
Knapp eine Woche nach dem erneuten Ausbruch der Kämpfe im Norden Äthiopiens hat die föderale Armee ihre Gegenoffensive auf mehreren Fronten verstärkt. Am Sonntag traf eine Drohne das Gebäude des regionalen Fernsehsenders Tigrai TV in Mekelle, der Hauptstadt der von den Rebellen kontrollierten Region Tigray. Nach Angaben eines Mitarbeiters gab es keine Verletzten, berichtet RFI.
Tigrai TV gilt als offizielles Sprachrohr der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF). Über den Sender war am 20. September die Bildung einer neuen Koalition bewaffneter Gruppen gegen die Bundesregierung bekannt gegeben worden. Einen Tag später setzte die äthiopische Medienbehörde den Sender aus.
Besonders heftig sind die Kämpfe derzeit im Süden Tigrays rund um die strategisch wichtige Stadt Alamata. Nach Angaben aus Militärkreisen kontrolliert die föderale Armee inzwischen die nahe gelegenen Orte Kobo und Waja. Die Einnahme Alamatas könnte für den weiteren Verlauf der Kämpfe von großer Bedeutung sein, da die Stadt an einer wichtigen Verkehrsachse in Richtung Tigray liegt.
Unter der Bevölkerung wächst die Angst vor weiteren Luftangriffen. Bereits am 22. September wurden nach Angaben des Konfliktbeobachtungsnetzwerks Acled rund 15 Drohnenangriffe auf Alamata registriert. Dabei sollen unter anderem Schulen und ein Krankenhaus getroffen worden sein. Die Zahl möglicher Opfer ist bislang unbekannt. UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk verurteilte die Angriffe auf Schulen in Tigray.
Gleichzeitig setzen die Tigray-Kräfte (TDF) ihre Offensive an anderen Fronten fort. Am Sonntag nahmen sie die Ortschaft Erebti in der benachbarten Region Afar ein.
Äthiopiens Armeechef Birhanu Jula wirft zudem Eritrea vor, die bewaffneten Gruppen logistisch zu unterstützen und unter anderem Munition nach Tigray zu liefern. Die eritreische Regierung weist diese Vorwürfe zurück.