
Russland will seinen Einfluss auf Afrikas Friedens- und Sicherheitsagenda ausbauen und strebt eine engere Abstimmung mit den drei afrikanischen gewählten Mitgliedern des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen (A3) an. Damit setzt Moskau seine wachsenden diplomatischen und sicherheitspolitischen Aktivitäten auf dem Kontinent fort.
Bekannt wurde dieser Schritt nach hochrangigen Gesprächen zwischen dem russischen Außenminister Sergej Lawrow und dem Vorsitzenden der Kommission der Afrikanischen Union, Mahmoud Ali Youssouf, am Montag in Addis Abeba.
In einer gemeinsamen Erklärung betonten beide Seiten die Bedeutung einer „engen Koordinierung“ zwischen Russland und der A3-Gruppe in Fragen des Friedens und der Sicherheit.
Derzeit gehören der A3 die Demokratische Republik Kongo, Liberia und Somalia an. Die drei Staaten vertreten die Positionen Afrikas im 15-köpfigen UN-Sicherheitsrat während der Amtszeit 2026 bis 2027.
Zwar verpflichtet die gemeinsame Erklärung die A3 nicht dazu, russische Positionen zu unterstützen, sie verdeutlicht jedoch Moskaus Bestreben, den Dialog mit der Gruppe zu institutionalisieren. Die A3 vertritt im Sicherheitsrat häufig die gemeinsamen Positionen der afrikanischen Staaten zu internationalen Konflikten.
Russland baut seine Sicherheitsstrategie in Afrika aus
Die neue Initiative fällt in eine Phase, in der Russland seine diplomatische und sicherheitspolitische Präsenz in Afrika weiter verstärkt, insbesondere in Regionen, die von Aufständen und politischer Instabilität betroffen sind.
Erst in dieser Woche bestätigte Russland die Lieferung weiterer Militärausrüstung an Mali und festigte damit seine Rolle als einer der wichtigsten Sicherheitspartner des Landes im Kampf gegen dschihadistische Gruppen.
Die Lieferung ist Teil einer seit Monaten intensivierten militärischen Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten, die Ausbildung, Logistik und Verteidigungsabkommen umfasst.
Auch in der Sahelzone hat Russland seinen Einfluss seit dem Abzug westlicher Streitkräfte aus mehreren Ländern kontinuierlich ausgebaut. Die Militärregierungen in Mali, Burkina Faso und Niger haben ihre Verteidigungsbeziehungen zu Russland vertieft und sich gleichzeitig von ihren bisherigen westlichen Sicherheitspartnern distanziert.
Vor diesem Hintergrund deutet die Annäherung an die A3 darauf hin, dass Russland seine militärischen Partnerschaften durch eine strukturiertere diplomatische Strategie ergänzt. Ziel ist es, Afrikas gemeinsame Stimme innerhalb des UN-Systems stärker einzubinden.
Im Gegensatz zu bilateralen Verteidigungsabkommen eröffnet eine engere Zusammenarbeit mit der A3 Moskau einen direkten Zugang zu jenem afrikanischen Staatenblock, der die Debatten über Konflikte im Sudan, in Libyen, der Sahelzone, am Horn von Afrika und in der Region der Großen Seen im Sicherheitsrat maßgeblich mitprägt.
Bei den Gesprächen bekräftigten beide Seiten außerdem ihre Unterstützung für afrikanisch geführte Ansätze zur Konfliktlösung und forderten die vollständige Umsetzung der Resolution 2719 des UN-Sicherheitsrats. Diese schafft einen Rahmen für die Finanzierung von Friedensmissionen der Afrikanischen Union durch die Vereinten Nationen. Zudem unterstrichen beide Seiten die Notwendigkeit einer verlässlichen und nachhaltigen Finanzierung von AU-Friedenseinsätzen.
Über den Sicherheitsbereich hinaus vereinbarten Russland und die Afrikanische Union eine engere Zusammenarbeit in den Bereichen Handel, Infrastruktur, Ernährungssicherheit, Gesundheit sowie bei der Reform des globalen Finanzsystems. Zudem sollen die Vorbereitungen für einen neuen Kooperationsfahrplan für den Zeitraum 2027 bis 2029 vorangetrieben werden. Dieser soll im Vorfeld des dritten Russland-Afrika-Gipfels verabschiedet werden, der im Oktober in Moskau stattfinden soll.
Für Moskau geht die Bedeutung dieser Initiative über ein weiteres diplomatisches Treffen hinaus.
Angesichts des zunehmenden geopolitischen Wettbewerbs um Einfluss in Afrika verschafft eine engere Zusammenarbeit mit der A3 Russland einen direkteren Zugang zu den Staaten, die Afrikas gemeinsame Prioritäten in den Bereichen Frieden und Sicherheit im UN-Sicherheitsrat vertreten. Damit ergänzt Moskau seine wachsende militärische Präsenz auf dem Kontinent durch eine stärkere institutionelle und diplomatische Verankerung. (Quelle: businessinsider.africa)