
Zum ersten Mal in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft wird Afrika mit zehn Nationen vertreten sein. Von der ersten Teilnahme Ägyptens im Jahr 1934 bis zum möglichen Debüt der Kapverden 2026 hat sich die Zahl der Startplätze nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch auf diplomatischer Ebene entwickelt, berichtet RFI.
50 Jahre mit nur wenigen WM-Teilnahmen
1934 war Ägypten die erste afrikanische Nation, die an einer Weltmeisterschaft teilnahm. Dieser Auftritt blieb jedoch nahezu eine Randnotiz in einem Turnier, das vor allem für Europa und Südamerika konzipiert war. Danach folgte eine lange Durststrecke.
Ab 1970 stand dem gesamten Kontinent lediglich ein einziger Startplatz zu: Marokko 1970, Zaire 1974 und Tunesien 1978 vertraten Afrika bei den Weltmeisterschaften.
Der eigentliche Wendepunkt zeichnete sich Anfang der 1980er-Jahre ab. 1982 erhielt Afrika endlich zwei WM-Tickets. Algerien und Kamerun nahmen gemeinsam an der Weltmeisterschaft in Spanien teil. 1990 wurde Kamerun von Ägypten begleitet.
1994 öffnete sich die Tür ein weiteres Stück. Erstmals waren drei afrikanische Nationen dabei: Kamerun, Nigeria und Marokko. Doch trotz dieses kleinen Erfolgs blieb die Unzufriedenheit groß. Erst 1998 änderte sich die Situation grundlegend. Nach einem langen und hartnäckigen diplomatischen Kampf unter Führung von Issa Hayatou, dem damaligen Präsidenten der Afrikanischen Fußball-Konföderation (CAF), vergab die FIFA fünf Startplätze an Afrika für die WM in Frankreich. Bei der Weltmeisterschaft 1998 waren daher erstmals fünf afrikanische Teams vertreten: Kamerun, Nigeria, Marokko, Südafrika und Tunesien.
Die Revanche eines Kontinents
Seit 1998 ist die afrikanische Präsenz bei Weltmeisterschaften mit fünf Vertretern dauerhaft etabliert. Für Hayatou war dies eine Genugtuung, denn er habe „keine Gefälligkeit, sondern sportliche Gerechtigkeit“ gefordert.
2010 erreichte Afrika einen weiteren Meilenstein – diesmal dank eines historischen Ereignisses: der Ausrichtung der Weltmeisterschaft in Südafrika. Zum ersten Mal versammelte sich die Fußballwelt auf afrikanischem Boden. Die CAF stellte damals sechs Teilnehmer: fünf qualifizierte Teams plus Südafrika als Gastgeber.
Die spektakulärste Veränderung sollte jedoch abseits des Rasens stattfinden, in den Büros der FIFA, wo das Format der Weltmeisterschaft neu gestaltet wurde. Unter der Präsidentschaft von Gianni Infantino beschloss die FIFA, das Turnier zu erweitern und die Zahl der Teilnehmer zu erhöhen. Afrika, lange Zeit der große Verlierer bei der Verteilung der Startplätze, wurde zu einem der Hauptprofiteure dieser Reform.
Die FIFA, deren afrikanische Mitgliedsverbände wichtige Unterstützer Infantinos bei seinen Wahlen und Wiederwahlen waren und weiterhin sind, musste diese politische Unterstützung nun auch sportlich anerkennen.
Das Ergebnis: Ab 2026 stehen dem Kontinent neun beziehungsweise zehn Startplätze zur Verfügung – abhängig von den interkontinentalen Play-offs. Für etablierte Teilnehmer wie Marokko, Senegal, Nigeria oder Kamerun eröffnet sich damit die Chance, erstmals ernsthaft vom Halbfinale oder sogar mehr zu träumen. Für Neulinge wie die Kap Verde könnte sich dagegen das Tor zur größten Bühne des Weltfußballs öffnen.
Mehr Länder, mehr Chancen?
Zehn Startplätze bedeuten, dass mehr afrikanische Nationen die Gruppenphase überstehen, sich mit den Favoriten messen und die K.-o.-Runden erreichen können – von der Runde der letzten 32 über das Achtel- und Viertelfinale bis vielleicht noch weiter. Auf dem Papier bot noch keine Weltmeisterschaft so viele Möglichkeiten für ein afrikanisches Land, die höchsten Ziele zu erreichen.
Der CAF-Präsident Patrice Motsepe bringt diese gemeinsame Hoffnung auf den Punkt:
„Zum ersten Mal in der Geschichte dieses Wettbewerbs wird Afrika zehn Vertreter stellen. Dies zeigt das bedeutende Wachstum des afrikanischen Fußballs sowie seine Wettbewerbsfähigkeit auf der Weltbühne. Wir sind überzeugt, dass die afrikanischen Nationalmannschaften bei der Weltmeisterschaft 2026 uns stolz machen werden und dass eine afrikanische Nation dieses Turnier gewinnen kann.“
Der Optimismus ist berechtigt, doch die Geschichte mahnt zur Vorsicht. Bis heute haben lediglich vier afrikanische Länder das Viertelfinale einer Weltmeisterschaft erreicht. Nach Kamerun (1990), Senegal (2002) und Ghana (2010) gelang es Marokko bei der WM in Katar, die gläserne Decke zu durchbrechen: Die Nordafrikaner erreichten das Halbfinale und belegten am Ende den vierten Platz. Damit schrieben sie das bislang erfolgreichste Kapitel eines afrikanischen Teams in der Geschichte der Weltmeisterschaften.