Kritische Rohstoffe: Trump setzt 500 Millionen Dollar auf Afrika

Angesichts der Konkurrenz durch China will Washington seine Versorgung sichern. Nun liegt es an Afrika, seinen Rohstoffreichtum in industrielle Stärke umzuwandeln.

Der weltweite Wettlauf um kritische Mineralien tritt in eine neue Phase. Die Trump-Regierung hat am 23. Juli ein 500-Millionen-Dollar-Programm zur Unterstützung von Projekten rund um strategische Rohstoffe in Subsahara-Afrika aufgelegt. Im Mittelpunkt stehen Exploration, Verarbeitung, Raffination, Infrastruktur, geologische Daten und der Aufbau lokaler Kapazitäten.

Washington plant bis zu zehn Kooperationsvereinbarungen oder Förderprogramme mit Finanzierungen zwischen 5 und 50 Millionen Dollar pro Projekt. Hinter diesem Finanzpaket steht ein weitaus größeres Ziel: Die USA wollen ihre Bezugsquellen diversifizieren und die Präsenz amerikanischer Unternehmen in den afrikanischen Wertschöpfungsketten des Bergbaus ausbauen.

Washington will gegenüber China aufholen

Diese Offensive ist eine Reaktion auf die geoökonomische Realität: China verfügt bei der Verarbeitung und Raffination mehrerer strategischer Rohstoffe über eine dominierende Stellung – nach jahrelangen Investitionen in afrikanische Bergwerke und Infrastruktur.

Für Washington sind kritische Mineralien inzwischen eine Frage der wirtschaftlichen und strategischen Sicherheit. Sie sind unverzichtbar für Batterien von Elektrofahrzeugen, Halbleiter, erneuerbare Energien, digitale Technologien und Rüstungsgüter.

Das US-Programm steht zugleich für einen Wandel in den Beziehungen zu Afrika: weniger Entwicklungshilfe, dafür mehr Handel, Investitionen und privatwirtschaftliche Partnerschaften. Ziel ist es, Bedingungen zu schaffen, unter denen US-Unternehmen ihre Rohstoffversorgung sichern und gleichzeitig neue wirtschaftliche Möglichkeiten erschließen können.

Afrika besitzt die Rohstoffe, aber noch nicht die gesamte Wertschöpfung

Hier liegt das afrikanische Paradox. Nach Angaben der französischen Atomenergiebehörde verfügt der Kontinent über rund 30 Prozent der weltweit bekannten Reserven an kritischen Mineralien, ist jedoch weiterhin stark vom Export unverarbeiteter Rohstoffe abhängig.

Die Demokratische Republik Kongo (DR Kongo) liefert etwa 70 Prozent des weltweiten Kobalts. Südafrika dominiert bei den Metallen der Platingruppe. Sambia ist ein bedeutender Kupferproduzent, und Simbabwe baut sein Potenzial bei Lithium rasch aus.

Diese Ressourcen rücken Afrika ins Zentrum des globalen Wettbewerbs. Doch der Besitz der Rohstoffe bedeutet noch lange nicht, dass auch die damit verbundene Wertschöpfung im Land bleibt. Jahrzehntelang wurden die Rohstoffe abgebaut, exportiert und anschließend anderswo verarbeitet. Bei der neuen Konkurrenz um Mineralien geht es für Afrika deshalb darum, diese Logik zu durchbrechen.

Lobito: ein Korridor, aber vor allem ein Test

Der Lobito-Korridor veranschaulicht diese neue Geopolitik. Er verbindet die Bergbauregionen der DR Kongo und Sambias mit dem angolanischen Hafen Lobito und soll den Export von Kupfer und Kobalt auf die internationalen Märkte erleichtern.

Für Washington ist diese Infrastruktur ein wichtiger Bestandteil der Diversifizierung seiner Lieferketten. Für Afrika könnte sie jedoch mehr werden: ein Korridor der Industrialisierung.

Entscheidend wird sein, ob die Infrastruktur dazu führt, dass Verarbeitungsbetriebe, Logistikzentren, Labore, Dienstleistungsunternehmen und Ausbildungszentren entstehen – oder ob sie hauptsächlich dazu dient, den Abtransport unverarbeiteter Rohstoffe zu beschleunigen.

Zeit zu verhandeln

Der Wettbewerb zwischen den USA, China und anderen Mächten kann den afrikanischen Staaten einen außergewöhnlichen Verhandlungsspielraum verschaffen. Dieser muss jedoch genutzt werden. Die afrikanischen Staaten sollten Technologietransfer, qualifizierte Arbeitsplätze, Infrastruktur, Ausbildung, lokale Wertschöpfung und vor allem die Verarbeitung der Rohstoffe vor Ort einfordern.

Die Afrikanische Union und die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone könnten dazu beitragen, eine gemeinsame kontinentale Strategie für kritische Mineralien zu entwickeln und zu verhindern, dass jedes Land isoliert verhandelt.

Die amerikanischen 500 Millionen Dollar sollten daher nicht nur den Zugang zu Afrikas Rohstoffen finanzieren. Sie sollten auch dazu beitragen, Afrika Zugang zu der Wertschöpfung zu verschaffen, die aus seinen eigenen Ressourcen entsteht.

Der neue Wettlauf um Afrikas Bodenschätze kann die Geschichte wiederholen – oder Afrika die Möglichkeit geben, sie neu zu schreiben. (Quelle: adiac-congo.com)