
Seit acht Jahren arbeiten die belgischen und kongolesischen Behörden intensiv an der Rückgabe von Kunst- und Kulturgütern, die während der Kolonialzeit des damaligen Kongo-Freistaats und später des Belgisch-Kongo nach Belgien gebracht oder häufig geplündert wurden, berichtet RFI.
Doch neben den Sammlungen des Zentralafrika-Museums in Tervuren, die derzeit erfasst werden, um eine Rückgabe an das Museum in Kinshasa vorzubereiten, gibt es auch ethnografische „Sammlungen“ mit äußerst fragwürdigem Inhalt: die Schädel afrikanischer Menschen, die sich noch immer in belgischen Museen befinden.
Die Premierministerin der Demokratischen Republik Kongo, Judith Suminwa Tuluka, hat ihrem belgischen Amtskollegen Bart De Wever offiziell geschrieben und die Rückgabe von Hunderten Schädeln gefordert, die während der Kolonialzeit „gesammelt“ wurden.
Mehr als 500 menschliche Überreste, überwiegend von Kongolesen, aber auch von Ruandern und Burundiern, sollen sich noch heute in belgischen Institutionen befinden.
Die belgischen Behörden haben in den vergangenen zehn Jahren beschlossen, das koloniale Erbe des Landes grundlegend aufzuarbeiten. Nach Auffassung der föderalen Regierung haben menschliche Überreste, die im 19. und 20. Jahrhundert als Trophäen oder ethnografische Objekte nach Europa gebracht wurden, im Jahr 2026 keinen Platz mehr in Museen.
Die Wissenschaftler einer vom belgischen Parlament eingesetzten Arbeitsgruppe kamen zu dem Schluss, dass „alle historischen menschlichen Überreste, die in direktem Zusammenhang mit der kolonialen Vergangenheit Belgiens stehen“, in ihre Herkunftsländer zurückgeführt werden sollten.
In ihrem Schreiben betont die kongolesische Premierministerin, dass die im Naturwissenschaftlichen Museum von Brüssel aufbewahrten Überreste von Verstorbenen stammen, die „würdig in ihrer Heimat ruhen können müssen und nicht als Sammlungsobjekte betrachtet werden dürfen“.