
In Esse, einer kleinen Ortschaft rund 80 Kilometer von der Hauptstadt Yaoundé entfernt, haben die Einwohner seit zwölf Jahren wegen unbezahlter Rechnungen keinen Zugang mehr zum Stromnetz. 2018 hatte die Regierung eine Solaranlage errichtet, die das Stadtzentrum und die umliegenden Gebiete mit Energie versorgte. Heute ist die Anlage sich selbst überlassen und funktioniert nicht mehr. Die Situation sorgt für Streit. Einige Einwohner werfen sogar der seit 2020 amtierenden Gemeindeverwaltung vor, die Solaranlage nicht instand halten zu wollen, berichtet RFI.
Auf der Veranda seines Hauses sitzend kann Emmanuel Tsala in etwa hundert Metern Entfernung die inzwischen verlassene Solaranlage sehen. Der über 60-Jährige ist begeisterter Radiohörer und musste sich ein kleines Radiogerät kaufen, das er mit Solarenergie auflädt – so auch an diesem Morgen: „Als wir Solarenergie hatten, war es hier wie in Yaoundé. Es war wie normaler Strom: Es gab Strommasten und Zähler, und wir bezahlten jeden Monat unsere Rechnungen. Als die Anlage kaputtging, hätte man die Situation wieder in Ordnung bringen müssen.“
Inzwischen ist das Gelände rund um die Anlage von hohem Gras überwuchert. Mehrere Solarmodule wurden gestohlen. In den Straßen und Vierteln des Zentrums von Esse stehen die Strommasten noch immer. Doch die Kabel, die die Anlage mit den Haushalten verbanden, wurden durchtrennt.
„Es tut mir weh, es tut mir wirklich sehr weh.“ Ambroise Evina war von 2018 bis 2020 Bürgermeister der Gemeinde Esse. Auf seine Initiative ging der Bau der Solaranlage zurück, die vom Ministerium für Wasser und Energie finanziert wurde. Das Projekt kostete 200 Millionen FCFA (rund 305.000 Euro). „Wir haben damit praktisch vier Jahre lang gearbeitet. Für die Wartung kam die Gemeinde auf und ließ alle zwei oder drei Monate Techniker kommen. Leider wurde das Projekt nach meinem Ausscheiden im Jahr 2020 sabotiert. Ich möchte niemandem die Schuld dafür geben, aber Sie können selbst sehen, dass es keine Solarmodule mehr gibt, praktisch nichts ist mehr übrig. Das tut mir sehr weh.“
Seit 2020 wird die Gemeinde von einem neuen Team geführt, das die Wartung nicht mehr gewährleistet hat. Martin Ndongo Bouné, Bürgermeister von Esse, erklärt: „Bei diesem Projekt war die Gemeinde weder direkt noch indirekt an der Verwaltung beteiligt – weder bei der Überwachung der Anlagen noch bei der Wartung, der Bewachung oder anderen Aufgaben. Im Rahmen der nun angekündigten Wartungsarbeiten wird die Gemeinde künftig jedoch in die Überwachung und alle damit verbundenen Aufgaben einbezogen.“
Bis dahin versorgt sich ganz Esse mit Generatoren oder kleinen Solaranlagen mit Strom. Die Rückkehr der Solarenergie und der regulären Stromversorgung stehe jedoch kurz bevor, erklärt der Bürgermeister. Möglich werde dies durch eine neue Finanzierung der Regierung.