
Das deutsche Rettungsschiff Sea-Watch 5 wurde nach einer Rettung für 15 Tage von den italienischen Behörden festgesetzt und mit einer Strafe von 7500 Euro belegt. Damit ist die Sea-Watch 5 nach der Humanity 1 schon das zweite zivile Rettungsschiff der Justice Fleet, das von den Behörden im Hafen festgehalten wird – während im Mittelmeer weiter Menschen auf der Flucht ertrinken. Gemeinsam mit Sea-Watch haben ein Dutzend weitere Seenotrettungsorganisationen als Teil der Justice Fleet ihre operative Kommunikation mit Libyen eingestellt.
Die italienischen Behörden werfen der Organisation Sea-Watch vor, bei der Rettung von 18 Menschen aus Seenot in internationalen Gewässern am 24. Januar nicht mit der libyschen Rettungsleitstelle kommuniziert zu haben – obwohl die sogenannte libysche Küstenwache für ihre Gewalttätigkeit und Missachtung von Menschenrechten bekannt ist. Die italienischen Behörden stützen ihr Vorgehen auf das “Piantedosi”-Gesetz, das Seenotretter*innen bei einer Rettung in der libyschen Such- und Rettungszone verpflichtet, mit der libyschen Seenotleitstelle in Tripolis zu kommunizieren.
Gemeinsam mit einem Dutzend weiteren Seenotrettungsorganisationen hat sich Sea-Watch als Teil der Allianz Justice Fleet im November 2025 dazu bekannt, die Kommunikation mit eben dieser libyschen Leitstelle einzustellen, um gewaltvolle Pullbacks durch die sogenannte libysche Küstenwache zu verhindern. Mehr als 70 extreme Gewalttaten von libyschen Akteuren, wie der Beschuss von Rettungsschiffen und Menschen auf der Flucht, wurden in den letzten zehn Jahren auf dem Mittelmeer dokumentiert – der Großteil verübt durch die sogenannte libysche Küstenwache.
Giulia Messmer, Sprecherin Sea-Watch: „Mit der Festsetzung der Sea-Watch 5 bestrafen uns die italienischen Behörden für die bloße Einhaltung von internationalem Recht. Wir kommunizieren nicht mit libyschen Milizen, die auf Rettungsschiffe schießen und Menschen auf der Flucht töten.“ (SOS Humanity)