
In der Côte d’Ivoire sind sie in der breiten Öffentlichkeit noch wenig bekannt, doch für ältere, kranke oder pflegebedürftige Menschen spielen sie eine wichtige Rolle. Alltags- und Pflegeassistenten begleiten sie im täglichen Leben, helfen ihnen bei einfachen Verrichtungen und tragen dazu bei, ihre Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten. Ein Beruf, der angesichts des sich wandelnden Betreuungsbedarfs und veränderter Familienstrukturen künftig an Bedeutung gewinnen dürfte, berichtet RFI.
Es ist 7.30 Uhr an diesem Morgen, als Adélaïde Djama das Tor einer Villa in einem Wohnviertel von Abidjan passiert. Die Alltagsbegleiterin beginnt einen neuen Arbeitstag bei einer über 90-jährigen Frau, um die sie sich seit mittlerweile drei Jahren kümmert: „Morgens überprüfen wir zunächst die Vitalwerte. Danach helfen wir der Patientin beim Waschen. Anschließend frühstückt sie. Wir lassen sie ein wenig sitzen, unterhalten uns mit ihr und fragen, wie sie geschlafen hat. Wir kümmern uns sehr aufmerksam um die Patientin.“
Im Laufe der Zeit ist Adélaïde zu einer Vertrauten und manchmal sogar zu einer Art Familienmitglied geworden. Ihre Anwesenheit ist auch für die Kinder der über 90-Jährigen von großer Bedeutung, von denen die meisten inzwischen im Ausland leben. „Was sich verändert hat, ist, dass wir jetzt keine Angst mehr haben. Wir wissen, dass sie gut versorgt ist. Und wir wissen, dass im Falle eines kleinen Problems sofort qualifizierte Pflegekräfte da sind. Wir verfügen über die notwendige Ausrüstung und können rechtzeitig reagieren“, berichtet eine ihrer Töchter.
Mit der steigenden Lebenserwartung und zunehmend über verschiedene Orte und Länder verstreuten Familien wächst in der Côte d’Ivoire die Nachfrage nach Alltags- und Pflegeassistenten.
Zu den spezialisierten Einrichtungen gehört Nepsia Santé & Prévention. Die 2015 gegründete Einrichtung betreut heute rund 30 ältere Menschen zu Hause. „Wir bringen die medizinische Fachversorgung direkt zum Patienten nach Hause. Wir statten die Zimmer der Patienten mit medizinischer Ausrüstung aus. Wir kommen mit einem Koffer zur Überwachung, in dem sich unter anderem ein Blutdruckmessgerät, ein Blutzuckermessgerät und Röhrchen für Probenentnahmen befinden. Die Kosten richten sich nach der jeweiligen Erkrankung des Patienten“, erklärt Dr. Tiabas Eliane, Leiterin von Nepsia Santé & Prévention.
Für die Betreuung durch einen Alltags- oder Pflegeassistenten müssen Familien zwischen 15.000 und 30.000 FCFA pro Tag bezahlen (ca. 23 – 46 Euro).
Erhebliche finanzielle Belastung
Auch wenn eine tägliche Betreuung unverzichtbar werden kann, stellt sie für die Familien häufig eine erhebliche finanzielle Belastung dar. „Ein gebrechlicher, pflegebedürftiger älterer Mensch ist zahlreichen Risiken und altersbedingten Erkrankungen ausgesetzt, etwa Verwirrtheitszuständen oder der Unfähigkeit, Medikamente ordnungsgemäß einzunehmen. Auch in sozialer Hinsicht besteht die Gefahr, dass diese Menschen allein und auf sich gestellt leben, was ihre Betreuung zusätzlich erschwert“, erklärt Professor Ulrich Ako, Facharzt für Geriatrie. „Heute ist es wichtig, dass pflegebedürftige Menschen nicht allein leben und zumindest von einem Angehörigen unterstützt werden. Auf diese Weise kann der Patient praktisch täglich beaufsichtigt werden. Gleichzeitig verschafft dies der Familie etwas Entlastung, sodass sie anderen Verpflichtungen nachgehen kann.
Hinzu kommen die finanziellen Kosten. Was kann man diesen Familien raten? Sie sollten innerhalb ihrer Familie nach Personen suchen, die entsprechend geschult werden können, um sich um ihren kranken älteren Angehörigen zu kümmern. Das ist zunächst einmal eine Möglichkeit, die Kosten etwas zu senken und gleichzeitig eine gute Betreuung dieser älteren Menschen zu gewährleisten.“