Afrikas tödlichste Schlange könnte sich als unerwartete Helferin der Landwirtschaft erweisen

Puffottern halten Nagetiere auf natürliche Weise in Schach und schützen dadurch Ernten. Damit könnten sie eine wichtige Rolle für eine nachhaltige Landwirtschaft spielen. Eine von der University of the Witwatersrand in Johannesburg, Südafrika, geleitete Studie hat ergeben, dass Puffottern (Bitis arietans) bemerkenswert effektiv dabei sind, Nagetierpopulationen einzudämmen, die in weiten Teilen des afrikanischen Kontinents die landwirtschaftliche Produktion bedrohen.

Während eines starken Anstiegs der Nagetierpopulation können diese Schlangen ihre Nahrungsaufnahme auf mehr als das Zwölffache erhöhen – eine Rate, die die vieler räuberischer Säugetiere übertrifft. Diese Anpassungsfähigkeit macht sie zu einer natürlichen und äußerst effizienten Lösung im Kampf gegen weit verbreitete Nagetierplagen.

„Puffottern sind im Grunde das perfekte natürliche System zur Nagetierbekämpfung“, sagt Professor Graham Alexander, der die Studie durchgeführt hat. „Ihre Fähigkeit, während einer Nagetierplage ihren Beutekonsum drastisch zu steigern, macht sie zu unschätzbaren Verbündeten für Landwirte, deren Ernten andernfalls schwer geschädigt werden könnten.“

Fressverhalten und Schutz der Ernten

Die in Scientific Reports veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass eine einzige Puffotter bei einer Fressphase bis zu zehn Nagetiere erbeuten kann. Bereits innerhalb einer Woche ist die Schlange wieder in der Lage zu jagen und sorgt damit für eine kontinuierliche Schädlingsbekämpfung, ohne dass den Landwirten Kosten entstehen. Da starke Vermehrungen von Nagetieren häufig in besonders niederschlagsreichen Jahren auftreten und landwirtschaftliche Schäden in Millionenhöhe verursachen, könnte der Schutz der Puffotterpopulationen die Ernteverluste erheblich verringern und zugleich den Einsatz chemischer Schädlingsbekämpfungsmittel reduzieren.

Entscheidende Vorteile gegenüber räuberischen Säugetieren

Die Studie liefert überzeugende Argumente für den Schutz von Schlangen und nennt mehrere wesentliche Vorteile der Puffotter als natürliche Schädlingsbekämpfer:

  • Puffottern können ihre Nahrungsaufnahme weit über ihren normalen Bedarf hinaus steigern und übertreffen damit räuberische Säugetiere wie Wiesel und Luchse.
  • Nach Phasen besonders intensiver Nahrungsaufnahme können sie bis zu zwei Jahre ohne Nahrung überleben. Dadurch bleiben sie im Ökosystem und stehen gewissermaßen jederzeit als „abrufbare“ Nagetierjäger bereit.
  • Sie passen ihr Jagdverhalten an und konzentrieren sich verstärkt auf Nagetiere, sobald deren Populationen zunehmen.
  • Sie können schnell reagieren und dazu beitragen, dass die Zahl der Nagetiere nicht bis zu einem Plageniveau ansteigt.

„Besonders wertvoll ist, dass Puffottern in vielen afrikanischen Lebensräumen von Natur aus häufig vorkommen“, sagt Alexander. „Eine einzelne Puffotter frisst zwar wesentlich weniger als ein Fuchs oder eine Manguste, doch aufgrund ihrer höheren Populationsdichte können sie gemeinsam eine enorme Wirkung auf die Zahl der Nagetiere entfalten.“

Messung der Nahrungsaufnahme und ein neues Bild von Schlangen

Für seine Untersuchung verwendete Alexander eine neue Messgröße, den sogenannten „factorial scope of ingestion“. Damit wird ermittelt, wie stark ein Raubtier seine Nahrungsaufnahme über den normalen Erhaltungsbedarf hinaus steigern kann und welchen Einfluss eine große Population von Räubern auf ihre Beutetiere haben könnte.

Indem Puffottern während einer starken Vermehrung der Nagetiere bis zum Zwölffachen ihres normalen Nahrungsbedarfs aufnehmen, kann eine große Schlangenpopulation erheblich dazu beitragen, mögliche Schädlingsausbrüche unter Kontrolle zu halten. Die Studie stellt damit die traditionelle Sichtweise auf Schlangen als Problem für die Landwirtschaft infrage und zeigt sie stattdessen als nützliche Partner einer nachhaltigen Landwirtschaft.

„Diese Ergebnisse zeigen, dass der Schutz und das Management von Puffotterpopulationen ein wesentlicher Bestandteil integrierter Strategien zur Schädlingsbekämpfung sein sollten“, sagt Alexander. „Indem wir diese natürlichen Schädlingsbekämpfer schützen, können wir ihre bemerkenswerten Fähigkeiten nutzen, um sowohl die Gesundheit der Ökosysteme als auch die landwirtschaftliche Produktivität in ganz Afrika zu fördern. Zugleich unterstreicht dies die Notwendigkeit, Schlangen in Naturschutzpläne einzubeziehen.“ (University of the Witwatersrand)