Marokko–Israel: Militärische Rechnung aufgegangen, beim Westsahara-Konflikt nicht

Marokko und Israel wandeln ihre Verbindungsbüros in Botschaften um – sechs Jahre nach der Normalisierung ihrer Beziehungen, deren militärische Komponente sich tatsächlich deutlich vertieft hat. Doch bei der Westsahara, dem für Rabat wichtigsten Ziel dieser Allianz, fällt die Bilanz wesentlich schwächer aus. Wenige Wochen vor der Verlängerung des Mandats der MINURSO betrachtet Washington Algerien weiterhin als unverzichtbaren Gesprächspartner, mit dem zusammengearbeitet werden muss.

Die Aufwertung der Verbindungsbüros Marokkos und Israels zu vollwertigen Botschaften ist ein weiterer Schritt in der Allianz zwischen beiden Ländern. Rabat und Tel Aviv werden nun Botschafter ernennen und ihre Beziehungen auf die höchste diplomatische Ebene heben. Sechs Jahre nach der Wiederaufnahme der Beziehungen im Dezember 2020 bestätigt Mohammed VI. damit, dass diese Annäherung langfristig angelegt ist. Die beiden Säulen dieser Partnerschaft haben sich jedoch nicht im gleichen Tempo entwickelt. Und gerade bei dem Thema, das für Rabat am wichtigsten war – der Westsahara –, fällt die Bilanz bei genauerer Betrachtung am schwächsten aus.

Der militärische Teil hält, was er versprochen hat

Das 2021 zwischen Marokko und Israel unterzeichnete Verteidigungsabkommen umfasst die Bereiche Nachrichtendienste, Rüstungsindustrie und Beschaffung militärischer Ausrüstung. Inzwischen wurde die Zusammenarbeit auf Drohnen, Cybersicherheit und Überwachungssysteme ausgeweitet. Das Königreich strebt an, mehrere Kategorien israelischer Drohnen im eigenen Land zu produzieren. Dieser Technologietransfer soll die eigene Rüstungsindustrie fördern und die Überwachung der Grenzen zu Algerien und Mauretanien sowie der Westsahara verstärken.

Die Partnerschaft umfasst auch den Weltraumbereich. 2024 kündigte Israel Aerospace Industries einen Vertrag im Wert von einer Milliarde Dollar an, den mehrere marokkanische und israelische Medien mit der Lieferung des Beobachtungssatelliten Ofek 13 an Marokko in Verbindung brachten. Eine vollständige offizielle Bestätigung beider Seiten liegt jedoch nicht vor. Auf diesem Gebiet erhält Marokko Fähigkeiten, die es bei anderen Lieferanten vermutlich nicht so schnell hätte erwerben können. Gleichzeitig entsteht dadurch jedoch eine neue Abhängigkeit – diesmal von Israel. Damit wird die Abhängigkeit von früheren Lieferanten eher ersetzt als beseitigt.

Westsahara: Eine Anerkennung, die das Problem nicht gelöst hat

Das vielleicht deutlichste Signal kam aus Algier und nicht aus Rabat. Innerhalb von etwas mehr als einem Jahr reiste der US-Sondergesandte Massad Boulos dreimal dorthin. Auch bei seinem Besuch am 13. September 2026, der offiziell Energiefragen gewidmet war, sprach er über die Westsahara. Ende Oktober muss der UN-Sicherheitsrat über die Verlängerung des Mandats der MINURSO entscheiden. Algerien hatte allerdings die im Oktober 2025 verabschiedete Resolution 2797 nicht unterstützt.

Dieses scheinbare Paradox erklärt sich durch Einflussmöglichkeiten, die sich nicht allein an Abstimmungen im UN-Sicherheitsrat messen lassen: Algeriens Einfluss auf die Polisario-Front, die Aufnahme sahrauischer Flüchtlinge, sein regionales Gewicht im Sahel und in Libyen sowie das Interesse der USA an den algerischen Energieressourcen. Marokko, das finanziell stark mit Washington verbunden ist, verfügt gegenüber den Vereinigten Staaten nicht über dieselben Handlungsspielräume.

Die Normalisierung mit Israel hat Rabat in dieser Frage daher vor allem politische Unterstützungserklärungen gebracht. Die Westsahara-Frage selbst bleibt dagegen weiterhin stark von Washington und Algier abhängig.

Gaza – der politische Preis der Normalisierung

Die Vertiefung der sicherheitspolitischen Partnerschaft hat für Marokko zudem innenpolitische Kosten. Die palästinensische Sache besitzt in der marokkanischen Bevölkerung weiterhin große Bedeutung. Bei mehreren Protesten wurde der Krieg im Gazastreifen verurteilt und ein Abbruch der Beziehungen zu Israel gefordert.

Der Königspalast hält dennoch an seinem Kurs fest und versucht, beide Positionen miteinander zu vereinbaren: Marokko bleibt Partner Israels und beansprucht zugleich eine Rolle beim Wiederaufbau des Gazastreifens. Dazu gehört insbesondere die im Juli 2026 beschlossene Beteiligung an der Internationalen Stabilisierungstruppe mit der Entsendung von Militärangehörigen, Gendarmen und Polizisten sowie der Einrichtung eines militärischen Feldlazaretts.

Die Eröffnung von Botschaften besiegelt damit eine Partnerschaft, die sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit entwickelt hat. Militärisch hat Marokko neue Fähigkeiten gewonnen, zugleich aber auch eine neue Abhängigkeit von einem anderen Lieferanten geschaffen. Bei der Westsahara hingegen haben die Anerkennungen aus Washington und Tel Aviv bislang nicht ausgereicht, um entscheidende Fortschritte in einem Konflikt zu erzielen, bei dem im Herbst 2026 der Weg weiterhin auch über Algier führt. (Quelle: afrik.com)