Kamerun: Kleine Kakaobauern sorgen sich wegen neuer EU-Vorgaben

Die Frist für Kamerun, die europäischen Anforderungen an die Kakaoproduktion zu erfüllen, rückt näher: Ende 2026 für Unternehmen und Mitte 2027 für kleine Produzenten. Danach müssen die Erzeuger gemäß der EU-Verordnung über Entwaldung nachweisen, dass ihre Kakaolieferungen nicht von Flächen stammen, die zuvor abgeholzt wurden, berichtet RFI.

Die Europäische Union ist ein wichtiger Absatzmarkt für Kamerun. Im Jahr 2023 exportierte das Land nach Angaben des Europäischen Forstinstituts 56 Prozent seiner Kakaoproduktion in die EU. Diese Exporte könnten durch die neuen europäischen Vorschriften gefährdet sein. Können Produzenten nicht nachweisen, dass ihr Kakao von entwaldungsfreien Flächen stammt, könnten ihre Lieferungen vom europäischen Markt ausgeschlossen werden. Angesichts der zuletzt gesunkenen Kakaopreise kommen die neuen Anforderungen für viele Kleinbauern zu einem besonders schwierigen Zeitpunkt.

Simon Pierre Bita Eyebe befürchtet erhebliche wirtschaftliche Belastungen. Der Kakaobauer leitet zugleich die Genossenschaft der Kakaoproduzenten von Batchenga im Département Lékié in der Zentralregion Kameruns. Für ihn gibt es jedoch keine Alternative: Wer weiterhin nach Europa verkaufen wolle, müsse sich an die neuen Anforderungen anpassen.

„Die größte Schwierigkeit besteht darin, den Wald zu verlassen, denn Savanne und Brachland sind völlig andere Ökosysteme. Man braucht Sorten, die sich an Brachland und Savanne anpassen. Außerdem muss der Einsatz organischer Düngemittel verdoppelt werden, und es werden Schattenbäume benötigt. Das alles kostet die Produzenten Geld“, erklärt er.

Nach den historisch hohen Preisen zwischen 2023 und 2025 ist der Kakaopreis in den vergangenen Monaten deutlich gefallen. Derzeit liegt er bei rund 2.500 CFA-Franc pro Kilogramm, also bei weniger als vier Euro.

„Das ist angesichts der Kosten, die ein Produzent für die Pflege seiner Kakaoplantage aufbringen muss, viel zu wenig. Die Bäume müssen beschnitten, die Früchte geerntet und geöffnet, die Bohnen fermentiert und anschließend getrocknet werden“, zählt Eyebe auf. Am Ende stelle der Produzent fest, dass sich seine Arbeit kaum noch rechne.

Die Kakaobranche neu denken

Während die kamerunische Regierung mit ihrem Kakao-Plan das Ziel verfolgt, die Produktion bis 2030 zu verdoppeln, fordert Justin Kamga von der Nichtregierungsorganisation Foder ein grundsätzliches Umdenken in der Branche.

„Es gibt Zwischenhändler und Akteure, die an der Verarbeitung beteiligt sind. Die Produktionskosten dürfen nicht allein von den Produzenten an der Basis getragen werden“, erklärt er.

Kamga fordert deshalb eine stärkere Unterstützung der Kleinbauern durch den Staat und eine gerechtere Verteilung der Kosten innerhalb der Wertschöpfungskette. Nur so könne nachhaltig produzierter Kakao aus Kamerun auch künftig seinen Platz auf dem europäischen Markt behaupten.