Aus USA nach Afrika abgeschobene Migranten: Leben in Haft, Verstecken und rechtlicher Unsicherheit

Menschen, die von den USA in afrikanische Drittstaaten abgeschoben werden, geraten dort teilweise in äußerst prekäre Situationen. Einige werden inhaftiert, andere leben versteckt oder ohne gesicherten Aufenthaltsstatus. Gleichzeitig versuchen Anwälte auf mehreren Kontinenten, gegen die Folgen dieser Abschiebepolitik vorzugehen. Eine gemeinsame Recherche von RFI mit dem Konsortium Forbidden Stories dokumentiert das Schicksal mehrerer Betroffener.

Über Sierra Leone zurück nach Ghana

Annan* lebt versteckt in einem westafrikanischen Land. Sein Aufenthaltsort soll geheim bleiben. In Videos zeigt er ein verlassenes Gebäude ohne fließendes Wasser und Strom, in dem er auf dem Boden schläft. Aus Angst verlässt er sein Versteck fast ausschließlich nachts, um Lebensmittel zu besorgen oder sein Telefon aufzuladen.

Annan floh 2024 aus Ghana, nachdem seine Homosexualität bekannt geworden war. Nach seinen Angaben wurde er bedroht und verfolgt. In den USA erhielt er zunächst gerichtlichen Schutz, der eine Abschiebung nach Ghana verhindern sollte.

Dennoch wurde er später nach Sierra Leone abgeschoben. Weniger als zwei Wochen nach seiner Ankunft brachten ihn die dortigen Behörden nach Ghana zurück – in genau das Land, aus dem er geflohen war. Annan ergriff erneut die Flucht.

Sein US-amerikanischer Anwalt Malik Waqar erklärt, er sei über die Abschiebung seines Mandanten nicht informiert worden, obwohl er offiziell bei der US-Einwanderungsbehörde ICE als dessen Rechtsbeistand registriert gewesen sei.

Auch andere Anwälte berichten von erheblichen Schwierigkeiten. Sobald ein Mandant die USA verlassen hat, ändert sich die zuständige Gerichtsbarkeit. Für die Rechtsvertreter wird es dadurch wesentlich schwieriger, gegen eine Abschiebung oder deren Folgen vorzugehen.

Seit elf Monaten in Eswatini inhaftiert

Ein weiterer Fall ist der des 50-jährigen Khai Vo. Er wurde in Vietnam geboren, kam jedoch bereits im Alter von acht Jahren in die USA und verbrachte dort den größten Teil seines Lebens.

Nach einer Verurteilung wegen versuchten Mordes im Alter von 18 Jahren verbüßte er 13 Jahre Gefängnis. Anschließend lebte und arbeitete er 18 Jahre lang in den USA und meldete sich regelmäßig bei den Einwanderungsbehörden.

Bei einem solchen Termin wurde er im März 2025 festgenommen. Statt nach Vietnam wurde er nach Eswatini im südlichen Afrika gebracht.

Dort befindet er sich nach Angaben der Recherche elf Monate später noch immer in Haft. Erst nach neun Monaten und einem Gerichtsverfahren konnte ein Anwalt ihn besuchen.

Vo erklärt, er verstehe nicht, warum er nach Eswatini gebracht worden sei. Inzwischen wolle er nicht einmal mehr unbedingt in die USA zurückkehren. Er verlange lediglich seine Freiheit und wäre bereit, nach Vietnam zurückzukehren, obwohl er das Land als Kind verlassen hat, kaum noch Kontakte dort besitzt und Vietnamesisch weder richtig lesen noch schreiben kann. Eswatini erhielt laut der Recherche 5,1 Millionen US-Dollar von den Vereinigten Staaten, um im Rahmen eines Abkommens 160 Menschen aufzunehmen.

Juristische Auseinandersetzungen auf mehreren Kontinenten

Die Abschiebungen haben inzwischen ein internationales Netzwerk von Anwälten entstehen lassen, die versuchen, die Rechte der Betroffenen durchzusetzen.

Am 18. September entschied ein US-Bundesberufungsgericht, dass Menschen nicht kurzfristig in Drittstaaten abgeschoben werden dürfen, ohne ausreichend Gelegenheit zu erhalten, mögliche Gefahren durch Verfolgung oder Folter geltend zu machen. Die US-Regierung widerspricht allerdings der Interpretation, wonach das Urteil zu einer Aussetzung entsprechender Abschiebeflüge führen müsse, und könnte weitere Rechtsmittel einlegen.

Auch in Afrika laufen Verfahren. Beschwerden wurden unter anderem bei der Afrikanischen Kommission für Menschenrechte und Rechte der Völker sowie beim Gerichtshof der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS) eingereicht.

In Kamerun hat der Anwalt Joseph Awah Fru im Namen von 36 aus den USA abgeschobenen Personen das Verwaltungsgericht in Yaoundé angerufen. Er fordert die Aussetzung des zwischen Kamerun und Washington geschlossenen Abkommens. Seiner Ansicht nach besteht die Gefahr, dass Betroffene erneut Verfolgung oder Folter ausgesetzt werden.

Besonders problematisch ist die Situation für Menschen, die aus Ländern geflohen sind, in denen ihnen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung Verfolgung droht. Soraya beispielsweise floh nach eigenen Angaben aus Ghana und wurde nach Kamerun gebracht, wo gleichgeschlechtliche Beziehungen ebenfalls strafbar sind.

Zukunft vieler Abgeschobener bleibt ungewiss

Die von Washington mit afrikanischen Aufnahmeländern geschlossenen Vereinbarungen enthalten nach Angaben der Recherche zwar Garantien zur Einhaltung internationaler Verpflichtungen. Anwälte kritisieren jedoch, dass es an wirksamen Mechanismen fehle, um den Schutz der abgeschobenen Menschen nach ihrer Ankunft sicherzustellen.

Nun richtet sich die Aufmerksamkeit auf weitere Abschiebeflüge, die in den kommenden Tagen in mehreren afrikanischen Ländern erwartet werden. Ob diese nach der Gerichtsentscheidung vom 18. September tatsächlich stattfinden, ist noch offen.

Für diejenigen, die bereits abgeschoben wurden, ändert das Urteil zunächst wenig: Annan lebt weiterhin versteckt, Khai Vo befindet sich in Haft und Soraya lebt in einer provisorischen Unterkunft in Yaoundé. Ihre Anwälte versuchen weiterhin, Lösungen für ihre Fälle zu finden.

*Name geändert.