
„An meine geliebten Brüder und Schwestern in Südafrika und auf dem gesamten Kontinent“, schreibt der Sänger auf facebook, „seit über fünfzig Jahren ist Afrika für mich nicht einfach nur ein Ort, den ich besuche – Afrika ist ein Teil von mir. Besonders Südafrika hat mich immer wie einen Bruder willkommen geheißen und nicht nur wie einen Künstler. Deshalb ist mein Herz heute so schwer.
Ich kann die Berichte über fremdenfeindliche Gewalt gegen unsere afrikanischen Brüder und Schwestern nicht ignorieren. Wenn ich sehe, wie Migranten angegriffen werden, sehe ich darin keine „Politik“. Ich sehe Menschen, die Arbeit, Sicherheit und Würde suchen. Das entspricht nicht dem Südafrika, das ich kenne – dem Südafrika, das an der Seite Malis stand, und dem Südafrika, das Nelson Mandela aufgebaut hat.
1988 sang ich im Wembley-Stadion für Mandela, weil der Kampf gegen die Apartheid unser gemeinsamer Kampf war. Heute zwingt mich dasselbe Gewissen zu einer schmerzhaften Entscheidung: Ich sage meine geplanten kommerziellen Auftritte in Südafrika ab.
Bitte versteht mich richtig: Das ist keine Ablehnung von euch, den Menschen. Es ist eine Ablehnung des Hasses.
Ich verstehe die Frustrationen. Aber Schmerz darf nicht zu Hass gegen unsere afrikanischen Mitmenschen werden. Koloniale Grenzen trennen uns auf der Landkarte, doch sie dürfen niemals unsere gemeinsame Menschlichkeit entzweien.
Um es deutlich zu sagen: Ich verschließe Südafrika nicht die Tür. Ich verschließe die Tür vor der Gewalt.
Wenn es eine Bühne in einem Township gibt, werde ich dort singen.
Wenn eine Gemeinschaft Gehör braucht, werde ich zuhören.
Wenn die Zeit reif ist, werde ich zurückkehren – nicht für den Applaus, sondern für Heilung, Würde und Ubuntu.
Ich ziehe mich in Liebe und Trauer zurück. Aber ich werde wieder singen, wenn unsere gemeinsame Menschlichkeit siegt.
In Liebe,
Salif Keita
Euer Bruder und ein Sohn Afrikas“