*Yewande Banire: Vom Wartezimmer zum Wohnzimmer – wie Telemedizin die Gesundheitsversorgung in Afrika verändern kann

*Yewande Banire: Vom Wartezimmer zum Wohnzimmer – wie Telemedizin die Gesundheitsversorgung in Afrika verändern kann

Für viele Patientinnen und Patienten in Afrika beginnt Gesundheitsversorgung mit Warten. Warten auf Platz, Warten auf Aufmerksamkeit und Warten innerhalb von Systemen, die bereits überlastet sind, noch bevor der Patient überhaupt ankommt. Diese Verzögerungen haben selten mit mangelndem medizinischem Wissen zu tun. Vielmehr spiegeln sie Gesundheitsstrukturen wider, die sich nicht schnell genug weiterentwickelt haben, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden.

Genau in dieser Lücke liegt die Chance, die Art und Weise der Versorgung neu zu denken – und Telemedizin erweist sich dabei als einer der praktikabelsten Wege nach vorn.

Auf dem gesamten Kontinent tragen Kliniken und Krankenhäuser die Last wachsender Bevölkerungen bei begrenzter Infrastruktur. In Nigeria ist dieser Druck täglich spürbar: Einrichtungen sind überfüllt, Gesundheitsfachkräfte überlastet, und Patientinnen und Patienten zögern, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, weil der Prozess selbst als erschöpfend empfunden wird. Telemedizin bringt hier einen notwendigen Perspektivwechsel. Sie verlagert Gesundheitsversorgung von einem physischen Ort, zu dem Menschen reisen müssen, hin zu einer Dienstleistung, die sie dort erreicht, wo sie sich befinden. So wird unnötige Überlastung reduziert, ohne die klinische Qualität zu beeinträchtigen. Wie ich oft erkläre: „Wenn der Zugang zur Versorgung davon abhängt, wie lange jemand es sich leisten kann zu warten, dann haben wir es nicht nur mit einem medizinischen, sondern mit einem strukturellen Problem zu tun.“

Die Wirkung dieses Wandels wird besonders deutlich in ländlichen und unterversorgten Regionen, wo Entfernung häufig über Gesundheitsverläufe entscheidet. Viele Menschen leben mehrere Stunden vom nächsten Krankenhaus oder Facharzt entfernt, sodass eigentlich gut behandelbare Erkrankungen allein wegen mangelnder Zugänglichkeit kompliziert werden. Über mobile Plattformen und virtuelle Konsultationen überbrückt die Telemedizin diese Kluft. Patientinnen und Patienten erhalten Zugang zu qualifizierten Fachkräften, ohne die finanziellen und körperlichen Belastungen langer Reisen. Bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder hormonellen Störungen ist Kontinuität der Versorgung wichtiger als räumliche Nähe. Fernüberwachung und regelmäßige Nachsorge verringern Komplikationen und verbessern die langfristigen Behandlungsergebnisse.

Diese Überzeugung von rechtzeitiger und zugänglicher Versorgung ist durch Erfahrung geprägt. Nachdem ich sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Nigeria im Gesundheitswesen praktiziert und gelehrt habe, habe ich gesehen, wie Verzögerungen stillschweigend Erkrankungen verschlimmern, die bei frühzeitiger Behandlung gut therapierbar wären. Bei Serenara Wellness wird Telemedizin genutzt, um hormonelle Gesundheit, metabolisches Wohlbefinden und frauenspezifische Gesundheitsversorgung in ganz Nigeria anzubieten. Patientinnen mit PCOS, Myomen oder menopausenbedingten Beschwerden erhalten strukturierte Beratung, kontinuierliche Betreuung und professionelle medizinische Unterstützung, ohne eine Klinik aufsuchen zu müssen – es sei denn, dies ist medizinisch notwendig. „Zu oft sehe ich Frauen, die bereits völlig erschöpft vom System zur Versorgung kommen“, merke ich an. „Telemedizin gibt uns die Möglichkeit, früher einzugreifen, sie kontinuierlich zu begleiten und vermeidbare Komplikationen zu verhindern.“

