Terrorgruppen profitieren von den Goldminen im Sahel

Die Terroristen von GSIM und dem Islamischen Staat nehmen Gemeinden in der Nähe industrieller und handwerklicher Goldminen in Burkina Faso, Mali und Niger ins Visier, um sie als Finanzierungsquellen, zur Rekrutierung von Kämpfern und als Operationsbasen zu nutzen.


Die Terroristen im Sahel nehmen Goldminen und die umliegenden Gemeinden ins Visier, um Einnahmen zu erzielen, neue Mitglieder zu rekrutieren und an Waffen beziehungsweise Materialien wie Sprengstoff zu gelangen. In einigen Fällen haben die Terroristen in der Nähe der Minen Stützpunkte errichtet.

Anstatt die Minen direkt anzugreifen, haben sich die Gruppe zur Unterstützung des Islam und der Muslime (GSIM) und der Islamische Staat in der Großsahara (EIGS) in mehreren Regionen Burkina Fasos, Malis und Nigers in benachbarten Gemeinden sowie entlang der Straßen etabliert, die die Abbaugebiete untereinander und mit dem Rest der Welt verbinden.

Héni Nsaibia, leitender Westafrika-Analyst beim Projekt ACLED (Armed Conflict Location and Event Data), schrieb kürzlich: „Wenn sich militante Gruppen in neue Regionen ausbreiten, konzentrieren sie sich nur selten ausschließlich auf die Minen. Vielmehr treten sie mit Bergleuten, Händlern, Transportwegen und den umliegenden Gemeinden in Kontakt, die den Bergbau unterstützen und für ihren Lebensunterhalt von ihm abhängig sind.“ Letztlich bestehe ihr Ziel darin, die Kontrolle über die Gemeinden, deren Ressourcen und die von ihnen bereitgestellte unterstützende Infrastruktur zu erlangen, so Nsaibia.

Burkina Faso ist zum Schwerpunkt der mit dem Bergbau verbundenen Gewalt geworden: 75 Prozent aller gewaltsamen Vorfälle ereignen sich dort. ACLED untersuchte 44 Bergbaustandorte in den drei Ländern der Allianz der Sahelstaaten (AES) und stellte fest, dass der Großteil der terroristischen Aktivitäten in einem Umkreis von weniger als zehn Kilometern um die Minen stattfindet und nicht unmittelbar auf dem Minengelände.

Die Inata-Mine im Norden Burkina Fasos nahe der Grenze zu Mali war 2018 die erste Mine, die von Terroristen ins Visier genommen wurde. Die regierende Junta schloss die Mine 2024. Seit Juni dieses Jahres befinden sich die Mine und die umliegende Region laut ACLED unter der Kontrolle des GSIM.

„Die Art und Weise, wie GSIM und EIGS vom Bergbausektor profitieren, ist indirekt. Zunächst müssen die Menschen das Gold abbauen“, erklärte Lucia Bird Ruiz Benitez de Lugo, Direktorin des Westafrika-Observatoriums der GI-TOC (Global Initiative Against Transnational Organized Crime), kürzlich bei einem Webinar der ILC (International Land Coalition). Anschließend verlangen GSIM und EIGS von den Bergleuten und anderen Mitgliedern der Gemeinden Zahlungen in Form von Steuern oder Schutzgelderpressung. Diese werden häufig in Gold entrichtet, das gelagert und später gewaschen beziehungsweise schnell zu Bargeld gemacht werden kann. „Bei Razzien in Stützpunkten, insbesondere solchen des GSIM, haben wir festgestellt, dass die Gruppen mitunter über enorme Mengen Gold verfügen“, sagte sie.

Viele Bergbaugemeinden liegen in Grenzregionen, beispielsweise in der Region Kayes im Westen Malis an der Grenze zum Senegal, wo 80 Prozent des Goldes des Landes gefördert werden. Auch die südliche Grenze Burkina Fasos zu Ghana ist zu einer Einnahmequelle für den GSIM geworden, da ghanaische Bergleute Gold zur Verarbeitung nach Burkina Faso bringen, erklärte sie.

Die Region Liptako-Gourma, die sich über Burkina Faso, Mali und Niger erstreckt, ist seit Langem ein Brennpunkt der Rivalität zwischen GSIM und EIGS. Dort befindet sich mit Essakané auch die größte Goldmine Burkina Fasos. Einige der bedeutendsten Goldminen Nigers, darunter die Samira-Mine, liegen auf der anderen Seite der Grenze.

Da GSIM und EIGS versuchen, ihren Einfluss in der Region weiter auszubauen, dürfte die mit dem Bergbau verbundene Gewalt nach Einschätzung von Héni Nsaibia künftig auch über die Länder der AES hinaus zunehmen. „Die Ausbreitung des GSIM in Richtung der Grenzen Senegals, Guineas, der Elfenbeinküste und Ghanas weckt die Befürchtung, dass sich das bereits im zentralen Sahel beobachtete Muster weiter nach Süden bis in die Küstenstaaten Westafrikas ausbreiten könnte“, schreibt er in einem Bericht für ACLED und die ILC.

Auch die Bergbaugemeinden im Nordwesten und im nördlichen Zentralnigeria dürften zu Zielen von GSIM und EIGS werden. Beide Gruppen haben in diesen Regionen bereits Fuß gefasst, so Nsaibia. „Bergbaugebiete sind inzwischen weit mehr als bloße Orte der Rohstoffgewinnung. Sie dienen zunehmend als Indikatoren für eine umfassendere Konfliktdynamik und zeigen, wie Regierungen mineralische Ressourcen kontrollieren und wie sich lokale Gewalt ausbreiten und lebenswichtige wirtschaftliche Aktivitäten beeinträchtigen kann.“ (Quelle : adf-magazine)