
Eritrea ist in den westlichen Medien eine Art Paria. Dies fällt umso mehr auf als zahlreiche andere Länder, die sich als Diktaturen durch Gewalt und Menschenrechtsverletzungen disqualifiziert haben, durchaus als Partner westlicher Regierungen behandelt werden. An Eritrea hingegen werden außergewöhnlich strenge Maßstäbe angelegt. Dabei stand man vor Jahren bereits am Beginn einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit, die von der deutschen Förderbank KfW maßgeblich mitfinanziert werden sollte.
Es waren politische Gründe, die nach den Recherchen des Journalisten Martin Zimmermann ausschlaggebend waren, eine sich anbahnende vielversprechende Kooperation abzuwürgen. Wikileaks – Dokumente scheinen die Annahme nahezulegen, dass die USA Einfluss ausübten, um eine Zusammenarbeit anderer westlicher Länder mit Eritrea zu verhindern. Eritrea verweigerte nämlich eine militärische Zusammenarbeit mit den USA.
Die Folge war, dass wieder einmal, wie so oft in Afrika, China die Gunst der Stunde nutzte und sich Eritrea als Partner anbot – zu besonders günstigen Bedingungen. So hat heute China ein Quasimonopol für die Gewinnung eritreischer Bodenschätze – Kupfer, Zink, Silber, Gold, Potassium – unter Bedingungen, die auch dem kleinen Land am Roten Meer Vorteile bringen. Dies war ein Resultat des widersprüchlichen Verhaltens des Westens, das gerade in Afrika so kennzeichnend ist: Auf der einen Seite die Expansion Chinas beklagen und sein wirtschaftliches
Vordringen anprangern – andererseits potenzielle Partner verprellen und sie buchstäblich in die Arme Chinas treiben. Zahlreiche Metalle und Mineralien, für die Europa heute auf China angewiesen ist, könnte man direkt aus Eritrea beziehen.
Es wäre immer noch an der Zeit, die Chance einer Zusammenarbeit mit Eritrea zu ergreifen – jetzt wo die meisten Sanktionen gegen Eritrea aufgehoben sind. Denn Eritrea ist auf eine alleinige Kooperation mit dem Partner China keineswegs ideologisch festgelegt, wie Alem Kibreab, Abteilungsleiter im eritreischen Energie- und Bergbau-Ministerium, in einem Interview angedeutet hat.
Eritrea hat durchaus auch Interesse, technische Ausrüstung im Westen zu beschaffen, wo dies aus Qualitätsgründen sinnvoll ist, auch wenn sie im Vergleich teurer ist. Schon jetzt sieht man modernste Krananlagen aus Deutschland in Eritrea. Wenn die derzeitigen Gewinne im Bergbau noch relativ bescheiden erscheinen, so deshalb, weil der Bergbau in Eritrea noch ganz am Anfang steht. „Marktpotenzial gibt es …, die Chinesen machen es vor.“ Schreibt GTAI.
An der eritreischen Seite liegt es nicht – sie hat Interesse an einer Diversifizierung ihrer internationalen Partner. Wenn jetzt, nach dem Auslaufen der Sanktionen, eine stärkere Präsenz europäischer Firmen entstehen würde, wäre dies ein Neuanfang, der allen Seiten – nicht zuletzt der eritreischen Bevölkerung – nur nützen könnte und die Abhängigkeit Eritreas von eventuell problematischen Partnern reduzieren würde. (Dr. Alfred Schlicht)