Der Aufbau wirksamer Telemedizinsysteme in Afrika erfordert Zielstrebigkeit und Zusammenarbeit. Zuverlässiger Internetzugang, digitale Kompetenz und Vertrauen in virtuelle Versorgungsmodelle sind entscheidend für die Akzeptanz. Gleichzeitig müssen regulatorische Rahmenbedingungen eine sichere, geschützte und ethische Bereitstellung von Fernbehandlungen unterstützen. Diese Herausforderungen sind real, aber lösbar. Wenn Regierungen, Gesundheitseinrichtungen und private Innovatoren zusammenarbeiten, stärkt Telemedizin bestehende Systeme, anstatt sie zu ersetzen, und schafft so eine widerstandsfähigere Gesundheitslandschaft.

Auch für Gesundheitsfachkräfte bietet dieses Modell erhebliche Vorteile. Durch die Reduzierung routinemäßiger persönlicher Arztbesuche gewinnen Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte Zeit und Fokus für komplexe Fälle, die direkte Behandlung erfordern. Das verbessert die Effizienz der Arbeitsabläufe, reduziert Burnout und ermöglicht es Teams, mehr Patientinnen und Patienten zu versorgen, ohne Qualitätsstandards zu gefährden. Zudem entstehen neue digitale Gesundheitsrollen und Innovationszentren, die das gesamte Gesundheitsökosystem stärken. Wie ich häufig betone: „Bei Telemedizin geht es nicht darum, mehr Arbeit schneller zu erledigen. Es geht darum, die richtige Arbeit zur richtigen Zeit zu tun – mit Systemen, die sowohl Patientinnen und Patienten als auch Fachkräfte respektieren.“

Telemedizin bedeutet nicht die Abschaffung von Kliniken. Ihre Stärke liegt in der Verstärkung bestehender Strukturen. Ein hybrides Modell, das persönliche Konsultationen mit Fernversorgung kombiniert, ermöglicht es Gesundheitssystemen, verantwortungsvoll zu wachsen. Patientinnen und Patienten erhalten zeitnah Beratung, Rezepte und Überwachung, während Kliniken ihre Ressourcen für Fälle reservieren können, die tatsächlich eine persönliche Behandlung erfordern. Versorgung wird dadurch zugleich effizient und persönlich.

Damit Telemedizin langfristig erfolgreich ist, muss ihre Umsetzung durchdacht bleiben. Klare Richtlinien, wirksame Patientenaufklärung und eine nahtlose Integration in bestehende Gesundheitssysteme sind entscheidend. Fernversorgung muss kulturell sensibel, evidenzbasiert und menschlich bleiben. Technologie allein verbessert die Gesundheitsversorgung nicht – Systeme, die um den Menschen herum aufgebaut sind, tun es.

Afrika steht an einem entscheidenden Wendepunkt der Gesundheitsversorgung. Wartezimmer müssen nicht länger der Standardzugang zur medizinischen Betreuung sein. Mit einer bewussten Einführung der Telemedizin kann Gesundheitsversorgung in Haushalte, an Arbeitsplätze und in Gemeinschaften verlagert werden – effizienter, gerechter und reaktionsfähiger. Das ist keine ferne Zukunft, sondern eine praktische Weiterentwicklung der Versorgung, die Afrika bereit ist anzunehmen.

Yewande Banire ist eine in den USA ausgebildete, staatlich geprüfte Family Nurse Practitioner und Gründerin von Serenara Wellness in Nigeria sowie der Serene Infusion & Wellness Lounge in den Vereinigten Staaten. Sie ist Rednerin, Dozentin und engagierte Fürsprecherin der Frauengesundheit mit Schwerpunkt auf Hormontherapie, Perimenopause, Menopause, Myomen und PCOS.

(Quelle: Newsletter africa-businessinsider)