Mehr Wirksamkeit für die deutsche Afrika-Strategie – durch unternehmerische Realität in den afrikanischen Ländern

Mehr Wirksamkeit für die deutsche Afrika-Strategie – durch unternehmerische Realität in den afrikanischen Ländern

Unsere Zeit ist schwer belastet durch militärische Auseinandersetzungen und Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten. Unter diesem Druck dürfen wir jedoch unseren Blick auf Afrika, unseren Nachbarkontinent, nicht verlieren. Mit dem Appell „Moment des Aufbruchs“ bezeichnete Bundeskanzler Merz die für 2026 erforderliche Neuausrichtung unserer strategischen Partnerschaft mit den afrikanischen Staaten. Am Ende des ersten Quartals 2026 stellt sich daher die Frage: Haben wir für die zu entwickelnde pragmatische Zusammenarbeit mit Afrika die geforderten neuen Wege gefunden?

Zum Reformplan für die Entwicklungspolitik des BMZ sind von Politik und Fachexperten zahlreiche Thesen formuliert worden. Umso wichtiger ist nun ein intensiveres Engagement der deutschen Wirtschaft bei der Umsetzung konkreter Programme für eine nachhaltige Zusammenarbeit mit afrikanischen Partnern. Einerseits ist trotz bestehender Risikofaktoren mehr Mut erforderlich, um vorhandene Projektbeziehungen wirksam fortzusetzen. Andererseits müssen wir auf neuen Wegen zielgerichtet stabile und nachhaltige deutsche Marktpositionen auf dem afrikanischen Kontinent sichern – das heißt: Chancen aktiv nutzen. Voraussetzung dafür ist, gemeinsam mit unseren afrikanischen Partnern konkrete Kooperationsvorhaben zu identifizieren und dafür passende Angebote zu entwickeln.

Was können wir tun, um mit neuen Aktivitäten unseren Weg nach Afrika zu sichern?
Ich möchte die Aufmerksamkeit auf die Intensivierung unseres Afrika-Geschäfts im operativen Handeln in einigen ausgewählten Bereichen lenken. Eine zentrale Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung ist die Industrialisierung Afrikas mit der Zielrichtung langfristiger Projektinvestitionen.

Beispiel Nigeria:
Auf dem Deutsch-Afrikanischen Wirtschaftsforum NRW am 3. März 2026 in Dortmund stellte der nigerianische Minister für Stahlentwicklung, Prince Shuaibu A. Audu, die Entwicklungspotenziale der nigerianischen Stahl- und Rohstoffindustrie vor und warb um internationale Handelspartner. Offen bleibt die Frage: Wie haben darauf die Konzernvertreter und Fachexperten aus Nordrhein-Westfalen reagiert, und welche Initiativen sind zu erwarten?

Beispiel Angola:
Beeindruckend war ein Interview mit dem angolanischen Tourismusminister anlässlich der ITB 2026, in dem er ein überzeugendes Konzept der Regierung zum Ausbau der Tourismuswirtschaft vorstellte. Daraus ergeben sich für eine künftige Zusammenarbeit sehr interessante Chancen für die deutsche Wirtschaft, die zügig genutzt werden sollten. Angola wird zudem stärker in den Fokus rücken – auch im Zusammenhang mit den offiziellen Besuchen von Bundespräsident Steinmeier und Bundeskanzler Merz im November 2025 und Januar 2026. Wichtige Projektfelder für eine intensivere deutsche Präsenz im Wettbewerb mit den USA und China sind Bergbau, Energie und Landwirtschaft. Entsprechende Informationen liegen unter anderem bei Germany Trade & Invest vor.

Beispiel Ghana:
In Ghana steht die Transformation der Agro-Infrastruktur im Vordergrund. Geplant ist der Aufbau von 50 landwirtschaftlichen Servicezentren (Farmers Service Centres) sowie die Beschaffung von 4.000 Landmaschinen in 50 Distrikten im Zeitraum 2025–2028. Beachtenswert ist zudem die Absicht der Türkei, in Ghana ein Traktorenmontagewerk zu errichten. Die Regierung Ghanas setzt auf ganzjährige Bewässerung sowie auf clusterbasierte Industrieparks entlang der gesamten landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette – von Saatgut und Mechanisierung über Kühlkettenlogistik und Lagerhaltung bis hin zu Verarbeitungsanlagen.

Im Einklang mit dieser Entwicklungsstrategie habe ich in einem Exposé die Errichtung eines Agro-Industrieparks vorgeschlagen. Ein solches Projekt sollte als Schwerpunkt künftiger Investitionsaktivitäten der deutschen Wirtschaft geprüft werden. Ghanas Handels- und Industrieministerin betonte gegenüber ausländischen Investoren die große Bedeutung von Joint Ventures als sichere Grundlage für industrielle Fertigungsstätten, verbunden mit Ausbildung und Beschäftigung vor Ort.

Ein für Afrika insgesamt bedeutender Wirtschaftskomplex mit großen Chancen für die deutsche Industrie sind die Rohstoffverarbeitung sowie Infrastrukturprojekte, insbesondere in Bahntechnik und Logistik. Zu dieser Thematik sollten von einem zu bildenden Expertengremium – auch unter Beteiligung von DIHK und VDMA – konkrete Projektvorschläge für Länder und Unternehmen erarbeitet werden.

Meine Darlegungen sollen dem „Moment des Aufbruchs“ in der neuen Afrikapolitik entsprechen. Mit diesen Beispielen möchte ich zur operativen Mitwirkung an den Entwicklungsprozessen in Afrika aufrufen. Im globalen Wettbewerb auf dem afrikanischen Kontinent müssen wir uns stärker engagieren. Beweisen wir mit klarem Willen unser Interesse am Ausbau nachhaltig wirkender Marktpositionen auf diesem Kontinent. (Dipl.oec. Gerd E c k e r t)