„Ich habe meine Träume nicht verloren“: Kürzungen bei der Flüchtlingsbildung bedrohen Millionen

© UNHCR/Charity Nzomo Sudanesische Flüchtlingskinder in einer Schule in Äthiopien

Eine junge Frau, die vor dem Krieg im Sudan ins benachbarte Ägypten geflohen ist und von einem Technologiestudium träumt, zeigt beispielhaft, warum Länder dafür sorgen müssen, dass junge Flüchtlinge ihre Ausbildung fortsetzen können.

„Als wir den Sudan verließen, hatte ich Angst, dass meine Schulbildung enden würde“, sagt die 19-jährige Jamila Mostafa. Sie gehört zu den weltweit schätzungsweise 13,1 Millionen Flüchtlingskindern und -jugendlichen im schulpflichtigen Alter im Jahr 2025.

Doch fast die Hälfte von ihnen – 5,8 Millionen – besucht keine Schule. Gleichzeitig drohen Finanzierungskürzungen, die Fortschritte der vergangenen Jahre bei der Bildung von Kindern und Jugendlichen zunichtezumachen, die wegen Krieg, Konflikten, Gewalt oder Verfolgung aus ihrer Heimat fliehen mussten.

Eine Generation in Gefahr

Diese Warnung geht aus einem neuen Bericht des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR hervor.

„In einer Zeit, in der die Finanzierung humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit unter starkem Druck steht, drohen Kürzungen im Bildungsbereich jahrzehntelange gemeinsame Investitionen zunichtezumachen und einer ganzen Generation Chancen zu nehmen“, erklärte der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Barham Salih, der selbst einst aus dem Irak fliehen musste.

Der Übergang zur weiterführenden Schule bleibt dem Bericht zufolge eine der größten Herausforderungen für Flüchtlingskinder. Im Jahr 2025 besuchten lediglich 32 Prozent eine weiterführende Schule, während die Einschulungsquote im Grundschulbereich bei 65 Prozent lag.

Viele junge Flüchtlinge kommen zudem unzureichend vorbereitet in die Grundschule. Zwei von drei verfügen nicht über die grundlegenden Kenntnisse und Fähigkeiten, die für einen erfolgreichen Schulbesuch erforderlich sind.

Benachteiligung von Mädchen

Während Mädchen und Jungen im Grundschulalter noch ungefähr gleich häufig eine Schule besuchen, vergrößert sich die Kluft in der Sekundarstufe deutlich. Immer mehr Mädchen im Jugendalter brechen die Schule wegen Armut, früher Heirat, Sicherheitsproblemen und anderer Belastungen ab.

Fortschritte im Hochschulbereich zeigen dagegen, welchen Unterschied langfristige Investitionen machen können. Der Anteil der Flüchtlinge in Hochschulbildung erreichte 2025 mit elf Prozent einen Rekordwert. Mehr als 450.000 Flüchtlinge studierten an Universitäten oder absolvierten eine technische beziehungsweise berufliche Ausbildung.

Damit liegen UNHCR und seine Partner auf Kurs, bis zum Ende des Jahrzehnts 15 Prozent der jungen Flüchtlinge den Zugang zu höherer Bildung zu ermöglichen. Dieses Ziel ist als „15×30“-Initiative bekannt.

Faiza Qudrati aus Afghanistan wuchs in Kasachstan auf und studierte zunächst Medizin, bevor sie zur Psychologie wechselte. „Für mich bietet höhere Bildung die Chance, mich weiterzuentwickeln, zu lernen und eines Tages anderen Menschen auf die gleiche Weise zu helfen, wie mir einst geholfen wurde“, sagte sie.

Ungleicher Zugang

Höhere Bildung kann insbesondere das Leben geflüchteter Frauen und Mädchen erheblich verbessern. Sie ermöglicht ihnen den Erwerb von Fähigkeiten und Qualifikationen, eröffnet Beschäftigungsmöglichkeiten und stärkt ihre finanzielle Unabhängigkeit. Dennoch bleibt der Zugang äußerst ungleich verteilt.

In mehr als 80 Prozent der Länder, die entsprechende Daten melden, liegt die Hochschulquote von Flüchtlingen unter dem jeweiligen nationalen Durchschnitt. In einkommensschwachen und von Konflikten betroffenen Ländern waren lediglich zwei Prozent der Flüchtlinge in höherer Bildung eingeschrieben – gegenüber 13 Prozent der einheimischen Bevölkerung.

Der UNHCR betont, dass bessere Bildungschancen für Flüchtlinge zugleich eine Stärkung der nationalen Bildungssysteme erfordern. Investitionen in Lehrkräfte, Klassenräume, Lernmaterialien und die Bildungsfinanzierung sollen sowohl Flüchtlingen als auch den aufnehmenden Gemeinden zugutekommen.

Die eigene Zukunft gestalten

Der UNHCR fordert die internationale Gemeinschaft und Entwicklungspartner auf, die Finanzierung von Bildungsangeboten zu sichern und stärker in die nationalen Bildungssysteme der Aufnahmeländer zu investieren.

„Bildung gibt jungen Menschen die Mittel, ihre eigene Zukunft zu gestalten“, sagte Salih. „Es liegt in unserer Verantwortung, dafür zu sorgen, dass sie diese Chance erhalten.“

Jamila, die junge Sudanesin in Ägypten, setzt ihre Schulausbildung mit Unterstützung eines vom UNHCR geförderten Programms fort. Besonders interessiert sie sich für künstliche Intelligenz (KI) und die Frage, wie diese zur Lösung sozialer und wirtschaftlicher Probleme beitragen kann. Später möchte sie an einer Universität Technologie studieren.

„Die Schule gibt mir Selbstvertrauen“, sagt Jamila. „Sie erinnert mich daran, dass ich durch den Krieg zwar meine Heimat verloren habe, aber nicht meine Träume.“ (UN)