
Die spanischen Abgeordneten haben am 10. September 2026 für einen Gesetzentwurf gestimmt, der Zehntausenden Sahrauis aus der Westsahara die spanische Staatsangehörigkeit gewähren soll, die zu einer Zeit geboren wurden, als Spanien das Gebiet noch verwaltete. Heute steht die Region größtenteils unter marokkanischer Kontrolle. Die Abstimmung erfolgt zu einem besonders sensiblen Zeitpunkt in den Beziehungen zwischen Rabat und Madrid, berichtet RFI.
Zehntausende Sahrauis aus der Westsahara, die geboren wurden, als Spanien dieses umstrittene Gebiet noch verwaltete, könnten künftig die spanische Staatsangehörigkeit erhalten. Die spanischen Abgeordneten stimmten am Donnerstag in Madrid für den entsprechenden Gesetzentwurf. Dieser muss noch vom Senat bestätigt werden, bevor er in Kraft treten kann.
Schätzungen zufolge könnten insgesamt 80.000 Menschen von dem Gesetz betroffen sein. Unter Einbeziehung ihrer Nachkommen könnte diese Zahl sogar auf bis zu 200.000 steigen.
Das Gesetz sieht vor, Menschen die spanische Staatsangehörigkeit zu gewähren, die vor September 1977 in der ehemaligen Kolonie Westsahara geboren wurden.
Bis 1975 wurde die Westsahara von Spanien verwaltet. Heute steht das Gebiet größtenteils unter marokkanischer Kontrolle, gilt nach internationalem Recht jedoch weiterhin als Hoheitsgebiet ohne Selbstregierung. Seit 50 Jahren stehen sich dort Marokko und die Unabhängigkeitsbewegung Frente Polisario gegenüber. Die Frente Polisario wird von Algerien unterstützt.
2022 stellte sich Madrid jedoch hinsichtlich der Westsahara hinter die marokkanische Lösung, also eine Autonomie des Gebiets innerhalb des Königreichs Marokko. Damit wird den Sahrauis das Recht auf Selbstbestimmung durch ein von den Vereinten Nationen vorgeschlagenes Referendum nicht mehr eingeräumt.
Krise von Ceuta
Angesichts der jüngsten Entwicklungen in Ceuta und der Vertrauenskrise, die durch den Zustrom Zehntausender Migranten aus Marokko in diese spanische Enklave in Nordafrika ausgelöst wurde, scheint Madrid seine Haltung nun jedoch zu überdenken.
Ein Bericht der spanischen Polizei sowie eine mit den gerichtlichen Ermittlungen zu diesen Ereignissen betraute Richterin legen nahe, dass die Migrationskrise möglicherweise von der marokkanischen Staatsführung orchestriert worden sein könnte.
Vor diesem Hintergrund sorgt die spanische Initiative, Sahrauis die Staatsangehörigkeit zu gewähren, in Marokko für geteilte Meinungen. Bislang gibt es jedoch keine offizielle Reaktion der marokkanischen Behörden.