Afrika: Guterres fordert Ende der „Plünderung“ des Kontinents

UN-Generalsekretär António Guterres hat einen grundlegenden Wandel der wirtschaftlichen Beziehungen zu Afrika gefordert. Bei der Veranstaltung „Unstoppable Africa 2026“ in New York verlangte er, dass der Kontinent stärker von seinen eigenen Rohstoffen und seinem wirtschaftlichen Wachstum profitieren müsse.

„Schluss mit der Plünderung“, erklärte Guterres vor Staats- und Regierungschefs, Investoren und Unternehmensvertretern. Es gehe nicht mehr darum, ob Afrika zu einem wichtigen Motor der Weltwirtschaft werden könne, sondern darum, wer von diesem Aufschwung profitiere.

Afrika verfügt nach Angaben des UN-Generalsekretärs über rund 30 Prozent der weltweiten Mineralressourcen und 60 Prozent des globalen Solarpotenzials. Dennoch werden zahlreiche Rohstoffe weiterhin unverarbeitet exportiert. Dadurch entsteht ein großer Teil der Wertschöpfung außerhalb des Kontinents.

Guterres forderte deshalb, insbesondere kritische Mineralien verstärkt in Afrika selbst zu verarbeiten. Dadurch könnten Arbeitsplätze geschaffen und größere Teile der Gewinne auf dem Kontinent gehalten werden.

Fortschritte sieht der UN-Chef bereits in mehreren Ländern: Kenia produziert mehr als 90 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien, Marokko plant den Export grüner Energie nach Europa, Tunesien entwickelt sich im Bereich künstliche Intelligenz und Ruanda setzt zunehmend auf Drohnentechnologie. Auch Fintech, Musik und Film gewinnen wirtschaftlich an Bedeutung.

Trotz weltweiter Krisen sei Afrikas Wirtschaft im vergangenen Jahr um 4,4 Prozent gewachsen. Für eine stärkere Industrialisierung fehle jedoch weiterhin bezahlbares Kapital.

Guterres kritisierte deshalb erneut das internationale Finanzsystem, das seiner Ansicht nach „von den Reichen für die Reichen“ geschaffen worden sei. Entwicklungsbanken müssten deutlich mehr Investitionen nach Afrika mobilisieren.

Zugleich forderte er mehr Investitionen in junge Menschen und Frauen sowie in erneuerbare Energien und Klimaanpassung.

Die wirtschaftliche Entwicklung müsse außerdem mit größerem politischem Einfluss einhergehen. Guterres erneuerte deshalb seine Forderung nach ständigen afrikanischen Sitzen im UN-Sicherheitsrat. Afrika müsse nicht nur stärker an der Weltwirtschaft beteiligt sein, sondern auch an den Entscheidungen über deren Regeln. (UN)