
Zwei Monate nach der massenhaften Ankunft von mehr als 70.000 Menschen aus Marokko in Ceuta am 30. und 31. Juli bleibt die humanitäre Lage in der spanischen Exklave katastrophal. Nach Schätzungen aus Madrid hielten sich Ende September noch mindestens 2.500 Menschen ohne Unterkunft auf der Straße auf. Viele sind weitgehend auf sich allein gestellt. Neben fehlenden Unterkünften, Nahrung und sanitären Einrichtungen berichten Migranten auch von Gewalt durch spanische Sicherheitskräfte, berichtet RFI.
Im Industriegebiet Tarajal haben mehrere Hundert Marokkaner ein provisorisches Lager errichtet. Unter ihnen befinden sich vor allem junge Männer, aber auch Minderjährige und Familien.
„Hier leben wir im Elend. Sie müssen eine Lösung und eine Unterkunft für uns finden. So können wir nicht weitermachen“, sagt ein Mann.
Nach zwei Monaten ohne ausreichende Hygiene und mit nur wenig Nahrung ist die Stimmung angespannt. Mehrere Migranten werfen Soldaten und Polizisten vor, sie zu schikanieren und zu schlagen. „Wenn wir duschen wollen, hindern uns die Soldaten daran. Sie halten uns fest und schlagen uns mit Schlagstöcken“, berichtet ein Betroffener.
Nach einer Auseinandersetzung wurden mehrere Polizeifahrzeuge und Militärjeeps in das Lager geschickt. Augenzeugen berichten, dass ein Soldat einen jungen Mann mit einem Schlagstock geschlagen und dessen Mobiltelefon zerstört habe.
Besonders in der Kritik steht das Verhalten der vom spanischen Zentralstaat nach Ceuta entsandten Soldaten. Der 15-jährige Mohammed* berichtet, er sei im Schlaf von Soldaten überrascht und mit Schlagstöcken verprügelt worden. „Ich war voller Blut, bis der Krankenwagen kam und mich ins Krankenhaus brachte.“
Die spanische Regierung hat nach Bekanntwerden von mehr als hundert mutmaßlichen Fällen ähnlicher Gewalt Ermittlungen eingeleitet.
Rocio, eine Krankenschwester aus Madrid, gehört zu den Freiwilligen, die Migranten medizinisch versorgen. Sie bezeichnet die Situation als „inakzeptabel“ und kritisiert, dass staatliche Institutionen ihrer Verantwortung nicht ausreichend nachkämen. Die Helferin berichtet ebenfalls von Menschenrechtsverletzungen und Übergriffen durch Polizei und Militär.
Nahe der Grenze wartet Achraf* darauf, nach Marokko zurückzukehren. „Ich habe Demütigungen erlebt und kann es kaum erwarten, wieder zu Hause zu sein“, sagt er. Auch in Krankenhäusern würden Migranten seiner Darstellung zufolge getrennt behandelt und von Soldaten bewacht.
Unterdessen nimmt die Zahl der Rückkehrer zu. Nach Angaben der spanischen Behörden verlassen inzwischen bis zu 200 Migranten pro Tag Ceuta in Richtung Marokko.
*Name geändert