
Mehr als 60.000 Tonnen Fisch werden nach Angaben der Behörden der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) jedes Jahr im Kongo-Fluss gefangen. Millionen Menschen leben vom Fischfang und damit vom Fluss. Doch in der Umgebung von Kinshasa stellen die Fischer fest, dass die Fischbestände zurückgehen. Stattdessen finden sie immer mehr Plastik in ihren Netzen. Einige haben die Fischerei inzwischen sogar aufgegeben und sammeln stattdessen Plastikabfälle, die sie an lokale Recyclingunternehmen verkaufen, berichtet RFI.
Der Tag bricht gerade erst über dem Kongo-Fluss an. In seinem abgenutzten Holzkanu fährt Jilby Mwanufioti am Ufer von Kinshasa entlang. Der Fischer holt seine Netze ein. Seit 40 Jahren führt er dieselben Handgriffe aus – und im Laufe der Jahre hat er eine alarmierende Entwicklung beobachtet: Die Fänge werden immer geringer.
„Es gibt nur noch kleine Fische, Jungfische … Früher habe ich große Fische gefangen, aber die Fische sind wegen des Plastiks verschwunden“, beklagt er sich verärgert. „Inzwischen gibt es mehr Plastik als Fische im Wasser. Da sind gebrauchte Babywindeln, Saftflaschen … Es ist traurig“, sagt der Fischer.
Nach Angaben von Umweltexperten produziert die kongolesische Hauptstadt täglich mindestens 15 Tonnen Plastikmüll. „Weniger als 20 Prozent dieser Abfälle werden ordnungsgemäß behandelt, der Rest wird in den Kongo-Fluss gekippt – in diesen Fluss, der das Rückgrat unseres Landes bildet“, warnt Vincent Kunda, Direktor der NGO Kongo River. „Es gibt viel zu tun. Aber wenn kein Bewusstseinswandel stattfindet, laufen wir Gefahr, dieses gesamte Erbe zu verlieren.“
150 kg Plastik pro Woche aus dem Fluss geholt
In Kinshasa leben mehr als 600 Familien von der traditionellen Fischerei. Doch die Verschmutzung wirkt sich auch auf die Einkommen der Fischer aus. Sie verdienen inzwischen kaum noch 20 Dollar pro Woche, gegenüber 100 Dollar vor einigen Jahren.
Um über die Runden zu kommen, fischen einige nicht mehr nur nach Fischen, sondern auch nach Plastik – denn das ist inzwischen lukrativer. Mit dem Paddel in der Hand zeigt Charles Moluwa, der seit 60 Jahren als Fischer arbeitet, seinen Fang des Tages:
„Schau dir dieses Plastik an, ich hole riesige Mengen davon aus dem Wasser. Ich lagere alles zu Hause, bis ich 150 Kilogramm zusammenhabe“, erklärt der Fischer. „Dann verkaufe ich es an Recyclingunternehmen. Damit verdiene ich ungefähr 80 Dollar pro Woche.“
Doch hinter dieser Tätigkeit, die ihm das Überleben ermöglicht, verbirgt sich eine andere Realität: Ein traditionelles Handwerk und das damit verbundene Wissen drohen heute zu verschwinden.