Ebola in der DR Kongo: Arzt stirbt in Kisangani – Überlebende entscheidet sich, Erkrankten zu helfen

Dr. Victor Kingombe ist am Donnerstag in Kisangani gestorben, nachdem er sich mit Ebola infiziert hatte. Einige Hundert Kilometer entfernt, in Nord-Kivu, hat sich eine kürzlich genesene Frau dazu entschieden, in einem Behandlungszentrum zu bleiben, um Erkrankte und medizinisches Personal zu unterstützen. Zwei Schicksale, die auf unterschiedliche Weise den hohen Tribut der Epidemie und zugleich die Solidarität im Kampf gegen Ebola zeigen.

In Kisangani trifft die Trauer diejenigen, die an vorderster Front gegen die Krankheit kämpfen. Dr. Victor Kingombe, der im Ebola-Behandlungszentrum (CTE) eingesetzt war, starb am Donnerstag, dem 24. September, an den Folgen der Infektion. Dies teilte das Provinzbüro der nationalen Ärztegewerkschaft SYNAMED in Tshopo mit.

Der Mediziner arbeitete unter anderem an den Universitätskliniken von Kisangani sowie am Desmet Hospital de Kisangani (DHKis). Seine Kollegen erinnern sich an ihn als engagierten, menschlichen Arzt, der seinen Patienten stets zur Verfügung stand. SYNAMED beschreibt ihn als einen Mediziner, der „den Werten des ärztlichen Berufs zutiefst verbunden“ gewesen sei.

Er ist der erste Arzt, der seit Beginn des Ebola-Ausbruchs in Tshopo an der Krankheit gestorben ist. Einer seiner Kollegen fasste die letzten Wochen seines Lebens mit drastischen Worten zusammen: Er sei ein „Krieger, der mit der Waffe in der Hand gestorben ist“. Victor Kingombe starb in demselben Zentrum, in dem er zuvor an der Versorgung von Ebola-Patienten beteiligt gewesen war.

Medizinisches Personal besonders gefährdet

Dr. Victor Kingombe starb zu einem Zeitpunkt, an dem in Tshopo weiterhin neue Infektionen registriert werden. Nach der offiziellen Bilanz vom 22. September gab es 42 bestätigte Fälle und 17 Todesfälle. Eine lokale Aktualisierung vom 24. September meldete inzwischen 43 bestätigte Fälle bei weiterhin 17 Todesfällen. Seit Beginn des Ausbruchs hatten sich zwölf Beschäftigte des Gesundheitswesens infiziert.

Der Schutz des medizinischen Personals bleibt damit eine der zentralen Herausforderungen. Das neue Ebola-Behandlungszentrum in Kisangani, das seit Anfang September in Betrieb ist, verfügt über 22 Betten. Unterstützt wird es unter anderem von Ärzte ohne Grenzen in Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden.

Nord-Kivu: Eine Überlebende entscheidet sich zu bleiben

Der Geschichte des Verlusts in Kisangani steht in Nord-Kivu eine andere gegenüber: die von Kahindo Manzekele Devotte. Seit fast zwei Wochen gilt sie als von Ebola geheilt und hätte nach Hause zurückkehren können. Stattdessen entschied sie sich, im Ebola-Behandlungszentrum von Kitatumba in Butembo zu bleiben, um andere Patienten zu begleiten und das medizinische Personal zu unterstützen.

Ihre Entscheidung hängt unmittelbar mit ihren eigenen Erfahrungen während der Erkrankung zusammen. „Als ich hier krank war, sah ich, dass viele Menschen im Sterben lagen“, berichtet sie laut MediaCongo. Nun möchte sie Menschen helfen, die dieselbe schwere Krankheit durchmachen.

Die Überlebende betont außerdem, wie wichtig eine schnelle medizinische Behandlung ist. Sie habe bereits am Tag nach dem Auftreten der ersten Beschwerden ärztliche Hilfe gesucht und ist überzeugt, dass diese schnelle Reaktion zu ihrer Genesung beigetragen habe. Ihre Erfahrung unterstreicht die Appelle der Gesundheitsbehörden, bei verdächtigen Symptomen nicht mit einer Untersuchung zu warten.

Zwischen Opfer und Hoffnung

Der Gegensatz könnte kaum größer sein: In Kisangani hat ein Arzt, der sich für Ebola-Patienten eingesetzt hatte, sein Leben verloren. In Nord-Kivu wiederum entscheidet sich eine Frau, die die Krankheit überlebt hat, bei den Menschen zu bleiben, die noch gegen das Virus kämpfen.

Nord-Kivu bleibt eines der wichtigsten Zentren des Ausbruchs. Bis zum 19. September wurden in der Provinz 1.402 bestätigte Fälle und 850 Todesfälle registriert. 16 der 34 Gesundheitszonen waren betroffen. Die Behandlungszentren sind entsprechend stark gefordert.

Sowohl in Kisangani als auch in Butembo zeigt sich, dass sich die Ebola-Epidemie nicht auf Statistiken reduzieren lässt. Sie stellt medizinisches Personal, Familien und Überlebende vor enorme Herausforderungen. Zugleich zeigt sie, dass Solidarität dort entstehen kann, wo die Krankheit zuvor beinahe alles zum Stillstand gebracht hatte. (Quelle: afrik.com)