Afrika / Sahelzone: Terrorismus treibt zwei Millionen Bewohner ins Exil

Im Januar 2021 enthüllte ein Bericht des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) erschreckende Zahlen über die vertriebene Bevölkerung in der Sahelzone. Seit Beginn des Konflikts haben sich die Flüchtlingslager vervielfacht, um Familien unterzubringen, die keine andere Wahl haben, als vor den Terrorgruppen zu fliehen, die Terror und Verwüstung säen.

Die Zivilbevölkerung ist offensichtlich das erste Opfer der Dschihadisten. Konflikte zwischen bewaffneten Gruppen, vor allem aber die territorialen Eroberungen der EIGS und der JNIM, stören das Gleichgewicht der Gemeinden, deren Ressourcen ohnehin schon prekär sind, zutiefst. So wurden die Landwirtschaft, die Weidewirtschaft, die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln und ganz allgemein der Handel durch terroristische Aktivitäten zerstört.

Staatliche Einrichtungen wie Gesundheitszentren und Schulen werden ebenfalls von den Fundamentalisten ins Visier genommen, so dass diese Verwaltungen aus den Dörfern verschwinden und die Bevölkerung sich selbst überlassen bleibt. Aber es sind vor allem die Zwangsrekrutierung von Kämpfern, Entführungen, Exekutionen im Schnellverfahren, der Einsatz von Vergewaltigungen gegen Frauen und die Angst vor Zwangsehen, die Millionen von Sahelbewohnern ins Exil treiben.

In Mali, Burkina Faso, Niger und Tschad gibt es Anfang 2021 mehr als 2.100.000 Vertriebene, im Vergleich zu 50.000 im Jahr 2016, lt. UNHCR.

Ohne jegliche Ressourcen versuchen diese Menschen in extremer Armut zu überleben und sind völlig abhängig von externer Hilfe, insbesondere bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln. Doch das Hauptproblem für viele dieser Vertriebenen bleibt die Wasserversorgung.

In Burkina Faso können sie glücklicherweise in einem Lager auf die Solidarität und Großzügigkeit lokaler Führer zählen, die auf eigene Kosten Bohrlöcher gebohrt haben und so den Zugang zu dieser lebenswichtigen Ressource ermöglichen.

Aber diese Exilanten sind trotzdem nicht außer Gefahr. An diesen Orten, an denen extreme Prekarität herrscht, gelingt es den Terroristen, sich einzuschleusen, diese Lager zu belästigen, indem sie Schmuggel organisieren, ihren salafistischen Diskurs verbreiten und versuchen, Männer zu rekrutieren, um ihre Reihen zu verstärken.

Burkina Faso geht mit gutem Beispiel voran. Die Behörden arbeiten daran, den Flüchtlingen mehr Schutz zu bieten und haben beschlossen, die Vertriebenen aus zwei Lagern in einem neu eingerichteten zu sammeln. Ein Ort, der menschenwürdige Lebensbedingungen und erhöhte Sicherheit bietet, um terroristische Übergriffe zu verhindern.

Es bleibt zu hoffen, dass diese Initiative den Behörden aller Staaten der Sahelzone als Beispiel dienen wird und dass sich langfristig alle Vertriebenen sicher fühlen, während sie darauf warten, eines Tages an ihre unter Zwang verlassenen Heimatorte zurückkehren zu können. (Quelle: Lefaso.net)