
Diese Woche im DAS-Pressespiegel: Afrikanische Medien reagieren auf den Iran-Krieg, steigende Energiepreise und gestörte Handelsrouten setzen afrikanische Volkswirtschaften unter Druck, und mögliche sicherheitspolitische Spillover-Effekte könnten Konfliktdynamiken auf dem Kontinent beeinflussen.
Die militärische Eskalation zwischen Israel, den USA und Iran sorgt auch in afrikanischen Medien und politischen Debatten für intensive Diskussionen. Während viele afrikanische Regierungen in ihren offiziellen Stellungnahmen eine vorsichtige und diplomatische Sprache wählen und es vermeiden, klar Stellung für eine der drei Hauptkriegsparteien zu beziehen, zeigt ein Blick in die afrikanische Medienlandschaft bereits in der Wortwahl unterschiedliche Rahmungen der militärischen Auseinandersetzung. Während einige Medien den Konflikt vergleichsweise neutral als „Iran-Israel-Konflikt“ oder „Eskalation im Nahen Osten“ bezeichnen, verwenden andere deutlich politischere oder akteursbezogene Formulierungen. So sprechen etwa staatliche Presseagenturen in Nordafrika wie der Algerien Press Service oder Agence Tunis Afrique Presse von „amerikanisch-zionistischen Angriffen“ beziehungsweise „US-zionistischen Angriffen gegen Iran“. Auch Algeriens Staatsradio spricht von „amerikanisch-zionistischen Aggressionen“. Auffällig ist dabei, dass die großen algerischen Tageszeitungen zwar über die iranischen Gegenangriffe auf Hauptstädte der Golfstaaten berichten, diese jedoch nicht als „Aggression“ bezeichnen.
In Ägypten sprechen die großen Tageszeitungen Al-Ahram (staatlich) und Al-Masry Al-Youm (privat) vom “amerikanisch-israelischen Krieg gegen Iran”. Hespress, eine private marokkanische Online-Nachrichtenplattform, ist etwas zurückhaltender in der Begriffswahl und beschreibt die Entwicklungen überwiegend als „Iran-Israel-Konflikt“ oder „Krieg im Nahen Osten“ – Formulierungen, die beispielsweise auch die kenianischen Zeitungen The Star und The EastAfrican nutzen. Westafrikanische Medien, wie z.B. das nigerianische Medienportal THISDAYLIVE oder Daily Trust sprechen hingegen vom „US-Israel-Iran-Krieg“ oder vom „Krieg zwischen USA, Israel und Iran“, während z.B. Südafrikas Mail & Guardian überwiegend auf Terminologien wie „Iran-Krieg“ oder „Iran-Israel-Konflikt“ zurückgreift.
Wirtschaftliche Auswirkungen auf afrikanische Staaten
Besonders internationale Handelsrouten und globale Energiemärkte verzeichnen bereits spürbare Effekte des Iran-Kriegs. Inzwischen blockiert Iran die für den maritimen Handel zentrale Straße von Hormus; Berichten zufolge sollen dort zudem Minen verlegt worden sein. Rund ein Fünftel des weltweiten Öltransportes passiert diese Engstelle. Auch das Bab al-Mandab-Nadelöhr ins Rote Meer gilt auf Grund der Regionalisierung des Krieges als hochriskant. Durch die gestiegenen Sicherheitsrisiken müssen Schiffe nun auf längere und teils aufwendigere Handelsrouten um das Kap der Guten Hoffnung ausweichen, was Transportzeiten verlängert und Kosten erhöht. Damit steigt zugleich das Risiko von Lieferverzögerungen und Versorgungsengpässen – nicht nur bei Öl, sondern auch bei Gütern wie Getreide und Düngemitteln.
