
Sandra Aboh Tembei produziert in Kamerun Präzisionsbauteile – dank gezielter Investition eines Studienfreunds aus Deutschland.
In Douala, Kameruns zweitgrößter Stadt, schneidet ein Laser Metallplatten auf den Millimeter genau. Sandra Aboh Tembei prüft die Maße eines Torrahmens in ihrer kleinen Fabrik. Ihre Firma, die Mellow Group, produziert Präzisionsbauteile aus Metallen und Holz für Möbel, Türen und Fassaden. Vor drei Jahren fehlten ihr die Maschinen für diese Maßarbeiten. Heute beschäftigt sie sieben Mitarbeiter und beliefert Bauprojekte im ganzen Land. Den entscheidenden Impuls gab eine Investition aus Deutschland.
Technologie trifft auf lokale Initiative
Sandra Aboh Tembei und Fokam Foadieng Jacques Isacar studierten gemeinsam in Kamerun. Heute lebt Isacar im hessischen Pfungstadt. Der Werkstoffingenieur hat in Deutschland weiterstudiert und dort als Fachkraft Fuß gefasst. Als Sandra ihr Unternehmen gründete, investierte er über die digitale Plattform WIDU.africa 1.250 Euro in ihre Firma. Sandra steuerte denselben Betrag bei. Die GIZ verdoppelte die Summe mit weiteren 2.500 Euro. So konnte Jacques Isacars Studienfreundin eine Industriebohrmaschine kaufen und ihr Geschäft voranbringen.
„Wir haben die Produktionszeit halbiert“, erklärt Sandra. Ihre Firma verarbeitet Stahl mit Lasertechnik und computergesteuerten Werkzeugmaschinen. „Ich will zeigen, dass Afrika nicht nur Rohstoffe exportieren muss“, sagt sie. „Wir können hochwertige Produkte selbst herstellen.“ 2023 gewann sie den Preis als „Junge Unternehmerin des Jahres“ in Kamerun.
Rücküberweisungen als Wirtschaftsmotor
In Afrika übersteigen Rücküberweisungen die öffentlichen Mittel für Entwicklungszusammenarbeit inzwischen deutlich. Allein 2024 flossen mehr als 95 Milliarden US-Dollar auf den Kontinent zurück – in vielen Ländern ist das mehr, als sie über Exporte einnehmen. Viele Migrant*innen der so genannten Diaspora treibt der Wunsch an, in ihre Heimat zu investieren: Sie wollen ihre Familien unterstützen, aber auch Arbeitsplätze schaffen und zur wirtschaftlichen Entwicklung vor Ort beitragen. So wie Investor Jacques Isacar, der sagt: „Mein Ziel ist es, Menschen in Afrika so zu stärken, dass sie die Herausforderungen selbst bewältigen können – besonders in Kamerun.“
Die Plattform WIDU.africa wirkt hier wie ein Treiber, indem sie Rücküberweisungen gezielt in produktive, langfristige unternehmerische Investitionen lenkt. So profitieren nicht nur einzelne Haushalte, sondern ganze lokale Wirtschaften in den Herkunftsländern. Die GIZ setzt WIDU im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) um, mit Unterstützung der Europäischen Union und der Gates Foundation.
Investition mit System
Das Modell: Ein Mitglied der Diaspora und ein afrikanischer Unternehmer investieren jeweils mindestens 150 Euro. Die GIZ verdoppelt die Summe mit bis zu 3.000 Euro. Bei Folgeanträgen steigt der maximale Zuschuss auf 5.000 Euro. Sandra erhielt zusätzlich drei Coaching-Sitzungen und bildete sich auf der kostenlosen Lernplattform atingi weiter. Hier bekommt sie konkretes Know-How, um ihr Geschäft noch erfolgreicher zur führen. Inzwischen ist WIDU in neun afrikanischen Ländern aktiv – seit Anfang 2026 auch in Côte d’Ivoire, Gambia, Mali und Senegal. Mittlerweile können Diaspora-Mitglieder aus allen EU-Mitgliedstaaten sowie aus Norwegen und der Schweiz teilnehmen und Familienmitglieder und Freunde in Afrika finanziell unterstützen. Gefördert werden Unternehmen aus allen Branchen.
WIDU hat bisher über 7.600 Unternehmen in Afrika gefördert und so dazu beigetragen, mehr als 18.000 Arbeitsplätze zu sichern und zu schaffen. Über die Hälfte dieser Arbeitsplätze kamen Frauen zugute.
Sandra plant bereits das nächste Projekt: eine Fabrik für Solarmodule. „Afrika braucht saubere Energie“, ist sie überzeugt. Mit WIDU.africa und der GIZ an ihrer Seite könnte ihr das gelingen. Ein Beispiel dafür, wie afrikanische Initiative und europäische Partnerschaft gemeinsam Wirtschaft verändern – und Arbeitsplätze schaffen, die bleiben. (GIZ)