemeinnütziger Arbeit. Wer seine offenen Rechnungen nicht innerhalb von sieben Tagen begleicht, kann von den Behörden zu Arbeiten im öffentlichen Interesse herangezogen werden.
Hintergrund der Maßnahme sind massive Zahlungsrückstände beim Nationalen Amt für Wasser und Abwasser (ONEA). Nach Angaben der Behörde beliefen sich die unbezahlten Rechnungen für Wasser, Abwasser und Bauleistungen zum 31. Januar 2026 auf rund 35 Milliarden CFA-Franc (rd. 54 Mio. Euro). Diese Situation gefährde zunehmend die finanzielle Stabilität der Einrichtung.
ONEA-Generaldirektor Idrissa Sourabié bezeichnete die Höhe der Außenstände als kritisch. Die Rückstände schwächten die Liquidität des Amtes, verzögerten notwendige Investitionen und stellten langfristig die Kontinuität der öffentlichen Trinkwasserversorgung infrage. Gleichzeitig seien ausreichende Einnahmen unerlässlich, um die Netze auszubauen, die Versorgung zu sichern und neue Infrastrukturen zu finanzieren.
Bislang habe die Behörde auf Dialog und flexible Zahlungsregelungen gesetzt. Angesichts des Ausmaßes der Zahlungsrückstände vollzieht die ONEA nun jedoch einen Kurswechsel. In diesem Zusammenhang wurde eine Zusammenarbeit mit der Brigade Laabal aufgenommen, einer gemischten Einheit der Verteidigungs- und Sicherheitskräfte, die für Ordnung, Disziplin und bürgerschaftliches Verhalten im öffentlichen Raum zuständig ist.
Ziel der Kooperation ist es, das Bewusstsein für die Bedeutung der Rechnungsbegleichung zu stärken, Betrug zu bekämpfen und die Verantwortung der Verbraucher einzufordern. Die ONEA betont, dass die Zahlung der Wasserrechnung nicht nur eine vertragliche Pflicht, sondern auch ein Akt der Solidarität sei, der den allgemeinen Zugang zu Trinkwasser ermögliche.
Die Behörden haben den Schuldnern nun eine klare Frist gesetzt: Privatpersonen und Unternehmen müssen ihre offenen Rechnungen innerhalb von sieben Tagen begleichen. Der Kommandant der Brigade Laabal, Leutnant Franck Octave Kabré, rief die Betroffenen zur schnellen Regelung ihrer Schulden auf. Die Nichtzahlung von Wasserrechnungen sei ein Ausdruck mangelnden Bürgersinns und behindere die Entwicklung des Landes.
Nach Ablauf der Frist können Schuldner zu gemeinnütziger Arbeit verpflichtet werden. Die Maßnahme soll insbesondere bei Großschuldnern sowie in Fällen greifen, in denen herkömmliche Eintreibungsverfahren erfolglos geblieben sind. Nach Angaben der Brigade handelt es sich dabei um einen neuartigen Ansatz, der finanziellen Druck mit bürgerschaftlicher Sensibilisierung und praktischer Beteiligung am Gemeinwohl verbindet.
Nach Darstellung der Behörden geht es dabei um mehr als um das bloße Eintreiben von Forderungen. Ziel sei es, die langfristige Sicherstellung der Trinkwasserversorgung für die gesamte Bevölkerung zu gewährleisten. Die notwendigen Investitionen in Infrastruktur und Versorgung könnten nur dann realisiert werden, wenn die Nutzer ihren finanziellen Verpflichtungen nachkämen.
Die Botschaft der Regierung ist eindeutig: Die Begleichung der Wasserrechnung gilt als zentrale Voraussetzung für den Erhalt des öffentlichen Dienstes und für die nationale Handlungsfähigkeit in einem lebenswichtigen Sektor. (Quelle: afrik.com)