
Jemeniten, Sudanesen, Tschader, Ägypter, Senegalesen, Algerier und vor allem Marokkaner: Tausende Migranten leben unter schwierigen Bedingungen in der spanischen Exklave Ceuta im Norden Marokkos. Viele haben keine Unterkunft und hoffen auf politisches Asyl oder eine Legalisierung ihres Aufenthaltsstatus. Ein RFI-Reporter traf einen Kameruner, der Ende Juli bei der massenhaften Überquerung der Grenze von Marokko nach Ceuta gelangte. Er schildert die Lebensbedingungen in der Exklave.
Auf Pappkartons unter einem Baum mit Blick aufs Meer sitzt eine Gruppe von fünf Kamerunern und isst eine vom Internationalen Roten Kreuz verteilte Mahlzeit – ihre einzige am Tag. Der 28-jährige Yannick Njapa sagt: „Wir Kameruner sind hier die kleinste Gemeinschaft.“
Deshalb versuchen sie, sich gegenseitig zu unterstützen, um die schwierigen Lebensbedingungen zu ertragen: Es gibt weder fließendes Wasser noch Strom, und sie haben keinerlei Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
„Die Lebensbedingungen entsprechen überhaupt nicht dem, was wir erwartet hatten. Verglichen mit unseren Vorstellungen ist es wirklich hart. Ich habe 18 Pappkartons, auf denen ich schlafe, ich habe kein Dach über dem Kopf. Die hygienischen Zustände sind schlecht, überall ist ständig Staub. Alles müsste verbessert werden“, erklärt Yannick.
Hinzu kommen die belastenden Erinnerungen an die Überfahrt: „Wenn du ins Meer gehst und dort Leichen siehst und Menschen, die sich gegenseitig niedertrampeln, dann hinterlässt das natürlich Spuren. Das prägt sich ein. So etwas kann man nicht vergessen.“
Lange Wartezeiten bei den Behörden
Yannick und seine Freunde sind noch nicht als Asylbewerber registriert, da die Wartezeiten bei den zuständigen Behörden lang sind. Unter diesen Umständen weiß Yannick nicht, wie lange er noch in Ceuta bleiben kann. Vor seiner Ankunft hatte er sieben Jahre lang in einem Restaurant im marokkanischen Tétouan gearbeitet.
„Ich bin ganz spontan hierhergekommen. Ich hatte davon im Radio und in den sozialen Netzwerken gehört. Man denkt immer, dass es auf der anderen Seite besser ist als hier. Dann möchte man es selbst sehen. Diese Neugier hat mich dazu gebracht, hierherzukommen. Wenn Spanien das ist, was ich heute hier sehe, dann gehe ich zurück nach Marokko! Aber wenn sich für mein Leben hier eine positive Perspektive ergibt, werde ich in Spanien bleiben.“
Die Migranten sehen sich zudem mit dem Unmut eines Teils der Einwohner Ceutas konfrontiert. Diese sind der Ansicht, dass die Stadt nicht mehr über ausreichende Aufnahmekapazitäten verfügt, um die hohe Zahl der Neuankömmlinge zu bewältigen.