DAS-Afrika-Pressespiegel KW 6/2026: Der Teufel steckt im Detail

DAS-Afrika-Pressespiegel KW 6/2026: Der Teufel steckt im Detail

Diese Woche im DAS-Pressespiegel: Die USA bestätigen Truppenpräsenz in Nigeria, Tschad und Frankreich beleben ihre Beziehungen wieder, in Berlin ist eine von dem zivilgesellschaftlichen Verein Afrika-Forum e. V. initiierte Gedenktafel zur Erinnerung an die Berliner Konferenz 1884/85 entwendet worden, und Fela Kuti, Pionier des Afrobeat, erhält den Grammy Lifetime Achievement Award.

USA bestätigen Entsendung kleiner Militärtruppe nach Nigeria Am Dienstag bestätigte US-General Dagvin Anderson, Vorgesetzter des United States Africa Command (AFRICOM), dass die USA eine kleine Militärtruppe nach Nigeria entsendet haben. Die Entsendung folge auf Gespräche, die Ende vergangenen Jahres zwischen ihm und Nigerias Präsident Bola Tinubu stattgefunden hatten und in denen beschlossen wurde, gemeinsam verstärkt gegen terroristische Bedrohungen vorzugehen. Die Verkündung stellt die erste offizielle Bestätigung einer US-Militärpräsenz in Nigeria seit dem US-Luftangriff am ersten Weihnachtsfeiertag vergangenen Jahres dar.

General Anderson führte des Weiteren aus, die US-Truppe sei auf Bitten Nigerias entsandt worden und solle die nigerianischen Sicherheitskräfte gezielt bei der Bekämpfung terroristischer Gruppen unterstützen. Nigeria sei ein bereitwilliger Partner, der von den Fähigkeiten und Erfahrungen der USA profitiere. Details zu Umfang, Zusammensetzung und Art der Mission nannte Anderson jedoch nicht. Auch von Seiten der nigerianischen Regierung liegen bislang nur begrenzte Informationen vor. Inzwischen sah sich Verteidigungsminister Christopher Musa angesichts zahlreicher Spekulationen und Kritik gezwungen zu spezifizieren, dass es sich bei der Entsendung nicht um Kampftruppen, sondern um ein Beratungsteam handele, das nachrichtendienstliche Unterstützung und Ausbildung leiste. Zuvor hatte bereits ein ehemaliger US-Beamter gemutmaßt, dass die amerikanische Spezialeinheit sich vor allem auf die Unterstützung der nigerianischen Regierung bei der Informationsbeschaffung sowie bei gezielten Operationen gegen terroristische Gruppen konzentriere.

Der aktuelle Einsatz reiht sich in eine Serie früherer Maßnahmen ein, die eine Neudefinition der nigerianisch-amerikanischen Sicherheitsbeziehungen sowie ein verstärktes Engagement der USA in der Terrorismusbekämpfung in Westafrika andeuten. So sollen die Vereinigten Staaten bereits seit mindestens Ende November 2025 Überwachungsflüge über Nigeria aus dem benachbarten Ghana durchgeführt haben, um potenzielle terroristische Bedrohungen zu identifizieren. Ende Dezember hatte US-Präsident Donald Trump einen Luftangriff im nordwestnigerianischen Bundesstaat Sokoto angeordnet, der sich gegen die bewaffnete Gruppe der Lakurawa, die mit dem Islamischen Staat in Verbindung stehen soll, richtete. Laut AFRICOM erfolgte der Angriff in Abstimmung mit der nigerianischen Regierung und den lokalen Behörden. Es wurden mehrere Kämpfer der Lakurawa getötet.

Hintergrund der Maßnahmen ist der zunehmende Druck Washingtons auf Abuja, entschiedener gegen islamistische Milizen vorzugehen. Im Oktober 2025 hatte Trump erklärt, Christen in Nordwest-Nigeria seien einer existenziellen Bedrohung ausgesetzt. Er drohte mit einer militärischen Intervention, sollte die Gewalt gegen Christen nicht gestoppt werden. Die nigerianische Regierung wies die Vorwürfe einer systematischen Christenverfolgung oder gar eines Genozids an Christen entschieden zurück. Die Sicherheitssituation in Nigeria ist komplex. Islamistische Gruppierungen wie Boko Haram und Islamic State West Africa Province (ISWAP) terrorisieren unterschiedliche Regionen seit teils zwei Jahrzehnten. Dabei werden sowohl Christen als auch Muslime angegriffen. Gerade erst in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch sind in dem zentralwestlich gelegenen Bundesstaat Kwara mindestens 170 Menschen eines muslimischen Dorfes von Dschihadisten getötet worden, da sie sich weigerten, der radikalen Doktrin zu folgen. Präsident Tinubu teilte am Donnerstag mit, ein Bataillon in die Region zu entsenden. AFRICOMs Unterstützung soll sich derweil auf Sokoto und den Nordosten Nigerias konzentrieren.

Während einige Beobachterinnen und Beobachter die Mission als Ausdruck der Entschlossenheit der USA werten, ihre militärische Präsenz auf dem afrikanischen Kontinent auszubauen, warnen andere, dass eine zu starke Federführung Washingtons im militärischen Bereich antiamerikanische Stimmungen im Land und in der Region verstärken könne.

Tschads Mahamat Déby zu Besuch bei Frankreichs Macron Ende vergangener Woche empfing der französische Präsident Emmanuel Macron seinen tschadischen Amtskollegen Mahamat Idriss Déby Itno im Élysée-Palast in Paris, um die angespannten bilateralen Beziehungen wiederzubeleben. Macron und Mahamat Déby vereinbarten eine „wiederbelebte Partnerschaft“, basierend auf gegenseitigem Respekt, Souveränität und gemeinsamen Interessen …

Sondermeldung In Berlin ist eine von dem zivilgesellschaftlichen Verein Afrika-Forum e. V. initiierte Gedenktafel zur Erinnerung an die Berliner Konferenz 1884/85, auch bekannt als Berliner Westafrika- bzw. Kongo-Konferenz, offenbar entwendet worden. Die mehrsprachige Tafel, die seit 2005 am historischen Ort Wilhelmstraße 92 über die Konferenz, die auf Einladung von Reichskanzler Otto von Bismarck abgehalten wurde, aufklärt sowie an koloniale Gewalt und historische Verantwortung erinnert, war bei einer letzten Kontrolle im Dezember 2025 noch vorhanden, wurde Ende vergangener Woche jedoch als vollständig entfernt gemeldet …

Und sonst? Der nigerianische Musiker Fela Kuti wurde am vergangenen Samstag posthum mit dem Grammy Lifetime Achievement Award für sein musikalisches Lebenswerk ausgezeichnet. Die Recording Academy hatte die Ehrung bereits im Dezember bekannt gegeben, überreicht wurde die Auszeichnung nun bei der Grammys Special Merit-Zeremonie in Los Angeles …

HIER geht es direkt zum detaillierten wöchentlichen Pressespiegel, in dem Sie eine umfangreiche Linksammlung zu weiteren afrikapolitisch relevanten Nachrichtenbeiträgen finden. (Deutsche Afrika Stiftung – DAS)