
Ab heute erzähle ich regelmäßig sonntags eine Geschichte aus meiner Zeit in Afrika. Kurioses, Lustiges, manchmal auch Trauriges – viel Spaß beim Lesen!
Internetzugang in Gabun: seinerzeit ein Trauma. Es gab damals (2009) nur einen Hauptanbieter, Gabontélécom, der an diverse andere Firmen „unterverkaufte“, was zur Folge hatte, dass man, je mehr Leute online waren, immer öfter die nette Meldung zu lesen bekam: „Fehler: Der Server unter xxx konnte nicht gefunden werden. Bitte überprüfen Sie die Adresse auf Tippfehler …“ – eine Geduldsprobe ohnegleichen.
Da auf meinem Stick aus vorherigen Besuchen noch recht viel Guthaben ist, will ich ihn zu Anfang, bevor ich meinen Job als Pressedirektorin bei der gabunischen Luftfahrtbehörde antrete, natürlich nutzen. Zunächst muss ich wieder die Anwendungssoftware auf meinem neuen Notebook installieren, das jedoch die CD nicht annimmt. Kein Problem: Gabontélécom wirbt überall mit ihrer technischen Abteilung, an die man sich gern wenden könne. Ich fahre also mit dem Taxi in die Zentrale von Gabontélécom, trage mein Anliegen am Eingang vor und werde an eine Dame vom technischen Serviceschalter verwiesen. Nach längerem Warten kann diese kann mir aber nicht helfen, weil sie über keinen PC verfügt, an dem sie die Anwendungs-CD ausprobieren könnte. Ratlosigkeit macht sich breit.
Ein anderer Kunde, der neben mir vor dem Schalter sitzt, hat dann den rettenden Einfall: „Gehen Sie doch einfach in ein Internetcafé, lassen sich die Sache auf einen USB-Stick ziehen und installieren Sie es dann“. Gute Idee. Frau Technikspezialistin hätte auch darauf kommen können … Nachdem man mir versichert, „gleich um die Ecke“ sei ein Intercafé, mache ich mich auf den Weg. Nach gut zehn Minuten Fußweg in brütender Hitze (war doch nicht so ganz „um die Ecke“) hilft man mir dort auch sofort, ein Angestellter überspielt die Daten aufs Notebook, nicht mal zehn Minuten dauert das Ganze. „5000“, sagt die Dame an der Kasse. Wie bitte? 8 Euro für zehn Minuten? Eine Stunde im Internetcafé kostet umgerechnet 75 Cent! „Das ist so“, erklärt sie mir, „sobald einer unserer Mitarbeiter den PC eines Kunden berührt, kostet es 5000“. Das stimmt natürlich keineswegs, es ist nur wieder die übliche Masche, sprich, es wird angenommen, als Weiße schwimme man im Geld und man könne Gottweißwas verlangen. „Sie spinnen wohl“, werfe ich ihr an den Kopf und einen Tausender (rd. 1,50 Euro) auf den Tresen. Sie lässt mich auch unbehelligt gehen.
Zurück bei der Technikfachfrau kommen wir aber trotzdem nicht klar, denn der Stick funktioniert immer noch nicht. Madame ist nun restlos überfordert, greift zum Telefon und erklärt einem Herrn am anderen Ende die Lage, mit der Bitte, mich zu ihm schicken zu dürfen. „Wieso? Die Technikabteilung ist doch hier“, wundere ich mich. „Ja, aber Monsieur Félix hat mehr Ahnung, der wird Ihnen helfen können. Nehmen Sie ein Taxi und fahren Sie zum „Immeuble 9 Etages“ (ein Hochhaus in der Stadtmitte), da ganz in der Nähe ist ein ehemaliges Gebäude von der Post, da sitzt Monsieur Félix. Es steht zwar nicht mehr „Post“ dran, aber das finden Sie schon“, meint Madame zuversichtlich.
Denkste. Der Taxifahrer hat nicht die geringste Ahnung, um welches Gebäude es sich handelt, so dass wir mehrmals im Kreis fahren, bis wir endlich einen Fußgänger finden, der uns das ehemalige Postgebäude zeigen kann. Am Eingang des großen, völlig heruntergekommen Baus sitzt ein Pförtner, dem ich erkläre, dass ich zu Monsieur Félix möchte. „Oh nein, nicht schon wieder“, brüllt er los, „der sitzt im dritten Stock ohne Aufzug. Gerade erst musste ich schon jemanden dorthin bringen, ich bins leid“! Das ist ja wohl die Höhe! „Wenn Sie jetzt nicht sofort Monsieur Félix anrufen, mache ich hier einen Riesenterz“ brülle ich zurück. Das wirkt, kurz darauf habe ich Monsieur Félix in der Leitung. Selbiger ist aber ebenso unkooperativ: „Ich weiß nicht, ob ich Ihnen helfen kann, ich habe der Dame von Gabontélécom auch gar nicht gesagt, sie solle Sie hierhin schicken“. Jetzt reicht es mir endgültig. „Ich bin Journalistin, und wenn Sie mir jetzt nicht sofort helfen, wird das ein böses Nachspiel haben“, gifte ich ihn an. Das stimmt ihn sofort gnädig, und der leidgeprüfte Pförtner muss mich nun noch nach oben bringen – denkste. Er begleitet mich nur bis zu einem Büro im 1. Stock und bedeutet mir, das Büro von Monsieur Félix läge genau darüber, in der 3. Etage.
Dann geschieht ein Wunder: Kaum hat er mich gesehen, wird Monsieur Félix von einer Freundlichkeitswelle heimgesucht. Er strahlt mich an und hat auch innerhalb von Sekunden den „Fehler“ gefunden: das Guthaben war seltsamerweise abgelaufen (wo es wohl geblieben ist, frage ich gar nicht erst), deshalb funktionierte der Stick nicht mehr. Er lädt ihn ruckzuck auf, und schon ist alles wieder in Ordnung. „Und wenn nochmal was sein sollte, kommen Sie ruhig wieder her, war mir ein Vergnügen“, säuselt er zum Abschied – mir nicht, denn letztendlich habe ich vier Stunden gebraucht, um das Problem zu regeln. (Ingrid Aouane)