Ceuta: Vier Marokkaner nach erneutem Angriff auf spanische Soldaten festgenommen

Marokkanische Staatsangehörige, darunter ein Minderjähriger, sind in Ceuta nach einem Steinangriff auf eine spanische Militärpatrouille in der Nacht von Freitag auf Samstag festgenommen worden. Ein Feldwebel wurde leicht verletzt. Der Vorfall ereignete sich zwei Tage nach dem Angriff auf ein Militärfahrzeug in Benzú, bei dem zwölf Personen festgenommen worden waren. Die Ereignisse finden zu einem Zeitpunkt statt, an dem sich noch mehrere Tausend Migranten in der spanischen Exklave aufhalten, nachdem am 30. Juli Zehntausende Menschen aus Marokko nach Ceuta gelangt waren.

Vier Personen wurden im Bereich des Strandes El Chorrillo im Zentrum von Ceuta festgenommen, nachdem eine Militärpatrouille mit Steinen beworfen worden war. Nach Angaben aus dem spanischen Innenministerium, auf die sich die Nachrichtenagentur EFE beruft, ereignete sich der Vorfall am frühen Samstagmorgen. Soldaten waren eingeschritten, um eine Gruppe von Migranten zu vertreiben, die Unruhen verursacht hatte. Ein Teil der Gruppe zeigte Anzeichen von Alkoholisierung. Die Situation eskalierte zu einer Auseinandersetzung, als Steine auf die Soldaten geworfen wurden.

Zweiter Angriff innerhalb weniger Tage

Ein Feldwebel wurde verletzt, nachdem ihn ein Wurfgeschoss getroffen hatte und er zu Boden gestürzt war. Quellen des spanischen Verteidigungsministeriums, die von EFE zitiert werden, sprechen von einer leichten Verletzung mit einer Wunde am Kopf. Anschließend wurden die Nationalpolizei und die Guardia Civil mobilisiert. Vier Marokkaner, darunter ein Minderjähriger, wurden im Zuge der Ermittlungen festgenommen. Die Behörden untersuchen weiterhin, ob weitere Personen an dem Angriff beteiligt waren.

Der Vorfall ereignete sich nach einem ersten Angriff auf spanische Soldaten am Donnerstagmorgen im Gebiet von Benzú. Eine Gruppe von etwa 30 bis 40 Personen hatte ein Fahrzeug mit vier Soldaten umringt und anschließend große Steine darauf geworfen. Den Soldaten gelang es, das Gebiet zu verlassen und die Rettungsdienste zu verständigen. Bei diesem Angriff waren vier Soldaten verletzt worden.

Tausende Migranten weiterhin in Ceuta

Die Nationalpolizei und die Guardia Civil nahmen zwölf Personen fest. Der Verband der spanischen Soldaten und Marineangehörigen (ATME) forderte einen besseren Schutz für die in Ceuta eingesetzten Soldaten. Die Organisation verlangte außerdem, dass Militärangehörige im Dienst den Status von Amtsträgern erhalten. Zudem forderte sie zusätzliche Schutzausrüstung sowie psychologische Betreuung für die betroffenen Soldaten. Die Vorfälle ereignen sich, während Ceuta weiterhin mit den Folgen des massiven Zustroms von Migranten vom 30. Juli konfrontiert ist.

Laut Reuters haben während dieser Ereignisse mehr als 72.000 Menschen die Grenze von Marokko aus überquert. Auf spanischer Seite kamen 82 Menschen ums Leben, auf marokkanischer Seite wurden 14 Todesfälle bestätigt. Ein großer Teil der Menschen, die in die Exklave gelangt waren, kehrte anschließend nach Marokko zurück. Bereits in der Woche nach dem massiven Zustrom gingen die spanischen Behörden davon aus, dass sich noch mehrere Tausend Menschen auf den Straßen Ceutas aufhielten. Die Nachrichtenagentur EFE berichtete Anfang August, dass noch zwischen 3.000 und 5.000 Migranten in der Stadt geblieben seien, darunter nach Angaben der örtlichen Behörden mehr als 1.000 Minderjährige.

Noch zwischen 5.000 und 8.000 Menschen in Ceuta

Die Zahl der verbliebenen Menschen veränderte sich anschließend durch Rückkehrbewegungen und die von den Behörden eingeleiteten Verfahren. Ende August schätzte Reuters die Zahl der noch in Ceuta befindlichen Menschen auf 5.000 bis 8.000. Ein Teil von ihnen lebt in provisorischen Lagern, insbesondere in der Nähe des Strandes El Trampolín. Auch das Aufnahmezentrum für Migranten steht unter erheblichem Druck: Mitte August waren dort rund 700 Menschen untergebracht – etwa 200 mehr, als die Einrichtung eigentlich aufnehmen kann.

Angesichts dieser Situation hat die spanische Regierung die Europäische Union offiziell um Unterstützung gebeten. Madrid ersuchte Frontex, die Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache, um Hilfe, insbesondere bei der Registrierung und Identifizierung der in der Exklave befindlichen Migranten. Spanien beantragte außerdem die Entsendung von zehn zusätzlichen Frontex-Beamten. Die spanische Anfrage erfolgt vor dem Hintergrund, dass der neue europäische Migrations- und Asylpakt den Rahmen für die Migrationspolitik der Europäischen Union bildet.

Verstärkte Militärpräsenz

Das Regelwerk sieht unter anderem Solidaritätsmechanismen zwischen den Mitgliedstaaten, operative Unterstützung durch europäische Agenturen sowie eine verstärkte Zusammenarbeit mit Partnerländern bei der Grenzverwaltung vor. Die Europäische Kommission hatte ihre Beobachtung der Lage in Ceuta bereits nach dem massiven Zustrom im Juli verstärkt. Die europäischen Behörden verfolgten insbesondere die Aufnahmebedingungen, die gesundheitliche Situation sowie die Lage der Menschen in den provisorischen Lagern der Exklave.

Humanitäre Organisationen versorgen unterdessen weiterhin Migranten, die Ceuta nicht verlassen haben, mit Lebensmitteln und Sachhilfen. Die spanische Armee war während des massiven Zustroms am 30. Juli gemeinsam mit den Sicherheitskräften eingesetzt worden. Laut Reuters hatte Madrid damals 60 Soldaten sowie 200 spezialisierte Polizeibeamte entsandt, um die örtlichen Kräfte zu verstärken. Die spanischen Einsatzkräfte wurden insbesondere entlang des Grenzgebiets sowie in den Küstenabschnitten eingesetzt, die für Einreisen auf dem Seeweg genutzt wurden. (Quelle: afrik.com)