
Burkina Faso setzt bei seinem bislang größten Energieprojekt im Wert von 300 Millionen US-Dollar auf einen türkischen Entwickler. Mit dem Bau des größten Kraftwerks in der Geschichte des Landes will die Regierung ihre Abhängigkeit von importiertem Strom deutlich verringern und die Energieversorgung sowie das Wirtschaftswachstum stärken.
Die Africa Finance Corporation (AFC) hat die Finanzierung eines Unternehmenskredits über 300 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Mit dem Geld wird der türkische Energieerzeuger Aksa Enerji Üretim A.Ş. ein Wärmekraftwerk mit einer Leistung von 119 Megawatt errichten. Die AFC hat bereits die erste Tranche in Höhe von 60 Millionen US-Dollar ausgezahlt. Es handelt sich um die erste Investition der Finanzinstitution in Burkina Faso.
Das Kraftwerk soll 2027 den Betrieb aufnehmen und wird dann das größte des Landes sein. Nach Angaben der Projektpartner könnte dadurch die Abhängigkeit Burkina Fasos von Stromimporten um mehr als 50 Prozent sinken.
Das Vorhaben soll eines der größten wirtschaftlichen Probleme des Landes entschärfen. Derzeit werden fast 60 Prozent des Strombedarfs aus den Nachbarstaaten gedeckt, wodurch Unternehmen und Haushalte anfällig für Versorgungsengpässe und steigende Strompreise sind. Gleichzeitig haben nur etwa 20 Prozent der Bevölkerung Zugang zu Elektrizität, was die Industrialisierung und das Wachstum des Privatsektors erheblich bremst.
Mit der zusätzlichen heimischen Stromerzeugung sollen Industrie, Bergbau und Unternehmen künftig zuverlässiger mit Grundlaststrom versorgt werden. Zudem soll das nationale Stromnetz widerstandsfähiger werden.
Das Projekt ist Teil der Strategie Burkina Fasos, trotz anhaltender Sicherheitsprobleme verstärkt in die wirtschaftliche Eigenständigkeit zu investieren. Seit dem Beitritt zur Allianz der Sahel-Staaten (AES) mit Mali und Niger setzt das Land verstärkt auf Investitionen in Energie, Bergbau und kritische Infrastruktur, um die Abhängigkeit vom Ausland zu verringern.
Eine stabilere Stromversorgung soll insbesondere die Wettbewerbsfähigkeit der Bergbau- und Fertigungsindustrie verbessern und neue private Investitionen fördern.
Mit der Finanzierung baut die AFC zudem ihre Zusammenarbeit mit Aksa Enerji aus. Bereits 2025 stellte sie dem türkischen Unternehmen einen Kredit über 150 Millionen US-Dollar für Gas-zu-Strom-Projekte in Senegal und Ghana zur Verfügung, darunter den Bau eines Gas-und-Dampf-Kraftwerks mit 255 Megawatt Leistung im Senegal.
AFC-Präsident Samaila Zubairu erklärte, Afrikas industrielle Zukunft hänge maßgeblich von Investitionen in eine verlässliche Infrastruktur ab. Eine sichere Stromversorgung sei entscheidend, damit Unternehmen wachsen, Industrien expandieren und Volkswirtschaften international wettbewerbsfähig werden könnten.
Der Vorstandsvorsitzende von Aksa Enerji, Cemil Kazanci, bezeichnete das Projekt in Burkina Faso als wichtigen Meilenstein für das langfristige Engagement des Unternehmens in Afrika. Es werde die Energiesicherheit des Landes stärken und gleichzeitig eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung unterstützen.
Nach Einschätzung der Projektpartner steht das Kraftwerk nicht nur für den Ausbau der Stromerzeugung, sondern auch für den Versuch Burkina Fasos, seine wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit zu erhöhen, die Importabhängigkeit zu verringern und die Grundlage für langfristiges Wachstum zu schaffen. (Quelle: businessinsider.africa)