
Liberia wird in den kommenden zwölf Monaten bis zu 1.200 Personen aufnehmen, die aus den USA abgeschoben werden. Nach Angaben der New York Times handelt es sich um eines der umfangreichsten Abkommen, das die US-Regierung zur Abschiebung von Migranten geschlossen hat, die nicht in ihre Herkunftsländer zurückgeführt werden können. Die ersten Ankömmlinge, eine Gruppe von 20 Personen, werden bereits an diesem Donnerstag, dem 20. August, in Monrovia erwartet.
In einer am Dienstag, dem 18. August, veröffentlichten Erklärung gab die liberianische Regierung bekannt, dass sie sich bereit erklärt habe, bis zu 1.200 ausländische Staatsangehörige aufzunehmen, die von den US-Behörden abgeschoben werden. Diese Personen stammen nicht notwendigerweise aus Liberia, sondern können aus Afrika, der Karibik oder anderen Teilen Amerikas kommen. Nach Angaben der liberianischen Behörden werden sie als „Gäste“ betrachtet und können entweder in Liberia Asyl beantragen oder das Land verlassen, wann immer sie möchten.
Monrovia betont, dass das Abkommen in erster Linie humanitären Zwecken diene. Die Regierung versichert, weder eine finanzielle Entschädigung noch besondere Zusagen als Gegenleistung für die Aufnahme dieser Menschen verlangt oder erhalten zu haben. Sie räumt jedoch ein, dass die USA Liberia bei der Umsetzung des Programms und bei der Stärkung seines Migrationssystems unterstützen werden.
Eine neue Etappe in der Politik Donald Trumps
Die Entscheidung steht im Zusammenhang mit der Verschärfung der US-Migrationspolitik seit der Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus im Januar 2025. Seine Regierung versucht, die Zahl der Abschiebungen von Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus zu erhöhen – auch dann, wenn eine direkte Rückführung in ihr Herkunftsland rechtlich problematisch ist.
Washington setzt dabei auf das Prinzip der Abschiebung in sogenannte „Drittstaaten“: Eine Person wird nicht in das Land ihrer Staatsangehörigkeit abgeschoben, sondern in einen anderen Staat, der sich bereit erklärt, sie aufzunehmen.
Liberia ist damit eines der jüngsten afrikanischen Länder, das sich an diesem seit 2025 zunehmend ausgeweiteten Verfahren beteiligt.
Zahlreiche afrikanische Länder beteiligt
Liberia ist nicht das erste Land des Kontinents, das einer solchen Vereinbarung zustimmt. Mindestens neun afrikanische Staaten haben bereits Drittstaatsangehörige aufgenommen oder sich bereit erklärt, Personen aufzunehmen, die aus den USA abgeschoben wurden.
Ghana gehörte zu den ersten afrikanischen Ländern, die sich an diesem Verfahren beteiligten. Seit September 2025 wurden mehrere Dutzend Menschen dorthin gebracht und teilweise anschließend in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt. Menschenrechtsorganisationen kritisierten diese Praxis und warnten, dass einige Betroffene dadurch in Länder zurückgeführt werden könnten, in denen ihnen nach eigenen Angaben Verfolgung droht.
Auch die Demokratische Republik Kongo hat aus den USA abgeschobene Personen aufgenommen. Im April traf eine Gruppe von 15 südamerikanischen Staatsangehörigen aus Kolumbien, Peru und Ecuador in Kinshasa ein. Sie wurden von der Internationalen Organisation für Migration betreut und mussten sich entscheiden, ob sie in ihr Herkunftsland zurückkehren oder in der Demokratischen Republik Kongo Asyl beantragen wollten.
Die Ausweitung dieser Politik stößt jedoch auf erhebliche Kritik. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch bemängeln die mangelnde Transparenz einiger Abkommen, die möglicherweise gegen internationales Recht verstoßen könnten. Kritisiert werden zudem die Bedingungen, unter denen die abgeschobenen Personen nach ihrer Ankunft aufgenommen und betreut werden. (Quelle: allafrica.com)