
Ghana will die Erinnerung an den transatlantischen Sklavenhandel ins Zentrum der internationalen Agenda rücken. Beim Gipfeltreffen der Afrikanischen Union in Addis Abeba stellte Präsident John Dramani Mahama eine bedeutende diplomatische Initiative vor. Accra plant, im März eine Resolution bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen einzubringen. Ziel ist es, den Handel mit versklavten Afrikanerinnen und Afrikanern als das schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit anerkennen zu lassen.
Dieser Schritt könnte eine neue Phase globaler Debatten über Erinnerung, Gerechtigkeit und historische Anerkennung eröffnen.
Eine Resolution, um die Wahrheit im internationalen Recht zu verankern
Das erklärte Ziel des ghanaischen Staatschefs ist klar umrissen: eine formelle Erklärung über den Handel mit versklavten Afrikanern und die rassistisch begründete Versklavung zu erwirken. Für John Mahama stellt dieser Text lediglich den ersten Schritt eines langen Anerkennungsprozesses dar. Er ist der Auffassung, dass der transatlantische Handel, der zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert die Deportation von Millionen Menschen organisierte, die größte Ungerechtigkeit der modernen Geschichte darstellt. Diese Initiative zielt vor allem darauf ab, dass sich die internationale Gemeinschaft über den außergewöhnlichen Charakter dieses Verbrechens einig wird, das West- und Zentralafrika dauerhaft verwundet hat.
Eine gemeinsame Front zwischen Afrika und der Karibik
Ghana geht auf diesem Weg der erinnerungspolitischen Gerechtigkeit nicht allein vor. Präsident Mahama betonte, dass seine Initiative die volle Unterstützung der Afrikanischen Union sowie der Staaten der Karibischen Gemeinschaft (Caricom) genießt. Dieses transatlantische Bündnis zwischen dem Herkunftskontinent und der historischen Diaspora stärkt das politische Gewicht der künftigen Resolution erheblich. Auch wenn die Frage finanzieller Entschädigungen – insbesondere vom ehemaligen Präsidenten Nana Akufo-Addo im Jahr 2023 thematisiert – weiterhin ein grundlegendes Thema bleibt, liegt die derzeitige Priorität auf der Wiederherstellung der historischen Wahrheit. Der ghanaische Präsident unterstreicht, dass die weltweite Anerkennung der Gräueltaten allen weiteren Überlegungen vorausgehen müsse.
Ghana als Hüter des afrikanischen Gedächtnisses
Dass Ghana dieses Projekt trägt, ist kein Zufall. Als erstes Land Subsahara-Afrikas, das 1957 seine Unabhängigkeit erlangte, beherbergt es eindrucksvolle Erinnerungsorte wie das Fort von Cape Coast. Dieser ehemalige koloniale Handelsstützpunkt, seit 1979 UNESCO-Weltkulturerbe, ist bis heute das physische Symbol der massenhaften Deportation in die Amerikas. Indem Ghana diesen Text vor die UNO bringt, bekräftigt es seine Rolle als moralische Führungsmacht auf dem Kontinent und verwandelt seine schmerzhafte Vergangenheit in ein diplomatisches Instrument, um zu verlangen, dass sich alle Mitgliedstaaten der Geschichte endlich stellen. (Quelle: afrik.com)