
Während der afrikanische Kontinent bei den Olympischen Sommerspielen mit einer großen Anzahl an Medaillen stark vertreten ist, sieht die Situation bei den Winterspielen ganz anders aus. In Paris 2024 gewannen afrikanische Athletinnen und Athleten insgesamt 39 Medaillen, davon 13 Goldmedaillen. Bei den Olympischen Winterspielen wartet Afrika hingegen noch immer auf seine erste Medaille.
Vorab muss betont werden, dass die Geografie des Kontinents insgesamt nicht besonders günstig für Wintersportarten ist. Das hat Afrika jedoch nicht daran gehindert, an mehreren Winterolympiaden teilzunehmen. Zwischen 1960 und 2022 nahmen 15 afrikanische Länder an Olympischen Winterspielen teil: Algerien, Madagaskar, Südafrika, Marokko, Senegal, Kenia, Ghana, Togo, Ägypten, Eswatini, Kamerun, Äthiopien, Simbabwe, Nigeria und Eritrea.
Südafrika war 1960 die erste afrikanische Nation, die an Winterspielen teilnahm. Aufgrund politischer Boykotte gegen die Apartheid kehrten südafrikanische Athleten jedoch erst 1994 bei den Spielen in Lillehammer (Norwegen) zurück – mit dem Eiskunstläufer Dino Quattrocecere und der Eisschnellläuferin Cindy Meyer.
2018 in Pyeongchang (Südkorea) waren acht afrikanische Länder vertreten – ein Rekord. Vier Jahre später in Peking stellte Afrika sechs Athletinnen und Athleten aus fünf Ländern: Eritrea, Ghana, Madagaskar, Marokko und Nigeria.
Einige Länder haben dennoch Geschichte bei den Olympischen Winterspielen geschrieben. Marokko war 1968 in Grenoble die zweite afrikanische Nation, die an Winterspielen teilnahm. 1984 in Sarajevo feierte der Senegal seine Premiere. Ghana wiederum debütierte bei den Winterspielen 2010 in Vancouver dank Kwame Nkrumah-Acheampong, der in Schottland geboren wurde und im Herrenslalom antrat.
Philip Boit aus Kenia – vom Champion Bjørn Dæhlie geehrt
Auch wenn kein afrikanischer Athlet bislang eine Medaille gewann, haben einige dennoch bleibende Spuren hinterlassen. Der Langläufer Philip Boit, ein Freund des Stars Bjørn Dæhlie, vertrat Kenia 1998, 2002 und 2006. Am 12. Februar 1998 belegte Boit bei den Spielen von Nagano im japanischen Hakuba im 10-km-Langlauf (klassisch) den letzten Platz. Doch im Ziel wartete der Sieger – der „König“ Bjørn Dæhlie – um ihm zu gratulieren. Das Bild ging um die Welt.
„Mein Trainer hatte mir von ihm erzählt, und ich hatte ihn im Fernsehen gesehen. Ich konnte nicht glauben, dass der beste Langläufer der Welt geblieben war, um mir zu gratulieren“, erzählte Boit später in einem Interview mit Olympics.com.
Madagaskar nahm dreimal an Olympischen Winterspielen teil – 2006, 2018 und 2022. Die alpine Skifahrerin Mialitiana Clerc war dabei jeweils die einzige Vertreterin ihres Landes. 2022 in Peking war sie zudem die einzige afrikanische Athletin im Wettbewerb. Bereits 2018 hatte sie an den Spielen in Südkorea teilgenommen, damals im Alter von nur 16 Jahren.
Dabei hatte Mialitiana Clerc den Skisport erst wenige Jahre zuvor in der Haute-Savoie kennengelernt, wo sie mit ihrer Adoptivfamilie aufwuchs. Geboren in der Nähe der Hauptstadt Antananarivo, wurde sie im Alter von einem Jahr adoptiert, blieb jedoch stets mit ihrer biologischen Familie in Kontakt.
„Ich fühle mich glücklich, denn ja, es gibt nicht viele afrikanische Frauen in der Welt des Skisports“, sagte sie gegenüber Olympics.com.
Lamine Gueye – der Wegbereiter
Die Nigerianerinnen Seun Adigun, Ngozi Onwumere und Akuoma Omeoga schrieben 2018 in Südkorea Geschichte, als sie das erste afrikanische Bobteam bildeten. In Pyeongchang war Afrika außerdem durch Sabrina Wanjiku Simader vertreten. Die Kenianerin wurde damit zur ersten afrikanischen Skifahrerin, die an Olympischen Winterspielen teilnahm. Ebenfalls in Südkorea vertrat ihr Landsmann Samuel Ikpefan Kenia in den Langlaufwettbewerben.
Auch der Senegalese Lamine Gueye hinterließ einen bleibenden Eindruck in der Geschichte. Mit 23 Jahren erfüllte er sich 1984 in Sarajevo seinen Traum. Der gebürtige Dakaraner war der erste Skifahrer aus Subsahara-Afrika, der an Olympischen Winterspielen teilnahm. Als Gründer des senegalesischen Skiverbands im Jahr 1979 nahm er an drei Olympischen Winterspielen, fünf Weltmeisterschaften und 25 Weltcuprennen teil.
Als Enkel eines ehemaligen Präsidenten der Nationalversammlung wurde er für seine Schulzeit in ein Internat in der Schweiz geschickt. Dort entdeckte er an den Wochenenden bei organisierten Ausflügen das Skifahren.
„Dieses Gefühl des Gleitens – ich hatte keine Ahnung, was das ist. Skifahren und ich, das ist eine Liebesgeschichte, die damals begonnen hat“, erzählte er der Zeitung Ouest-France. Heute setzt er sich dafür ein, dass möglichst viele afrikanische Athletinnen und Athleten an Olympischen Winterspielen teilnehmen können. (Quelle: RFI)