
Diese Woche im DAS-Pressespiegel: Afrikanische Staaten reagieren auf den Iran-Krieg, die USA unterzeichnen bilaterale Gesundheitsabkommen mit afrikanischen Ländern und die Tour du Rwanda geht zu Ende.
Reaktionen afrikanischer Staaten auf den Iran-Krieg Am Samstag starteten die USA und Israel koordinierte Luft- und Raketenangriffe auf Ziele im Iran, Teheran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen in der Golfregion. Während sich die militärische Eskalation im Nahen Osten ausweitet, reagieren auch afrikanische Staaten. Die Afrikanische Union (AU) rief unmittelbar nach Beginn der Angriffe zur Zurückhaltung auf und betonte die Notwendigkeit von Deeskalation, Dialog und Respekt für internationales Recht. Ihr Kommissionsvorsitzender Mahmoud Ali Youssouf warnte, eine weitere Eskalation könne Energiemärkte, Preisstabilität und Ernährungssicherheit in Afrika erheblich beeinträchtigen. Auch die westafrikanische Staatengemeinschaft ECOWAS äußerte Sorge, dass Störungen globaler Energie- und Handelsketten besonders starke wirtschaftliche Auswirkungen auf afrikanische Staaten haben könnten.
Auslöser dieser Sorgen sind insbesondere Risiken für zentrale Seehandelsrouten. Sowohl die Straße von Hormus als auch die Bab al Mandab Straße, die den Golf von Aden mit dem Roten Meer verbindet, gelten seit Beginn der militärischen Eskalation als akute Konfliktzonen. Rückläufiger Schiffsverkehr, der insbesondere über das Kap der Guten Hoffnung umgeleitet wird, sowie steigende Versicherungs- und Transportkosten wirken sich bereits jetzt auf globale Lieferketten aus und verteuern Importe für viele afrikanische Staaten.
Die Reaktionen der verschiedenen afrikanischen Regierungen zeigen derweil ein differenziertes Bild. Vertreter der sogenannten A3-Gruppe (afrikanische Mitglieder im UN-Sicherheitsrat) – aktuell die DR Kongo, Liberia und Somalia – riefen ähnlich der AU-Kommission zu Deeskalation und diplomatischen Lösungen auf. Somalia forderte zusätzlich eine nuklearwaffenfreie Region im Nahen Osten und kritisierte wie auch Äthiopien und Kenia vor allem die iranischen Angriffe auf die Golfstaaten, wobei es in einer ersten Erklärung explizit die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) aus seiner Solidaritätsbekundung ausschloss. Somalia wirft den VAE vor, im Hintergrund die Anerkennung Somalilands durch Israel unterstützt zu haben. Behörden in Somaliland bezeichneten die iranischen Angriffe derweil ebenfalls als unprovozierte Aggression und zeigten sich mit allen Golfstaaten solidarisch.
Auch in Nordafrika wurden die iranischen Angriffe auf „arabische Bruderstaaten“ von den Regierungen mehrheitlich verurteilt, darüber hinaus zeigten die Reaktionen unterschiedliche Nuancen. Marokko, dessen Regierung auf Grund der mutmaßlichen iranischen Unterstützung für die Frente Polisario in der Westsahara bereits 2018 die diplomatischen Beziehungen mit dem Mullah-Regime beendete, verurteilte die iranischen Offensiven als eindeutige Verletzung der Souveränität der Golfstaaten. Nachbarland Algerien äußerte hingegen tiefe Besorgnis über die Angriffe auf iranische Nuklearanlagen und warnte vor einer weiteren militärischen Eskalation. Ägypten setzt derweil vor allem auf diplomatische Vermittlung: Präsident Abdel Fattah Al-Sisi rief zum Dialog zwischen Washington und Teheran auf. Kairo spürt bereits wirtschaftliche Auswirkungen des Krieges, da rückläufiger Schiffsverkehr die Einnahmen aus dem Suezkanal verringert und Israel aufgrund des Krieges seine Gaslieferungen, die 15-20 % der täglich genutzten Gasmenge Ägyptens ausmachen, eingestellt hat.
Währenddessen kritisierten der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa sowie der senegalesische Premierminister Ousmane Sonko die vorangegangenen amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran als militärische Aktionen ohne Mandat der Vereinten Nationen – beide riefen zu multilateralen Lösungen auf. Ramaphosa brachte sich zudem als möglichen Vermittler ins Spiel, sollten die Konfliktparteien dies wünschen. Staaten wie Nigeria, Ghana und Gambia nahmen im Vergleich dazu eine zurückhaltende Position ein, betonten aber die Bedeutung internationalen Rechts. Andere Töne schlug Tschads Präsident Mahamat Idriss Déby Itno an, der Solidarität mit dem Iran bekundete und in der Folge sowohl die Angriffe auf Iran als auch dessen Angriffe auf arabische Staaten verurteilte.
Die Reaktionen afrikanischer Regierungen haben derweil eines gemeinsam: Sie vermeiden es, klar Stellung für eine der drei Hauptkriegsparteien zu beziehen. Die Unterschiede selbst spiegeln vor allem geopolitische und wirtschaftliche Verflechtungen afrikanischer Staaten wider. Staaten am Horn von Afrika pflegen enge Beziehungen zu Golfstaaten, Israel und den USA, auch Ägypten und Marokko unterhalten enge Verbindungen zu den USA. Staaten wie Südafrika und Senegal positionieren sich hingegen als Verfechter der multilateralen Ordnung. Dabei werden die Haltungen der Regierungen in den jeweiligen Ländern teilweise kontrovers diskutiert – die Deutsche Afrika Stiftung plant, die afrikanische Medienlandschaft für Sie im Blick zu behalten und einen Sonderpressespiegel zu afrikanischen Reaktionen auf den Iran-Krieg herauszubringen.
Bilaterale US-Gesundheitsabkommen in Afrika Am Montag berichteten internationale Medien, dass Niger und die USA eine bilaterale Gesundheitspartnerschaft im Rahmen der America First Global Health Strategy unterzeichnet haben …
Und sonst?
Am Sonntag ging in der ruandischen Hauptstadt Kigali die diesjährige Ausgabe der Tour du Rwanda mit gleich zwei deutschen Radfahrern an der Spitze zu Ende. Während der Eritreer Henok Mulubrhan, Toursieger von 2023, die achte und letzte Etappe gewann, holte sich der Deutsche Moritz Kretschy den Gesamtsieg …
HIER geht es direkt zum detaillierten wöchentlichen Pressespiegel, in dem Sie eine umfangreiche Linksammlung zu weiteren afrikapolitisch relevanten Nachrichtenbeiträgen finden. (Deutsche Afrika Stiftung – DAS)