DAS-Afrika-Pressespiegel KW 39/2026: Neukalibrierung

Diese Woche im DAS-Pressespiegel: In Marokko finden Parlamentswahlen statt, Südsudans Präsident vereidigt eine geschäftsführende Regierung, in Äthiopien weiten sich bewaffnete Auseinandersetzungen aus, STEMAIDE Africa stellt neue Lernkits in Ghana vor und am 6. Oktober findet der 5. Wirtschaftsgipfel Afrika Baden-Württembergs statt.

Parlamentswahlen in Marokko Am Donnerstag gab das marokkanische Innenministerium die vorläufigen Ergebnisse der Parlamentswahlen vom Vortag bekannt. Demnach wurde die Parti Authenticité et Modernité (PAM) mit 97 der 395 Sitze stärkste Kraft und überholte damit ihren bisherigen Koalitionspartner, die Rassemblement National des Indépendants (RNI), die 66 Mandate erhielt und bislang die Regierungskoalition unter Premierminister Aziz Akhannouch angeführt hatte. Die konservative Istiqlal-Partei kam auf 65 Sitze, während die islamistisch geprägte Parti de la Justice et du Développement (PJD), die bei der Wahl 2021 nur 13 Mandate errungen hatte, ihre Sitzzahl auf 54 erhöhte. Insgesamt zogen 14 der 27 zur Wahl angetretenen Parteien ins Parlament ein.

Die Wahlbeteiligung lag bei rund 38 % und damit deutlich unter den 50,86 % von 2021. Junge Menschen waren im Wählerverzeichnis besonders schwach vertreten: Nur vier Prozent der registrierten Wahlberechtigten waren zwischen 18 und 24 Jahre alt, obwohl ihre Anliegen den Wahlkampf maßgeblich prägten. So versprachen die Parteien unter anderem mehr Arbeitsplätze, höhere Löhne und eine bessere Gesundheits- und Bildungsversorgung. Die RNI erneuerte ihr Versprechen, bis 2031 eine Million Arbeitsplätze zu schaffen und auch die PAM stellte eine Million neue Stellen sowie Maßnahmen zur Stärkung der Kaufkraft in Aussicht. Wie drängend die Frage nach beruflichen und gesellschaftlichen Perspektiven für viele junge Menschen in dem nordafrikanischen Königreich ist, hatten bereits die Gen-Z-Proteste im Herbst 2025 gezeigt (Pressespiegel KW 40/2026). Auch der Massenansturm auf die spanische Exklave Ceuta im Juli 2026, bei dem zahlreiche Menschen auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen versuchten, die Grenzzäune zu überrennen und die Seegrenze zu umschwimmen, rückte diese Unzufriedenheit in den Blick mehrerer Oppositionsparteien. So bezeichnete unter anderem die Parti du Progrès et du Socialisme (PPS), die bei den Wahlen 19 Sitze gewinnen konnte, den Vorfall als Warnsignal für die Defizite der bisherigen Politik. Auch die Normalisierung der Beziehungen zu Israel (Pressespiegel KW 38/2026) war Thema im Wahlkampf: Die PJD etwa, die die Unterzeichnung der Abraham-Abkommen 2020 als damalige Regierungspartei noch notgedrungen mitgetragen hatte, wandte sich gegen die Zusammenarbeit mit Israel und forderte in ihrem Wahlprogramm ein Ende der Normalisierung.

Expertinnen und Experten sehen in der geringen Wahlbeteiligung derweil auch ein Zeichen schwindenden Vertrauens in die politischen Institutionen und deren Einflussmöglichkeiten. Zwar stärkte die Verfassungsreform von 2011 die Rolle des Regierungschefs und des Parlaments, zentrale Befugnisse verblieben jedoch beim König. Nach Artikel 47 der marokkanischen Verfassung ernennt der König den Regierungschef oder die -chefin aus der Partei, die bei der Parlamentswahl die meisten Sitze errungen hat. Damit kommt der PAM mit ihrem Wahlsieg zunächst die zentrale Rolle bei der Regierungsbildung zu. Als mögliche Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt gelten der Haushaltsstaatssekretär und Fußballverbandspräsident Fouzi Lekjaa, der erst wenige Wochen vor der Wahl in die Parteiführung eingetreten war, sowie Fatima Ezzahra El Mansouri, Ministerin für Raumplanung und Bürgermeisterin von Marrakesch. Der bisherige Regierungschef Aziz Akhannouch hatte bereits vor der Wahl den Vorsitz der RNI abgegeben und trat nicht erneut an. Zugleich schloss die PAM-Führung eine erneute Koalition mit der RNI aus. Da die PAM mit 97 von 395 Sitzen weit von einer eigenen Mehrheit entfernt ist, muss sie nun mit anderen Parteien über die Zusammensetzung der künftigen Regierung verhandeln.

Südsudans Präsident vereidigt geschäftsführende Regierung zur Vorbereitung von Wahlen Am Mittwoch vereidigte Südsudans Präsident Salva Kiir eine geschäftsführende Regierung, die bis zu den für den 22. Dezember angesetzten ersten nationalen Wahlen seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 2011 die Amtsgeschäfte führen soll …

Sondermeldung: Bewaffnete Auseinandersetzungen in Äthiopien weiten sich aus

Am Mittwoch übernahmen Kräfte der Volksbefreiungsfront von Tigray (Tigray People’s Liberation Front, TPLF) die Kontrolle über den Flughafen Mekelle in der nordäthiopischen Region Tigray, wie verschiedene internationale Medien berichteten. Gleichzeitig kam es zu Kämpfen zwischen der TPLF und äthiopischen Regierungstruppen, die sich auch auf die angrenzenden Regionen Afar und Amhara ausweiteten …

Und sonst? Ghanaische Medien berichteten in dieser Woche über die Vorstellung vier neuer Lernkits des Bildungstechnologieunternehmens STEMAIDE Africa, die die praktische Ausbildung in MINT-Fächern stärken sollen…  

Veranstaltungshinweis Am 6. Oktober 2026 findet in der Messe Stuttgart der 5. Wirtschaftsgipfel Afrika des Landes Baden-Württemberg statt …

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