
Eine neue Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt deutliche Unterschiede bei der Patientensicherheit in Afrika. Zwar haben viele Länder Fortschritte erzielt, doch insbesondere bei der Behandlung nichtübertragbarer Krankheiten (NCDs) bestehen weiterhin erhebliche Lücken.
Für die regionale WHO-Erhebung 2025/26 wurden 44 der 47 Länder der WHO-Region Afrika untersucht. Am weitesten fortgeschritten sind demnach die klinischen Abläufe. Besonders große Defizite bestehen dagegen bei Informations-, Melde- und Lernsystemen. Auch die Qualifikation des Gesundheitspersonals, die Einbeziehung von Patienten und Familien sowie die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren müssen verbessert werden.
Die Ergebnisse wurden anlässlich des Welttags der Patientensicherheit am 17. September veröffentlicht, der 2026 unter dem Motto „Sichere Versorgung bei nichtübertragbaren Krankheiten“ steht.
Nichtübertragbare Krankheiten wie Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauf- und chronische Atemwegserkrankungen gewinnen in Afrika zunehmend an Bedeutung. 2019 waren sie für 37 Prozent aller Todesfälle in der WHO-Region Afrika verantwortlich, gegenüber 24 Prozent im Jahr 2000. Fast zwei Drittel dieser Todesfälle treten vorzeitig auf.
Da Menschen mit chronischen Erkrankungen oft über Jahre medizinisch betreut werden, steigt auch das Risiko vermeidbarer Fehler. Dazu gehören verspätete oder falsche Diagnosen, Medikationsfehler, unerwünschte Wechselwirkungen, unzureichende Nachsorge sowie Informationsverluste beim Wechsel zwischen verschiedenen Einrichtungen oder Behandlern.
„Jeder Mensch muss während seines gesamten Behandlungsverlaufs vor vermeidbaren Schäden geschützt werden“, erklärte Dr. Mohamed Janabi, WHO-Regionaldirektor für Afrika. Sicherere Gesundheitsdienste seien zugleich entscheidend, um das Vertrauen der Bevölkerung zu stärken.
Nach Einschätzung der WHO müssen vor allem Systeme verbessert werden, mit denen Zwischenfälle gemeldet, ausgewertet und künftig vermieden werden können. Ebenso wichtig seien eine bessere Ausbildung des Gesundheitspersonals und eine stärkere Sicherheitskultur in medizinischen Einrichtungen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die medizinische Grundversorgung. Gut koordinierte Primärversorgung kann Krankheiten früher erkennen, eine kontinuierliche Behandlung gewährleisten und den Informationsaustausch verbessern, wenn Patienten zwischen Ärzten, Einrichtungen oder verschiedenen Ebenen des Gesundheitssystems wechseln.
In zahlreichen afrikanischen Ländern werden deshalb integrierte Angebote für chronische Krankheiten ausgebaut, unter anderem mithilfe der WHO-Programme PEN und PEN-Plus. Sie sollen Diagnose, Behandlung und langfristige Betreuung näher an die Bevölkerung bringen und durch standardisierte Behandlungsprotokolle, klare Überweisungswege und regelmäßige Kontrollen die Sicherheit erhöhen.
Auch Patienten und ihre Familien sollen stärker einbezogen werden. Ihre Erfahrungen können zeigen, wo Behandlungsabläufe nicht funktionieren, Informationen verloren gehen oder zusätzliche Risiken entstehen.
Die WHO fordert die afrikanischen Staaten auf, Patientensicherheit stärker in ihre Programme gegen nichtübertragbare Krankheiten einzubeziehen. Dazu gehören bessere Meldesysteme für medizinische Zwischenfälle, Investitionen in Ausbildung und Betreuung des Gesundheitspersonals sowie ein sichererer Umgang mit Medikamenten und Medizintechnik.