Marokko: Ein Jahr nach GenZ 212 – Einsatz für Freilassung der Inhaftierten geht weiter

Ein Jahr nach der ersten Demonstration der Protestbewegung GenZ 212 befinden sich in Marokko noch immer mehr als 600 Menschen im Zusammenhang mit den Protesten in Haft. Mit der Kampagne „Free Koulchi“ („Befreit sie alle“) wollen Unterstützer an diesem Wochenende auf ihre Situation aufmerksam machen. Geplant sind Veranstaltungen in mehreren marokkanischen Städten sowie in Paris, Brüssel und Madrid, berichtet RFI.

In Casablanca kamen unter dem Motto „Tag der Solidarität mit den politischen Gefangenen“ mehrere Dutzend junge Menschen zusammen, darunter zahlreiche ehemalige Teilnehmer der GenZ-212-Proteste. An den Wänden waren Porträts von inhaftierten Aktivisten zu sehen, darunter Vertreter der Hirak-Bewegung im Rif sowie Menschen, die wegen Veröffentlichungen in sozialen Netzwerken inhaftiert wurden.

Die Veranstaltung fand in den Räumen der Gewerkschaft CDT statt. Ein junger Mann, der selbst acht Monate in Haft verbracht hatte, betonte die Bedeutung solcher Treffen: Es gehe darum, Menschen zusammenzubringen, die Veränderungen bewirken könnten, und die Ideen der Protestbewegung lebendig zu halten.

Auch Solidaritätsbotschaften aus dem Gefängnis wurden verlesen, darunter eine von Nasser Zefzafi, einem führenden Vertreter der Hirak-Bewegung im Rif.

Die Anwältin Oumaima Boujaera, Mitglied des Verteidigungskomitees von GenZ 212, kritisierte, dass es auch ein Jahr nach Beginn der Bewegung weiterhin Festnahmen, Gerichtsverfahren und harte Urteile gebe. Sie sprach von einer anhaltenden „Dynamik der Unterdrückung und Einschüchterung“.

Die Aktivitäten rund um GenZ 212 konzentrieren sich inzwischen vor allem auf die Freilassung der Inhaftierten. Dazu wurde in der vergangenen Woche auch eine Online-Kampagne gestartet.