Mangel an Gesundheitsfachkräften: Afrika beschließt Zehnjahresplan zur Ausbildung und Einstellung von 3 Millionen Fachkräften

Angesichts eines Mangels, der bis 2035 auf mehr als sechs Millionen Gesundheitsfachkräfte anwachsen und den Zugang zur medizinischen Versorgung für Millionen Menschen auf dem gesamten Kontinent gefährden könnte, wollen die afrikanischen Länder ihre Anstrengungen deutlich verstärken. Im Rahmen der 76. Tagung des Regionalkomitees der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Afrika haben die Gesundheitsminister am Mittwoch, dem 26. August 2026, ein Zehnjahresprogramm verabschiedet, mit dem drei Millionen zusätzliche Gesundheitsfachkräfte auf dem Kontinent ausgebildet, beschäftigt und langfristig im Beruf gehalten werden sollen.

Afrika verfügt derzeit nur über etwa 46 Prozent der Gesundheitsfachkräfte, die notwendig wären, um den Bedarf seiner Bevölkerung zu decken. Trotz erheblicher Fortschritte im vergangenen Jahrzehnt und eines Anstiegs der Zahl der Gesundheitsfachkräfte auf fast 5,72 Millionen im Jahr 2024 leidet der Kontinent weiterhin unter einem strukturellen Personalmangel.

Nach Prognosen der WHO könnte dieser Mangel bis 2035 auf mehr als sechs Millionen Fachkräfte anwachsen, wenn keine ausreichend ambitionierten Maßnahmen ergriffen werden. Dadurch könnte sich der Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung insbesondere in den am schlechtesten versorgten Regionen weiter verschlechtern.

Um auf diese dringende Herausforderung zu reagieren, haben die afrikanischen Staaten das Programm für das Management des Gesundheitspersonals in Afrika 2026–2035 verabschiedet. Es sieht vor, in den kommenden zehn Jahren drei Millionen zusätzliche Fachkräfte auszubilden, zu beschäftigen und dauerhaft im Gesundheitswesen zu halten.

Ausbildung allein reicht nicht mehr

Nach Ansicht der WHO geht es jedoch nicht nur darum, die Zahl der Absolventen zu erhöhen. Der Kontinent steht vor einem besonders besorgniserregenden Paradox: Während es in Gesundheitseinrichtungen an Personal mangelt, sollen fast eine Million ausgebildete Gesundheitsfachkräfte arbeitslos sein.

Besonders betroffen sind junge Absolventen. In mehreren Ländern gelingt es mehr als der Hälfte der neu ausgebildeten Pflegekräfte, Ärzte und Hebammen nicht, kurz nach Abschluss ihrer Ausbildung eine Stelle zu finden.

Nach Angaben der UN-Organisation zeigt dies eine Diskrepanz zwischen den Ausbildungskapazitäten, dem tatsächlichen Bedarf der Gesundheitssysteme und den verfügbaren finanziellen Mitteln zur Schaffung entsprechender Arbeitsplätze.

„Unsere Mitgliedstaaten haben erkannt, dass die Ausbildung von Gesundheitsfachkräften nur der Anfang ist“, erklärte Dr. Mohamed Yakub Janabi, WHO-Regionaldirektor für Afrika.

Drei Millionen zusätzliche Gesundheitsfachkräfte

Das neue Programm soll daher den gesamten Bereich des Personalmanagements im Gesundheitswesen erfassen. Vorgesehen sind unter anderem eine bessere Personalplanung, eine höhere Qualität der Ausbildung, die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze sowie Maßnahmen, um Fachkräfte langfristig in den Regionen zu halten, in denen sie am dringendsten benötigt werden.

Zudem sollen die Ausbildungsprogramme besser an die tatsächlichen Anforderungen des Arbeitsmarktes angepasst werden. Damit soll verhindert werden, dass zahlreiche junge Absolventen keine Beschäftigung finden, während gleichzeitig manche Gesundheitseinrichtungen unter erheblichem Personalmangel leiden.

„Dieses Programm verwandelt wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Maßnahmen und politisches Engagement in nachhaltige Investitionen in das Gesundheitspersonal Afrikas und letztlich in die Gesundheit und das Wohlergehen unserer Bevölkerung“, fügte der WHO-Regionaldirektor hinzu.

Eine Investition mit wirtschaftlichem Nutzen

Über die gesundheitspolitische Bedeutung hinaus betrachtet die WHO die Stärkung des Gesundheitspersonals auch als wirtschaftliche Investition. Um den derzeitigen Personalmangel zu beheben, wären jährlich zusätzliche Investitionen von etwa 4 bis 6 Dollar pro Einwohner erforderlich.

Im Gegenzug könnten die wirtschaftlichen Auswirkungen beträchtlich sein. Nach Schätzungen der Organisation könnte jeder in Gesundheitspersonal investierte Dollar einen wirtschaftlichen Nutzen von bis zu 10 Dollar bringen. Der gesellschaftliche Nutzen könnte sogar etwa das 30-Fache der Investitionssumme erreichen.

Eine bessere Gesundheitsversorgung soll insbesondere dazu beitragen, krankheitsbedingte Produktivitätsverluste zu verringern, die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern und das Wirtschaftswachstum zu fördern.

Mit der Verabschiedung dieses Zehnjahresprogramms verfügen die afrikanischen Staaten nun über einen gemeinsamen Fahrplan, um den Mangel an Gesundheitsfachkräften zu verringern. Entscheidend wird jedoch sein, dieses regionale Engagement in konkrete Finanzierungen, Arbeitsplätze und nationale Maßnahmen umzusetzen, die dafür sorgen, dass Gesundheitsfachkräfte langfristig dort bleiben, wo sie am dringendsten gebraucht werden.

(Quelle: gabonreview)