
Im Norden Äthiopiens verschärft sich die Sicherheitslage. In mehreren Regionen sind inzwischen gleichzeitig militärische Fronten aktiv. UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk zeigt sich „zutiefst alarmiert“ und fordert alle Konfliktparteien zu einer dringenden Deeskalation auf, berichtet RFI.
Im westlichen Tigray kam es am Freitag rund um den Fluss Tekeze zu neuen Kämpfen zwischen den Tigray Defence Forces (TDF) und den äthiopischen Streitkräften. Nach Angaben des Konfliktbeobachtungsnetzwerks ACLED deutet die Entwicklung auf eine weitere Ausbreitung der Kämpfe hin. Auch die von Rebellen kontrollierte Stadt Sheraro wurde demnach von einem Drohnenangriff getroffen. In der Nähe befindet sich ein Lager für Binnenvertriebene.
Auch in der Region Afar im Nordosten des Landes wurden schwere Gefechte gemeldet. In der Nacht zum Freitag kämpften Regierungstruppen und TDF in der Stadt Abala nahe der Grenze zu Tigray. Auch aus Serebti, rund 100 Kilometer entfernt, wurden heftige Schusswechsel gemeldet. Nach Angaben aus humanitären Kreisen fliehen zahlreiche Einwohner vor den Kämpfen. Einige seien zwischen den Fronten eingeschlossen.
In der Region Amhara dauern unterdessen die Auseinandersetzungen rund um Lalibela an. Der dortige Flughafen blieb am Donnerstag bereits den zweiten Tag in Folge geschlossen.
Die äthiopische Armee erklärte, bei ihrer Gegenoffensive seien in den vergangenen Tagen mehr als 700 Rebellen getötet und rund 500 verletzt worden. Diese Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.
Seit Donnerstagabend sind in Teilen der betroffenen Regionen zudem Telefon- und Internetverbindungen unterbrochen. Ähnliche Kommunikationssperren hatte es bereits während des Tigray-Krieges ab 2020 gegeben.
UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk forderte alle Seiten auf, „die Spannungen dringend zu entschärfen“ und eine erneute großflächige Eskalation der Kämpfe zu verhindern. Nach Angaben seines Büros wurden bei Luftangriffen, darunter Drohnenangriffe, fünf Schulen getroffen. Dabei soll es Tote und Verletzte gegeben haben. In Kobo in der Region Amhara seien zudem Zivilisten durch einen der äthiopischen Armee zugeschriebenen Mörserangriff getötet worden.
Türk äußerte außerdem Besorgnis über Berichte über Zwangsrekrutierungen. Der TPLF wird eine massive Rekrutierung von Zivilisten, darunter auch Kindern, vorgeworfen. Gleichzeitig liegen den Vereinten Nationen nach seinen Angaben beunruhigende Informationen über willkürliche Einberufungen durch Regierungstruppen vor.