Die Unsicherheit über Transportwege, kombiniert mit Angriffen auf Raffinerien in den Golfstaaten, hat bereits zu einem deutlichen Anstieg der Rohölpreise geführt, wobei Brent Öl zeitweise wieder Niveaus um oder über 100 US-Dollar pro Barrel erreichte. Ölproduzierende afrikanische Staaten wie Nigeria, Angola oder Ghana können dabei durchaus von den gestiegenen Preisen für Rohöl profitieren: Höhere Einnahmen aus Exporten verbessern ihre Leistungsbilanzen und erweitern fiskalische Spielräume. So könnte Angola seinen Leistungsbilanzsaldo laut Bloomberg Economics um mehrere Prozentpunkte des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigern, falls die hohen Preise länger anhalten. Für Länder wie Nigeria, die nur über begrenzte Raffineriekapazitäten verfügen und auf importierte raffinierte Produkte angewiesen sind, schlagen sich die gestiegenen Weltmarktpreise jedoch direkt auf die Inlandspreise nieder. So stiegen in Nigeria die Benzinpreise im Februar 2026 um rund 35% im Vergleich zum Vorjahr. Auch Netto-Energieimporteure wie Ägypten oder Uganda spüren die Effekte unmittelbar. In Ägypten verteuerten sich laut Berichten des Energieministeriums im März 2026 die Benzinpreise um rund 22%, was wiederum zusätzlichen Druck auf Ägyptens angeschlagene Wirtschaft ausübt. Entsprechend führte Ägypten bereits Gespräche mit der EU, den USA sowie internationalen Finanzinstitutionen, um die wirtschaftlichen Folgen des Krieges abzufedern. Auch in Uganda verteuern bereits heute höhere Importkosten für Diesel und Benzin die Transport- und Produktionskosten.
Trotz der spürbaren Preissteigerungen und der Unsicherheiten auf den Energiemärkten bewertet WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala die Auswirkungen des Konflikts auf Afrika bislang vergleichsweise zurückhaltend. In einem kurzen Video-Statement bei BBC News Africa erklärte sie, dass viele afrikanische Länder bislang weniger direkt vom Konflikt betroffen seien, da sie nur begrenzte Handelsbeziehungen zu den Hauptkriegsteilnehmern unterhalten. Zugleich verwies sie auf das langfristige wirtschaftliche Potenzial des Kontinents und bezeichnete die Bevölkerung von rund 1,4 Milliarden Menschen als eine zentrale Stärke Afrikas. Nichtsdestotrotz lassen sich wirtschaftliche Folgen für afrikanische Staaten nicht von der Hand weisen, sie fallen regional nur sehr unterschiedlich aus. Wie die Beispiele Ägyptens, Nigerias und Ugandas zeigen, sind insbesondere Staaten betroffen, deren Handelsrouten stark von der Golfregion abhängen oder deren Volkswirtschaften stark vom Ölhandel geprägt sind.
Ein oft übersehener Bereich wirtschaftlicher Betroffenheit ist die Arbeitsmigration und der damit verbundene Transfer von Rücküberweisungen (Remittances). Viele Afrikanerinnen und Afrikaner, vor allem aus Nord- und Ostafrika, sind in der Golfregion beschäftigt und ein erheblicher Teil der Verdienste fließt direkt in die heimischen Volkswirtschaften zurück. Dies zeigt sich unter anderem am Beispiel Kenia. Rund 500.000 Kenianerinnen und Kenianer leben laut offiziellen Angaben im Nahen und Mittleren Osten, davon die meisten in Saudi-Arabien (ca. 300.000), den Vereinigten Arabischen Emiraten (60-80.000), Katar (ca. 70.000) und Oman (4-5.000). Dabei ist Saudi-Arabien Kenias weltweit drittgrößte Quelle von Rücküberweisungen. Im Jahr 2025 flossen laut der kenianischen Zentralbank rund 302,1 Millionen US-Dollar an Rücküberweisungen aus Saudi-Arabien nach Kenia; in 2024 lag die Zahl noch bei 403,12 Millionen US-Dollar. Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten wirken sich folglich nicht nur über Energiepreise oder veränderte Import-/Export-Bedingungen auf afrikanische Volkswirtschaften aus, sondern auch über soziale und arbeitsmarktbezogene Verflechtungen zwischen Afrika und den Golfstaaten.
Frieden und Sicherheit
Auch sicherheitspolitisch könnte der Iran-Krieg große Auswirkungen auf dem afrikanischen Kontinent haben, insbesondere am Horn von Afrika. Die Region ist von strategischer Bedeutung, da sie an wichtigen Handelsrouten am Roten Meer und der Straße von Bab al-Mandab liegt und Afrika mit dem Nahen Osten verbindet. In den vergangenen Jahren haben insbesondere die Golfstaaten, aber auch Israel und die Türkei ihr Engagement am Horn von Afrika ausgeweitet – sowohl politisch, wirtschaftlich als auch militärisch. Die Region ist von vielfältigen sicherheitspolitischen Herausforderungen geprägt, darunter langjährige innere Konflikte, Spannungen zwischen Nachbarstaaten und das komplexe Zusammenspiel externer Akteure, die nun durch den Iran-Krieg verschärft werden könnten.
Ein akuter Risikofaktor ist laut Beobachterinnen und Beobachtern der mögliche Eintritt der vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen aus dem Jemen in den Konflikt als Hauptkriegspartei …
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