Ceuta: Migranten verlassen die Enklave und berichten von den Gewaltausbrüchen der vergangenen Tage

Am Samstagabend verließen weiterhin Migranten die spanische Enklave Ceuta – mehrere Dutzend Personen pro halbe Stunde. Der Höhepunkt der Migrationskrise scheint vorüber zu sein, nachdem in dieser Woche rund 50.000 Menschen illegal die Grenze überschritten hatten. Ein Ereignis ohne Beispiel in der Geschichte der spanischen Enklave. Zurück auf marokkanischem Gebiet erzählen viele Rückkehrer von der Gewalt, die sie in Ceuta erlebt haben und die ihren Traum von Europa zerstört habe, berichtet RFI.

Ein Polizist fragt einen jungen Mann, wohin er wolle. Vor der Grenze stehen Reisebusse bereit, um die Migranten in verschiedene Regionen Marokkos zurückzubringen.

„Ich fahre nach Tanger, ich kehre nach Hause zurück“, sagt einer der Rückkehrer erleichtert, nachdem er die spanische Grenze in umgekehrter Richtung überquert hat.

„Wir sind losgezogen in der Hoffnung, unser Leben zu verändern. Wir dachten, wir würden ein besseres Land finden. Das hier ist die Verletzung, die mir mit einem Golfschläger zugefügt wurde. Die Menschen in Ceuta haben mir das angetan“, berichtet ein junger Mann und zeigt einen Bluterguss an seiner Schulter.

Berichte über regelrechte Menschenjagden

Neben ihm steht Ilham, eine Urlauberin aus Toulouse. „Ich bin extra gekommen, um mit eigenen Augen zu sehen, was hier wirklich passiert. Es zerreißt mir das Herz. Die spanische Armee hat Kinder zusammengetrieben, um sie nach Marokko zurückzubringen. Ich schwöre, ich habe gesehen, wie sie geschlagen wurden“, erzählt sie.

Der 17-jährige Mustapha beschreibt Szenen, die er als regelrechte Menschenjagden erlebt habe. Er habe sich in einem Wald verstecken müssen, um sowohl Soldaten als auch Einwohnern von Ceuta zu entkommen.

„Wir haben wirklich gelitten. Die Gewalt, die wir erlebt haben, hat uns psychisch schwer getroffen. Deshalb haben wir diesen Ort verlassen“, sagt er.

Die Aussagen zahlreicher Migranten stimmen in wesentlichen Punkten überein und zeichnen das Bild massiver Gewaltausbrüche, die Ceuta in den vergangenen Tagen erschüttert haben.