Studie: Migranten haben es schwer, Eltern im Ausland zu unterstützen

Studie: Migranten haben es schwer, Eltern im Ausland zu unterstützen

Millionen Menschen, die in Deutschland leben, unterstützen regelmäßig Eltern, die im Ausland wohnen – doch das bringt laut einer neuen Studie des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) oft erhebliche finanzielle, emotionale und berufliche Belastungen mit sich. Die Forschung beleuchtet sogenannte „transnationale Familienbeziehungen“ – also familiäre Bindungen, die über nationale Grenzen hinweg bestehen. In Deutschland sind solche Familienkonstellationen heute immer häufiger, besonders bei Menschen mit Migrationsgeschichte.

Laut der Studie haben etwa 40 % der in Deutschland Befragten Verwandte im Ausland. Besonders verbreitet ist dieses Phänomen unter Menschen mit Migrationshintergrund. Die Forschenden schätzen, dass zwischen 3,7 und 5,6 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 49 Jahren in Deutschland mindestens ein Elternteil außerhalb des Landes haben.

Vielen Afrikanerinnen und Afrikanern, die in Deutschland leben, ist diese Realität vertraut. Enge Beziehungen zu Eltern und zur erweiterten Familie in der Heimat aufrechtzuerhalten – emotional wie finanziell – ist ein zentraler Bestandteil des Lebens in der Diaspora.

Finanzieller und emotionaler Druck
Die Studie zeigt, dass erwachsene Kinder ihre Eltern im Ausland auf vielfältige Weise unterstützen: durch regelmäßigen Telefonkontakt, Geldüberweisungen, die Organisation von Reisen oder Hilfe bei administrativen Angelegenheiten aus der Ferne.

Allerdings ist die Belastung deutlich höher als bei Familien, deren Eltern in Deutschland leben. Rund 32 % der Befragten mit Eltern im Ausland gaben an, dass die finanziellen Kosten für deren Unterstützung eine große Belastung darstellen. Bei Befragten, deren Eltern in Deutschland leben, sind es nur etwa 8 %. Reisekosten, Geldtransfers und Notfallbesuche setzen viele Migrantinnen und Migranten unter erheblichen Druck, während sie gleichzeitig Arbeit und Familienleben in Deutschland bewältigen müssen.

Forschende sagen zudem, dass Gefühle von Schuld, Stress und Zeitdruck häufig auftreten – besonders wenn erwachsene Kinder befürchten, im Notfall nicht schnell genug bei ihren Eltern sein zu können. Studien über grenzüberschreitende Familienpflege zeigen, dass solche emotionalen Belastungen durch große Distanzen sowie durch migrationsbedingte Reise- oder Aufenthaltsbeschränkungen oft noch verstärkt werden.

Entfernung erschwert die Unterstützung
Die geografische Distanz ist eine der größten Herausforderungen. Während 86 % der Befragten mit Eltern in Deutschland diese innerhalb von drei Stunden erreichen können, gilt das nur für etwa 10 % derjenigen mit Eltern im Ausland.

Für viele Migranten bedeutet ein Besuch bei den Eltern sieben Stunden oder mehr Reisezeit, häufig verbunden mit teuren internationalen Flügen und komplizierter Reiseplanung. Das führt dazu, dass ein großer Teil der Unterstützung aus der Ferne organisiert werden muss – von der Organisation der Pflege älter werdender Eltern bis hin zu finanzieller Hilfe.

Bürokratische Hürden
Transnationale Familien stehen zudem vor bürokratischen Herausforderungen, die Familien im selben Land meist nicht haben.

Visa-Regeln, Aufenthaltsgenehmigungen und berufliche Verpflichtungen können Reisepläne erschweren. Migranten mit befristeten Aufenthaltstiteln sorgen sich zum Beispiel manchmal, dass längere Aufenthalte im Ausland ihren rechtlichen Status in Deutschland gefährden könnten. Gleichzeitig stoßen ältere Eltern oft auf Visa-Hürden, wenn sie ihre Kinder in Europa besuchen möchten.

Auch die Arbeitsbedingungen spielen eine Rolle. Die Studie zeigt, dass Beschäftigte mit Eltern im Ausland etwas seltener Zugang zu flexiblen Arbeitsmodellen haben als jene, deren Eltern in Deutschland leben.

Ein zunehmend politisches Thema
Die Forschenden betonen, dass diese Realität wichtige Konsequenzen für die Sozial- und Familienpolitik in Deutschland hat.

Als Einwanderungsland müsse Deutschland stärker anerkennen, dass familiäre Verantwortung oft über nationale Grenzen hinausgeht. Viele bestehende Unterstützungssysteme – etwa Pflegeurlaub oder Familienhilfeprogramme – seien jedoch hauptsächlich für Familien konzipiert, die innerhalb Deutschlands leben.

Für Millionen Migrantinnen und Migranten, darunter viele Mitglieder der afrikanischen Diaspora, bleibt die Unterstützung von Eltern über Kontinente hinweg eine alltägliche Verpflichtung – und ein Zeichen dafür, wie wichtig transnationale Familienbeziehungen im modernen Deutschland geworden sind. (Quelle: The African Courier)