Kamerun: Vier Journalisten wegen angeblichem Minister-Brillendiebstahls inhaftiert – dabei lag sie in seinem Auto!

Vier kamerunische Journalisten sind mehrere Tage lang inhaftiert worden, weil sie verdächtigt wurden, die Brille von Wirtschaftsminister Alamine Ousmane Mey gestohlen zu haben. Später wurde die Brille im Auto des Ministers gefunden. Das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) fordert nun eine Untersuchung des Vorfalls und Konsequenzen für die Verantwortlichen.

Solange Djuikam, Herausgeberin von Univers Info Net, verbrachte sieben Nächte in Polizeigewahrsam. François Essomba von ChinAfrica, Igor Gwet Bibey von Inform Plus und Pierre Mouchili von Le Procès International wurden fünf Nächte festgehalten. Alle vier kamen ohne Anklage frei.

Der Vorfall begann während einer dreitägigen Konferenz der Islamischen Entwicklungsbank in Yaoundé. Djuikam wurde am 14. September von zwei Frauen festgenommen, die sich als Polizistinnen ausgaben und ihr vorwarfen, die Brille des Ministers gestohlen zu haben. Zwei Tage später wurden auch die drei anderen Journalisten unter demselben Verdacht festgenommen.

Noch am 16. September wurde die vermeintlich gestohlene Brille jedoch in Meys Auto gefunden. Trotzdem blieben die Journalisten weiter in Haft.

Djuikam berichtete dem CPJ, sie sei zunächst auf einem Motorrad zu einer Polizeiwache und anschließend zur zentralen Polizeistation von Yaoundé gebracht worden. Ihre Familie habe sie nicht kontaktieren dürfen. Die vier Journalisten schilderten zudem schlechte Haftbedingungen: überfüllte Zellen, fehlendes Wasser, verstopfte Toiletten und Flöhe.

Regierungssprecher René Emmanuel Sadi bezeichnete den Fall gegenüber dem CPJ als einen „bedauerlichen Zwischenfall“, der auf den übermäßigen Eifer einiger Angehöriger der Sicherheitskräfte zurückzuführen sei. Wirtschaftsminister Mey habe die Festnahmen nicht angeordnet. Sadi kündigte an, den Vorgang mit der Polizei aufzuklären und gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen.

„Sie haben nichts Unrechtes getan; sie werden nicht strafrechtlich verfolgt“, erklärte der Regierungssprecher.

Die nationale Gewerkschaft der Informations- und Kommunikationsfachleute (SPIC) reagierte mit scharfer Kritik. Sie verurteilte die Festnahmen als willkürlich und kündigte an, Veranstaltungen von Wirtschaftsminister Mey vorerst journalistisch zu boykottieren.

Auch das CPJ fordert eine Aufarbeitung. Die Verantwortlichen für die Inhaftierung der vier Medienschaffenden müssten ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden. Der Fall zeige, wie schnell die alltägliche Arbeit von Journalisten in Kamerun zu einer existenziell bedrohlichen Situation werden könne.

Eine Anfrage des CPJ an den kamerunischen Polizeichef Martin Mbarga Nguélé war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch unbeantwortet.

(Quelle: Committee to Protect Journalists, New York)