
Russland scheint seine diplomatische und strategische Präsenz in Afrika auszubauen, indem es Gesandte aus europäischen Ländern – aus denen viele nach der Invasion der Ukraine durch den Kreml ausgewiesen wurden – auf neue Posten auf dem afrikanischen Kontinent entsendet.
Diese Entwicklung vollzieht sich zu einem Zeitpunkt, an dem Moskau versucht, seine geopolitische Position in Afrika zu stärken – vor dem Hintergrund einer erheblichen Verschlechterung der Beziehungen zwischen Afrika und den westlichen Mächten.
Wie Bloomberg berichtet, erklärte der russische Außenminister Sergej Lawrow, dass russische Diplomaten, die in Europa unter dem Verdacht der Spionage im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Krieg ausgewiesen wurden, nach Afrika umgeleitet worden seien.
„Wir haben unsere Präsenz in Europa und im Vereinigten Königreich drastisch reduziert – um etwa 120 bis 150 Mitarbeiter“, erklärte der russische Außenminister am Mittwoch gegenüber russischen Abgeordneten.
„Und 90 % dieser überzähligen Mitarbeiter wurden auf afrikanische Einsatzorte versetzt, wo wir insgesamt rund ein Dutzend Botschaften wiedereröffnen.“
Seit Anfang 2022 wurden Hunderte russische Diplomaten in westlichen Ländern zu persona non grata erklärt – insbesondere im ersten Jahr des Konflikts, als die Spannungen aufgrund von Spionagevorwürfen und anderen diplomatischen Streitigkeiten zunahmen.
Schätzungen der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge wurden in diesem Zeitraum allein in Europa mehr als 500 russische Diplomaten ausgewiesen, was Moskau dazu zwang, sein diplomatisches Personal neu zuzuweisen.
Vor diesem Hintergrund bietet Afrika dem Kreml die Möglichkeit, die staatlichen Beziehungen zu vertiefen und Einfluss zu projizieren – durch eine Kombination aus klassischer Diplomatie und strategischen Allianzen in den Bereichen Energie, Sicherheit und Infrastruktur.
Wachsende Beziehungen zwischen Russland und einigen afrikanischen Ländern
Die Wiederentdeckung Afrikas durch den Kreml wird auf mehreren Ebenen vorangetrieben. Diese Maßnahmen sind Teil eines umfassenderen Versuchs, eine stärkere außenpolitische Präsenz Russlands auf dem afrikanischen Kontinent zu etablieren.
In den vergangenen Jahren hat Moskau diplomatische Beziehungen zu afrikanischen Ländern aufgebaut oder ausgeweitet, insbesondere in der Sahelzone, wo eine zunehmende antiwestliche Stimmung zu beobachten ist.
Russland hat die militärische und sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit den Regierungen von Niger, Mali und Burkina Faso intensiviert.
Diese Partnerschaften umfassten hochrangige Gespräche auf Verteidigungsebene und in einigen Fällen auch die Entsendung militärischer Ausbilder sowie die Lieferung von Ausrüstung im Rahmen offizieller Verträge.
Russlands Engagement in Afrika geht jedoch über Diplomatie und Sicherheit hinaus.
In den letzten Jahren hat die Regierung aktiv wirtschaftliche und energiepolitische Abkommen verfolgt – insbesondere im Bereich der Kernenergie.
Der staatliche russische Nuklearkonzern Rosatom spielte dabei eine führende Rolle und unterzeichnete oder vertiefte Kooperationsabkommen mit mehreren afrikanischen Staaten zur zivilen Nutzung der Kernenergie und zum Ausbau entsprechender Infrastruktur.
Russlands Hinwendung zu Afrika ist Teil einer langfristigen Strategie, seine globalen Allianzen zu erweitern und seine geopolitischen Ziele über Europa hinaus zu verfolgen. Dennoch ist die Lage vor Ort komplex.
Während einige afrikanische Staats- und Regierungschefs die Zusammenarbeit mit Moskau als Gegengewicht zur westlichen Dominanz betrachten, zeigen sich andere zurückhaltend und fürchten, sich zu stark von einer einzigen externen Macht abhängig zu machen. (Quelle: africa.businessinsider)