Neue Affenart in den Wäldern der DR Kongo entdeckt – mit orangefarbenen Lippen und nur vier Fingern

Forscher der Florida Atlantic University haben einen neuen Primaten auf den Namen Colobus congoensis getauft. Der kleine Affe mit seinen auffälligen orangefarbenen Lippen lebte bislang weitgehend unbemerkt in den dichten Wäldern des Lomami-Nationalparks im Zentrum-Osten der Demokratischen Republik Kongo. Wissenschaftler haben die Art bereits als bedroht eingestuft, berichtet RFI.

Orangefarbene Lippen, ein schwarzes Gesicht und nur vier Finger an jeder Hand: Für die Forscher der Florida Atlantic University steht fest, dass es sich um eine bislang unbekannte Affenart handelt. Erstmals wurde das Tier bereits 2008 in den dichten Regenwäldern des Lomami-Nationalparks gesichtet.

Zwischen der ersten Beobachtung und der endgültigen Bestätigung vergingen 18 Jahre. Erst im Juli 2026 konnte ein internationales Forscherteam nach genetischen Analysen nachweisen, dass das Erbgut des Colobus congoensis keiner bisher bekannten Affenart entspricht.

Die Entdeckung ist außergewöhnlich: Es handelt sich erst um die fünfte neu entdeckte Affenart weltweit innerhalb der vergangenen 75 Jahre. Die Studie wurde im Juli 2026 in der Fachzeitschrift Plos One veröffentlicht.

Nur zwei Sichtungen in zehn Jahren

Der erste Hinweis auf das geheimnisvolle Tier war ein unscharfes Foto aus dem Jahr 2008. Darauf war ein Primat mit ungewöhnlichen Merkmalen zu erkennen. „Das Bild war jedoch nicht deutlich genug, um sicher sagen zu können, dass es sich um eine bislang unbekannte Art handelt“, erklärte Junior Amboko, Doktorand der Anthropologie an der Florida Atlantic University und Mitautor der Studie, gegenüber RFI.

Als das Tier zehn Jahre später erneut gesichtet wurde, war Amboko selbst im Lomami-Nationalpark tätig. „Auf den Fotos meiner Kollegen sah ich einen sehr schwarzen Affen mit orangefarbenen Lippen. So etwas hatte ich in keinem meiner Fachbücher gesehen“, berichtet der kongolesische Wissenschaftler.

Er schickte daraufhin weitere Teams in das Gebiet, um zusätzliche Aufnahmen anzufertigen. „Die Ergebnisse waren noch überraschender: Wir stellten fest, dass diese Tiere nur vier Finger besitzen, während alle anderen Affenarten der Region fünf Finger haben.“

Verwandte leben weit entfernt

2020 erhielt Junior Amboko ein Forschungsstipendium der National Geographic Society. Mit den Fördermitteln wurden Ranger und Forscher im Lomami-Nationalpark in der Beobachtung von Wildtieren sowie in der Entnahme biologischer Proben geschult. Die gesammelten Proben wurden ein Jahr später in die USA geschickt und dort genetisch untersucht.

Die Auswertung von Verhalten, Körperbau und Erbgut bestätigte schließlich, dass es sich um eine neue Art handelt. „Die am engsten verwandte Art lebt rund 1.200 Kilometer entfernt in Gabun und Äquatorialguinea“, erklärt Amboko. „Genetische Analysen zeigen, dass sich beide Arten bereits vor mehr als vier Millionen Jahren voneinander getrennt haben.“

Bereits vom Aussterben bedroht

Obwohl die Art gerade erst wissenschaftlich beschrieben wurde, gilt sie bereits als stark gefährdet. „Damit eine Art gute Überlebenschancen hat, braucht sie ein großes Verbreitungsgebiet“, warnt Amboko. „Der Colobus congoensis lebt jedoch nur in einem sehr kleinen Teil des Lomami-Nationalparks auf einer Fläche von etwa 1.700 Quadratkilometern. Das ist extrem wenig. Schon kleine Veränderungen in diesem Gebiet könnten zum Aussterben der Art führen.“

Der Lomami-Nationalpark steht zwar unter Schutz, doch nach Angaben der Forscher müssen die Behörden ihre Kontroll- und Schutzmaßnahmen deutlich verstärken. In der Region wurden bereits Wilderer gesichtet.