Marokko warnt Spanien vor politischer Instrumentalisierung der Migrationskrise

Mehr als einen Monat nachdem über 70.000 Menschen aus Marokko nach Ceuta gelangt sind, sorgt die durch diese beispiellose Migrationskrise ausgelöste Erschütterung weiterhin für Unruhe in der spanischen Politik und Gesellschaft. In den Medien und in Äußerungen einiger Politiker, vor allem aus dem rechten Lager, wird Marokko beschuldigt, für diesen massenhaften Grenzübertritt verantwortlich zu sein, berichtet RFI.

Das marokkanische Außenministerium, das seit Beginn der Krise geschwiegen hatte, veröffentlichte in dieser Woche eine Erklärung, in der es das Nachbarland Spanien vor einer politischen Instrumentalisierung der Tragödie von Ceuta warnt.

Die marokkanischen Behörden haben mit einer Erklärung des Außenministeriums ihr Schweigen gebrochen. Seit mehreren Tagen stehen sie zunehmend unter Druck, insbesondere nachdem ein Bericht der spanischen Polizei durchgesickert war, in dem von einer „Nachgiebigkeit“ der marokkanischen Sicherheitskräfte während der Krise die Rede ist. Die rechtsgerichtete Volkspartei (Partido Popular) spricht von einem „hybriden Angriff“ auf Spanien.

In seiner als Klarstellung bezeichneten Erklärung erinnert das Ministerium an die „gutnachbarschaftlichen Beziehungen“, für die sich Marokko im Verhältnis zu Spanien entschieden habe, und verweist dabei auf die wichtigsten Bereiche der Zusammenarbeit: Wirtschaft und Sicherheit.

Nach einer Phase erheblicher Spannungen haben sich die Beziehungen zwischen Madrid und Rabat seit 2022 deutlich verbessert. Damals stellte sich Spanien hinter den marokkanischen Autonomieplan für die Westsahara.

Seit der Krise von Ceuta nehmen die Spannungen jedoch wieder zu. Vor diesem Hintergrund fragt das Außenministerium: „Warum wird an den Anschuldigungen gegen Marokko festgehalten, obwohl weder Tatsachen noch Berichte eine Beteiligung der marokkanischen Behörden belegen?“

Das Ministerium kritisiert zudem die „populistische Überbietung“, der einige spanische Parteien verfallen seien. „Das Königreich weigert sich, zum politischen Kapital im Vorwahlkampf gemacht zu werden“, heißt es abschließend.