Südafrika gibt Namibia mehr als 80 sterbliche Überreste aus der Apartheid- und Kolonialzeit zurück

Südafrika hat Namibia die sterblichen Überreste von mehr als 80 Menschen zurückgegeben, die während der Apartheid und der Kolonialzeit ums Leben gekommen waren. Am Mittwoch, dem 19. August 2026, fand in Kapstadt eine Zeremonie statt, bevor die sterblichen Überreste in ihre Heimat zurückgebracht wurden. Die Rückführung erfolgte auf Wunsch Namibias. Die Regierung in Windhoek setzt sich seit vielen Jahren weltweit für derartige Rückgaben ein. Zugleich ist die Aktion Teil des kürzlich von Südafrika eingeleiteten Programms für wiedergutmachende Gerechtigkeit, berichtet RFI.

Unter den sterblichen Überresten befinden sich auch jene zweier ehemaliger namibischer Freiheitskämpfer, die auf der südafrikanischen Gefängnisinsel Robben Island inhaftiert waren. Festus Nehale und Simon Niilenge kämpften für die Befreiung ihres Landes, das damals vom Apartheidregime in Pretoria besetzt war. Sie starben 1971 beziehungsweise 1974 und wurden in Kapstadt beigesetzt.

Südafrika gab außerdem menschliche Überreste zurück, die sich in den Sammlungen des Iziko-Museums befanden. Sie waren während der Kolonialzeit zusammengetragen worden, als die Untersuchung menschlicher Knochen dazu missbraucht wurde, eine angebliche Hierarchie zwischen verschiedenen „Rassen“ wissenschaftlich zu begründen.

Ein Akt der „wiedergutmachenden Gerechtigkeit“

„Dies ist ein Akt der wiedergutmachenden Gerechtigkeit, der Würde und der Heilung“, erklärte der südafrikanische Kulturminister während der Zeremonie. Damit werde, so der Minister, „Familien und Gemeinschaften die Möglichkeit gegeben, ihre Vorfahren auf ihrem eigenen Boden zu ehren“.

Seine namibische Amtskollegin Sanet Steenkamp betonte, dass all diese Menschen ihr Land einst „als Untertanen einer kolonialen Ordnung“ verlassen hätten. „Mit ihrer Rückkehr nach Namibia sind sie nun Bürger einer freien und souveränen Republik“, fügte sie hinzu.

Festus Nehale und Simon Niilenge sollen am kommenden Mittwoch im Rahmen der Feierlichkeiten zum namibischen „Heldentag“ erneut beigesetzt werden. In diesem Jahr wird dabei zugleich an den 60. Jahrestag des Beginns des namibischen Unabhängigkeitskampfes erinnert.

Namibia fordert bereits seit mehreren Jahren die Rückgabe sterblicher Überreste, die sich im Ausland befinden. Menschliche Überreste, die während der Kolonialzeit außer Landes gebracht worden waren, wurden unter anderem 2011, 2014 und 2018 von Deutschland an Namibia zurückgegeben.